Alles bäh…

EZB ist Bäh, Vorratsspeicherung ist Bäh, TTIP ist Bäh.

Aktivitäten gegen diese Schlagworte erreicht mittlerweile ein Niveau, wo ein Schimmelpilz schon wesentlich hilfreicher für die Menschheit ist.

Vorgestern ist die Polit-Aktivistin Josephine Marckmann auf einen EZB-Tisch gesprungen. Ihr kennt Josephine nicht? Das ist eine 22jährige Ex-Femen die unter dem Namen “Josephine Witt” früher öfters mal mit nacktem Oberkörper in Veranstaltungen “der Mächtigen” herumgehopst ist und dafür sogar einen Wikipedia-Eintrag bekam mit der Begründung “genug Treffer bei Google, war schonmal auf einem Titelblatt einer Zeitung” – womit der Löschantrag erledigt war.

Nachdem die Presse ausführlich darüber berichtet hat, wagte sich die F.A.Z. als einzige Zeitung mal einen Kontrapunkt zu setzen und hat ein ordentliches Interview mit Frau Marckmann zum Thema “Was stört Sie an Mario Draghi?” geführt.

Erstaunlich was dabei herausgekommen ist.

Zum Beispiel “[…], die EZB ist nicht demokratisch legitimiert, weil sie nicht gewählt wird. Das finde ich falsch. Denn das, was sie tut, ist klar politisch und hat Auswirkungen auf uns alle.”

Dass das Konstrukt der EZB bei ihrer Gründung bewusst fernab und möglichst unbeeinflusst der Politik (also von dem ganzen “Demokratiegemauschel”) gehalten wurde muss sie in ihrem Alter nicht wissen. Und Aussagen wie “Die Demonstranten wurden weit ferngehalten vom [EZB]Gebäude, es gab keinen Dialog.” erscheint mir doch eher als Ponyhofdenke…

Da mein Arsch mehr Obweite als dieses Gör hat werde ich mal auf irgendeiner Veranstaltung meine Gesässfalte in das Gesicht eines Promis drücken. Ich werde dafür abgeführt, die Gegenseite liegt dann aber mindestens 3 Tage im Koma – versprochen. UND DANN BEKOMME ICH AUCH EINEN WIKI-EINTRAG!!!!!ELF – aber nur wegen medialer Aufmerksamkeit, nicht wegen Inhalten.

 

Aber wer fragt heute schon nach Inhalten. Ein Spruch wie “Freiheit statt Angst – Stoppt den Überwachungswahn!” reicht schon aus um die Schafe aus dem Wohnzimmer auf den Asphalt zu bringen.

Hier geht es um “Vorratsdatenspeicherung“. Ein Thema, was mich als Provider selber betrifft und das ich weitestgehend ignoriere solange irre Staatsanwälte und dumme Anwälte das Auskunftsersuchen stellen (und das war bislang 1x der Fall – ob das heute noch geht, hm hm hm…).

Vorratsdatenspeicherung sehe ich als eine Art “Post Mortem Dump” an: sollte einer meiner Kunden anfangen auf Menschen zu schiessen werde ich den Ermittlungsbehörden selbstverständlich heraussuchen, mit wem jener in den letzten 7 Tagen per E-Mail kommuniziert hat um der Exekutive eine Chance zu geben Schlimmeres zu verhüten.

Leider unterscheidet das Gesetz beim Auskunftsanspruch kaum zwischen einem Raubkopierer und einem Mörder – für die Justiz sind beide erstmal Straftäter. Und darin liegt für mich das Problem: im Prinzip ist die Vorratsdatenspeicherung im ernsten Ernstfall ein gutes Hilfsmittel welches aber in der Realität eben durch die bekanntermassen zunehmend realitätsfremde Legislative soweit Aufgeweicht wird dass die Abmahnanwälte ein wieder aufstrebendes Geschäft wittern.

Aber dafür gibt es Initiativen wie http://www.vorratsdatenspeicherung.de/. Wenn man sich die Gruppe der Erstunterzeichner bei Gründung anschaut, ist da massive Kompetenz und Fähigkeit gesammelt um politisch wie auch juristisch gegen die Vorratsdatenspeicherung vorzugehen.

Und was ist davon übrig geblieben? Montags-AfD-Pegida-Demos.

Ein Ableger der “Electronic Frontier Foundation” in Deutschland zu schaffen scheint unmöglich zu sein. Aus der Wikipedia: “Die Electronic Frontier Foundation (EFF) ist eine Nichtregierungsorganisation in den Vereinigten Staaten, die sich für Grundrechte im Informationszeitalter einsetzt. Überwiegend arbeitet die EFF vor Gerichten. Daneben betreibt sie Öffentlichkeitsarbeit.

Merkt ihr was? Die EFF in Amerika ist sowas wie der “Bund der Steuerzahler” der Informatiker (letztere Ärgern die Gerichte des öfteren mit recht kniffeligen Fällen um eine Grundsatzentscheidung zu bekommen). Mir ist kein Verein in Richtung “Informationstechnologie” bekannt, der ähnliches Vorgehen zeigt – man reagiert im Nachhinein und ruft zu Demos auf. Fack you.

 

TTIP wurde interessanterweise bevorzugt im Kommentarbereich der Heise 7 Tage News diskutiert. Und zwar bevorzugt bei Themen der Informationstechnologie, die mit TTIP überhaupt nichts zu tun haben aber wo man schön Ängste schüren kann.

Zb. zum Thema “Uber”. Der Pseudo-Taxidienst hat ja nun ordentlich was auf die Mütze bekommen. Und prompt wurde das von Dumpfhirnen mit “Mit TTIP klagen die Amis das einfach weg, daher STOP TTIP!!!!!” kommentiert.

Die Argumentation ist einleuchtend: Die Verhandlungen sind “geheim” und daher Böse.

Hm… Wer sich bisserl damit beschäftigt hat: es wurden Positionspapiere mit Maximalforderungen im Hinblick auf einen kommenden Vertrag untereinander ausgetauscht und diese Positionspapiere (insbesondere jene aus dem dem Sub-EU-Land “Bayern”) sind vom Hörensagen eher gruselig sodass es aller Diplomatie bedarf den Eindruck zu erzeugen dass einige Kombattanten an massiver Gehirnerweichung leiden um das schon recht wenig harmonische Verhältnis nicht zu trüben.

Aber immerhin hatte die EU mal einen kommentierten Zwischenstand veröffentlicht. Ich finde den Link gerade nicht mehr – es war ein Bündel von wenig Vertrauenserweckender, auf Juristen-Englisch verfasster Dokumente die nach grober Sichtung ausser Absichtserklärungen nichts substantiiertes halten – da der Kram nach Fertigstellung noch einige Etagen bis zur entgültigen Ratifizierung erklimmen muss, hab ich mich einfach wieder schlafen gelegt (wie meine Mutter, erfahrene Politikjournalistin, sagte: “Wie Gesetze und Wurst gemacht werden, willst Du nicht wissen. Geniesse das Ergebnis und wenns nicht schmeckt, mache an passender Stelle was dagegen”).

Nachdem CORRECT!V vor kurzem einen gut recherchierten Artikel zum Thema veröffentlicht hat, sind auch paar besser bezahlte Journalisten etablierter Medien auf den Zug aufgesprungen. Immerhin: denn bislang hat sich kaum einer der etablierten, bezahlten “Journalisten” (und ein Journalist ist nunmal vom Namen her ein Tagesberichtabspuler) mitsamt seiner Redaktion und Verlag zum Thema sinnvoll geäussert.

Aufklärung nützt aber nix solange man es nicht liest. Und kaum einer der digitalen Stammtischredner wird diese Artikel gelesen haben. So wird halt weiter brutaler Stuss gepostet.

Wie zb. im Kommentarbereich des Heise-Newsticker. Dort sammelt sich mittlerweile nur noch das digitale Prekariat aus nichtwissenen Klugscheissern die mit ihren stumpfsinnigen Parolen interessanterweise vorwiegend “Grün” (für “lesenswerte” Artikel”) bekommen.

Heute zb.. Thema des Artikels war es, dass der US Sender HBO von der Rechtslage her seine Filme nur in den USA via Internet streamen darf. UND das Angebot ist auf Apple bzw. die HBO-Now-App beschränkt. Jetzt haben etliche User nach Anleitungen aus dem Internet sozusagen ihren virtuellen Wohnort in die USA verlegt um .. keine Ahnung was… ah “Game of Thrones” zu schauen – mit kostempflichtigen Abo übrigens.

Und die “Ausländer” wurden nun von HBO ausgesperrt. Scheiss Spiel, aber völlig im Rahmen des Üblichen, eigentlich keine besondere Sache.

Man muss schon ziemlich viel “German Angst” haben um den Folgenden, bewusst nur als Grafik vorhandenen Kommentarstrang zu verstehen. Mein “Bullshitbingo” war jedenfalls sehr schnell voll.

voelligerbloedsinn

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Frage: Habe ich einen Berganfahrassistent?

Jetzt mal ernsthaft: Die diversen Bedienungsanleitungen für meinen Leihwagen sind dicker als das SAP ABAB Handbuch und dazu in recht kleiner Schrift bedruckt. Die Anleitungen enthalten alle möglichen Fahrzeugfeatures und Konfigurationen von denen aber selbst bei Vollausstattung ca. 15% nicht vorhanden sind. Im Jahre 2015 wäre es ein leichtes parallel zur Konfigurationsdatenbank ein paar Textbausteine zu pflegen, das Büchlein “Print-on-Demand” zu erzeugen und ins Auto zu packen.

Autofahren ist sowieso mittlerweile zu einer Wissenschaft geworden: Alleine schon die Beschreibung des “Start-Stop-System” geht über 3 Seiten und ich musste mir erstmal einen PAP erstellen um die Wenn-dann-oder-halt-nicht Bedingungen zu verstehen.

Zum Glück kann man den Kram auch Abschalten – das ist aber auch wiederum eine Wissenschaft für sich selber.

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Zum Thema “Skills pays bills”

Ein arbeitsloser Ingenieur eröffnet eine Klinik und verspricht “Wir heilen Sie garantiert für 500€ oder zahlen Ihnen 1000€”

Ein Dr. med meint, dass es eine gute Gelegenheit ist schnell 1000€ zu verdienen und betritt die Klinik.

So sprach der Doktor: “Ich habe meinen Geschmackssinn verloren!”
Der Ingenieur: “Schwester, holen sie mal die Medizin aus der Schachtel 22 und verabreichen dem Herren 3 Tropfen auf die Zunge”
Doktor: “Das ist Benzin!”
Ingenieur: “Wunderbar, Sie haben ihren Geschmackssinn wieder. Macht 500€”

Der Arzt verlässt frustriert das Gebäude und überlegt, wie er seinen Verlust wieder wettmachen kann.

Paar Tage später….

Doktor: “Ich habe mein Gedächnis verloren!”
Ingenieur: “Schwester, holen sie mal die Medizin aus der Schachtel 22 und verabreichen dem Herren 3 Tropfen auf die Zunge”
Doktor: “Aber das ist Benzin!”
Ingenieur: “Wunderbar, Sie haben ihr Gedächnis wieder. Macht 500€”

Der Arzt überlegt ein paar Tage und komme wieder in die Klinik.

Doktor: “Meine Sehfähigkeit hat stark nachgelassen!”
Ingenieur: “Nun, dagegen haben wir keine Medizin. Nehmen Sie die 1.000€” und drückt dem Arzt einen 500€ Schein in die Hand.
Doktor: “Aber das sind nur 500€…”
Ingenieur: “Wunderbar, sie können wieder gut sehen. Macht 500€”

(Gewidmet Herrn Ingenieur M.)

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Frühlingsgefühle

Bin endlich den Winterspeck los.

Habe jetzt Frühlingsrollen.

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Sonnenfinsternis

Wir hatten ja neulich eine partielle Sonnenfinsternis.

Alles gut gegangen, aber der recht starke Einbruch bei der Solarenergieerzeugung hat mich schon verwundert.

Wollte mich darüber informieren, bin aber in den Artikeln in eine Schlacht geraten wo jeder versucht hat seine Meinung als Kenntnis zu verkaufen.

Der Besitz einer kenntnisfreien Meinung kommt offenbar dem Glücksgefühl gleich, das neueste iPhone befingern zu drüfen.

sonnenfinsternis

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Der Mensch fängt nicht erst beim Akademiker an

Ich hab einen weitläufigen Bekannten, der anscheinend alle Zertifizierungsrekorde brechen möchte.

Nachdem ihm sein erster Arbeitgeber durch fast alle Schulungen der Firma “A” geschickt hat kündigte er, um bei der nächsten Firma sämtliche Zertifikate von Firma “B” einzuheimsen. Sein nächster Brötchengeber konnte damit nichts anfangen, aber weil er nachweislich gut war im Zertifikate machen ist er jetzt auch hochqualifiziert in den Produkten von Firma “C”.

Mittlerweile ist er auch für Firma “N” durchzertifiziert und plant den Sprung zur Firma X wo er sich für die Produkte der Firma “O” zertifizieren lassen möchte.

Heute kam eine ziemlich dringende Mail von ihm weil er sich beim Kundenprojekt in Subnetzen, Transfernetzen und Konfigurationsnetzen verheddert hat.

Merksatz:

skill_bill

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Industrie 4.0

Ein SAP-Berater hat mal lauthals mir gegenüber verkündet, dass völlig altmodisch bin und vorallem keine Ahnung habe. Denn Industrie 4.0 ist die Zukunft. “Ich drücke in Hamburg auf einen Knopf und am Ende kommt vollautomatisiert in China eine Fabrik heraus und dazu natürlich das Schiff, welches die Fabrik nach Indien transportiert – Menschen werden fast überflüssig – und das ganze mit einem glücklichen Grinsen als ob er schon lange nicht mehr einen solchen verbalen Orgasmus gehabt hat.

Wie Industrie 4.0 wirklich funktioniert, hab ich heute gesehen: Mein neues Auto hab ich zusammen mit dem Verkäufer über eine Webapplikation aus dem Intranet des Herstellers zusammenkonfiguriert. Am Ende nochmal alle die Kürzel der Ausstattungsmerkmale (SPD, CDU, DAP und LMAA – also Multimediapaket mit Sonnendach aber ohne Navi dafür mit zusätzlichem USB-Anschluss) geprüft und auf “Senden” gedrückt.

Ich wollte extra kein Navi weil mir das mit 800 EUR Aufpreis zu teuer war und die Onboard-Navis mangels Internetanbindung nicht viel taugen. So sehe ich zb. in Google Maps auch gleichzeitig den Verkehr und kann beim nächsten Halt schnell herumscrollen auf welcher möglichen Umleitungsstrecke weniger los ist.

Heute kam das Auto, ich hab schnell paar Fotos von aussen (für die Beschriftung) und von innen (für die Telefonhalterung und andere Extras) geschossen. Da seh ich auf der Konsole einen fetten Knopf “NAV”. Also mit dem Verkäufer nochmal online nachgeschaut, was da nun exakt geliefert wurde – und siehe da, statt “DAP” (Multimedia-System ohne Navi) hab ich “NSDAP” (Multimedia mit eingebautem Führer) bekommen.

Ich möchte nicht wissen, wie Industrie 4.0 funktioniert wenn es noch konsequenter eingesetzt wird – einen Vorgeschmack hab ich schon bekommen.

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Angstmache mit der Schufa ist nicht mehr

Mahnschreiben der Sorte “unsere Forderung ist unstrittig, wenn Du nicht zahlen dann wir dir verpassen Schufa-Eintrag” hat schon viele Unwissende bewogen, selbst eine äusserst zweifelhafte Forderung zu bezahlen statt einfach erstmal der Forderung zu widersprechen.

Besonders auffällig mit diesem Schwachsinn ist die Mobilsparte von Vodafone (ich hab da auch mal ein solches Schreiben kassiert) und irgendein Hausjurist dort meinte, das mal (von vorneherein Aussichtslos) bis vor den Bundesgerichtshof zu bringen.

Das muss ein Vermögen gekostet haben, vermutlich sind meine Vodafone Mobiltarife deshalb so teuer.

https://www.lawblog.de/index.php/archives/2015/03/23/angstmache-mit-der-schufa/

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Kenntnis nebensächlich: Meinung, Meinung über alles

Schöner Beitrag, auf dwdl.de gefunden:

Die Deutschen haben immer weniger Kenntnis, dafür immer mehr Meinung. Und das Fernsehen fördert das, indem es Meinung über alles stellt – und diese auch abfragt. Dafür werden komplexe Sachverhalte in Ja/Nein-Fragen gezwängt. Wer keine Meinung hat, existiert nicht.

weiterlesen…

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Omas gesunde Küche

Man kann sich Wissenssendungen ab dem Moment ersparen, wo es um Religiöse Themen geht. Und damit meine ich nicht die Auseinandersetzung mit den “heiligen Büchern aller Religionen” sondern Themen, wo es in einer Wissenssendung nur noch darum geht dass man glaubt dass es Wissen ist.

Gerade mal die Sendung “Faszination Wissen” vom Bayrischen Rundfunk durchgezappt. Grauselig.

Es ging um Essen. Unter anderem wurde das Essen eines (mir völlig unbekannten) Fernsehkochs mit Convenience Food verglichen. Mit recht wirren Ergebnissen: die Brokolisuppe des Chefkochs ist mit 3,80 €/20min Zubereitungszeit “nur fast doppelt so teuer” wie die Tütensuppe für 1,19€/4min, das Gulasch vom Koch kostet 7,97€/60min und als Dose nur 5,87€/11min (Off-Kommentar: “gar nicht mal viel teurer”) und die “Mousse au Chocolat” gibts fertig für 1,29€/1min (aufreissen der Verpackung eine Minute?) und vom Koch für 3,50€/25min Zubreitungszeit.

Das klingt alles sehr schöngerechnet für den Fernsehkoch.

Denn den Conveniance-Kram kauf ich irgendwann mal nebenbei ein, stell ihn in den Vorratsschrank und erhitze ihn wenn Not am Manne ist (Gesamtzubereitungszeit für den Kram oben insgesamt 15min, Nebenkosten: Strom für den Herd, Abwasser, Müllentsorgung).

Selberkochen mit dem in der Sendung propagierten “Gemüse frisch vom Markt” bedeutet, dass ich morgens erstmal zum Markt muss – und zwar nicht zum Supermarkt um die Ecke (wo die Ware schon 3 Tage durch die Logistikzentren von REWE oder tegut.. geschleust wurde um dann mehrere Tage auf ihren Verkauf im Markt wartet) sondern zum Großmarkt nach Frankfurt-Kalbach. Dort darf ich dann meine 5 Bröckchen Gemüse kaufen, Fleisch bekomme ich zum Glück bei meinem Lieblingsmetzger und den Rest im Supermarkt. Wie der Herr Fernsehkoch in 60min ein wohlschmeckendes Gulasch aus den gezeigten Zutaten hinbekommt, ist mir ein Rätsel. Ich schaff das auch in 60min, aber nur wenn ich aus dem Gefrierfach eine entsprechende Menge an Saucenfond herbeizaubern kann (und solche Fonds kann man in einer gewerblichen Küche nebenbei aus den Parüren (vulgo Fleischabfälle) herstellen, in der Hobbyküche ist das immer mit zähem Feilschen beim Metzger verbunden).

Geschummelt bis sich die Balken biegen – und besonders dreist ist, dass dem Zuschauer das “natürlich erzeugte” Essen wärend der Sendung mindestens 20x als “besonders Gesund” bezeichnet wird. Dass “Industriell erzeugtes Fabrikessen” ungesund ist, hat wärend der Sendung niemand behauptet – man hat gar keine Aussage getroffen sodass beim Zuschauer ein mulmiges Gefühl übrig bleibt.

Wenn es wirklich nur um “gesund” geht, dann würde ich nur noch Fastfood-Restaurants besuchen und Dosenfutter erhitzen – denn damit führe ich meinem Körper Lebensmittel zu, die unter ständiger Aufsicht und Kontrolle unterliegen.

Oh – nächste Szene in meinem “Faszination Wissen” Video “Kaufen sie nur Lebensmittel, die möglichst wenig und schonend bearbeitet wurden – mit jedem Verarbeitungsschritt verlieren Lebensmittel wichtige Mineralien, Spurenelemente und Vitamine“.

Dieser Stuss kommt ja nun in jeder Sendung vor, wo ein “Ernährungsexperte” mal was quieken darf. Ich hatte das mal vor paar Jahren anhand verschiedener Quellen durchgerechnet: Es ist sehr schwer das Angebot eines Supermarkts und der daraus entstehenden Gerichte so zu verkochen, dass nicht mehr genügend Mineralien, Spurenelemente und Vitamine vorhanden sind.

Ausnahme (das muss man auch sagen): Komplette Umstellung der Ernährung auf Fertiggerichte, Junkfood, Streetfood etc.. aus Armut oder Obdachlosigkeit.

Aber ansonsten haben wir in DE eher eine Übervitaminisierung und Übermineralisierung, was genauso gefährlich ist.

Und dann immer das ständige Dummgelabere “Omas Essen war noch richtig gesund weil…” (Macht mal ein Google nach “grossmutters essen gesund” (aber nicht nach “omas essen gesund”!)).

Da findet man Headlines wie “Essen Sie nichts, was Ihre Großmutter nicht als Essen erkannt hätte” oder “Es duftete so herrlich in Großmutters Küche und das gesunde Essen war meist einfach, oft mit Produkten aus dem eigenen Garten“.

Als Hauptargumente werden immer angeführt “Fleisch gabs nur am Sonntag” und “gesundes, regionales, saisonales Essen”.

Den “Fleisch nur am Sonntag”-Mythos kann ich ausräumen: Fleisch gabs immer wenn es da war. Das konnte auch Dienstag sein, aber da Opa von Sonntag Abend bis Freitag abend weg war (mit dem Fahrrad nach Frankfurt, dort als Sattler arbeiten, am Wochenende kurz zurück) wurde Fleisch halt erst am Sonntag zubereitet damit der Mann auch was davon hatte. Und die Zubereitung weiss ich noch: Fleisch scharf anbraten, mit verdünnten Suppenresten der Woche zusammen eine Brühe erzeugen, mit einer ultrafetten Mehlschwitze binden und dazu Kartoffeln und Gemüse aus dem Keller. Danach Kuchen so fett und zuckerhaltig, dass die Teller sofort Diabetes bekamen.

Das Essen möchte ich keiner Ernährungstusse vorsetzen, geschweige denn einem Lebensmittellabor – denn das Fleisch wie auch der Kuchen war unter Garantie so Acrylamid enthalten dass man Strümpfe daraus herstellen konnte.

Aber für meine “Oma” war das die Kost, welche ihrem Mann die Kalorien zuführte die er über die Woche brauchte (und dem Rest der Familie sowieso für die Arbeit auf den Feldern).

Das mit dem “gesunden, regionalen, saisonalen Essen” ist auch ein Witz, unsere Vorfahren werden als “gute Wilde” dargestellt die nur das machen was der Umwelt und ihrem Körper gut tat. Real war es einfach der Zwang, mit dem auszukommen was gerade verfügbar war.

Es ist wirklich erstaunlich, welcher Unfug als “Wissen” auch bei den ÖR Anstalten so versendet wird. Vermutlich sind die Redakteure und ihre “Experten” Stadtmenschen die noch nie mal den Weg des Essens von der Entstehung bis zum Verbraucher selber versorgt haben.

Da fällt mir ein: muss morgen mal zu meiner Lieblingsbäuerin einen PC fertig installieren und schauen, was so der Keller an gut abgelagertem Fleisch vorrätig hat – denn nicht immer ist “frisch = gut”.

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