Regisseure in Frauenkleidern (Teil 2)

Nach unserem furiosen Auftritt in Windecken ging es letztes Wochenende in die Nidderauer Partnerstadt Gehren

Einladen in Windecken

Also am Freitag erstmal alles in den Transporter. Die Lademeister kümmern sich um ordnungsgemässes Verstauen der Requisiten wärend ich Ameise spiele und mit Bühnenkram zwischen Lager und Auto pendele.

So gegen 17:30 Uhr waren dann alle Abmarschbereit und da ich Autofahren hasse, hab ich mich mit vertretbarer Höchstgeschwindigkeit durch Dunkelheit und Regen in Richtung Gehren begeben. Die kürzeste Strecke ist ab Fulda quer durch die Rhön und dort hat man ganz schnell einen vollgepackten, autobahnmautvermeidenden LKW vor sich und darf sich dann mit 60-80 km/h über die Berge quälen. An irgendeiner Stelle habe ich dann allen Mut zusammen genommen und die Kolonne in der Dunkelheit überholt.

Diese Aktion führte dazu, dass ich weit vor dem Konvoi gegen 20 Uhr das Gehrener Waldhotel Schobsetal erreichte – egal, ich hatte Bierdurst und Hunger.

Zum Glück wurde ich vorgewarnt, dass in diesem Hotel manchmal alles ganz anders als gewohnt läuft so dass es mich nicht verwunderte, dass an der Rezeption niemand war – ausser einem Schild, welches auf eine elektronische Funkklingel verwies mit dem Vermerk „Hier klingeln – wir kommen sofort“. Ich drückte in 5 Minuten 10x drauf und es tat sich nichts..

Also erstmal mein Gepäck wieder durch den Regen ins Auto verfrachtet und das Gebäude erkundet um das Personal dann etwas überrascht in der Küche zu finden. Die konnten mich dann nicht so recht zuordnen und stellten viele Fragen – ausgerechnet mir, wo ich doch eines der Küken im Ensemble bin.

Nach längeren Wortwechseln der Sorte „Ich weiss es nicht“, „Ich auch nicht“ wurde erstmal die Küche länger als 21 Uhr offen gehalten und der Zapfhahn nicht hochgedreht bis alle eingetrudelt sind. Der Transporter kam (für seine Klasse) recht zügig nach und der Rest der Bande dann auch, da ein Teil des Ensembles Berufsbedingt erst später losfahren konnte.

Das Bild gibt ungefähr das Geräusch wieder, was ich vor dem Zimmer hatte

Dann war schlafen angesagt. Ich hatte ein Fenster zur Strasse hin wobei man hier sagen muss, dass das Hotel ca. 3km vor den Toren Gehrens in einer Schlucht liegt welche das Bächlein „Schobse“ im Laufe der Äonen mit Unterstützung diverser Eiszeiten ausgewaschen hat. Einen Rest dieser Naturgewalten hab ich in dieser Nacht erleben dürfen: trotz dicker Fenster war das durch die Regenfälle der letzten Tage gespeiste Tosen der Schobse gut hörbar und ich träumte von turbulenten Wildwasserfahrten.

Ausladen

Am Samstag dann Aufbauen in der Gehrener Stadthalle. Von vorne durch das Rathaus gut erreichbar sind wir durch den Hintereingang über knarzende Holztreppen gehuscht, auf denen bestimmt schon der letzte deutsche Kaiser gewandelt ist.


Hmm... Lecker Thüringer Kuchen!

Ehe überhaupt das Ausladen richtig begonnen wurde haben sich die Damen der Nidderbühne um das essentiellste überhaupt gekümmert: den Stand mit Kaffee, Tassen, Kuchen und Gummibärchen.


Aufbauen

Der Aufbau war dann eher Routine: alles über 2-3 Treppen vor und hinter die Bühne schleppen, verteilen, aufstellen, hinstellen, abstellen.

Es gibt Regen - die Ingenieure steigen hoch!

 
 
 
 
 
 
 
 
In der Zwischenzeit kam noch Heike „Blümchen“ Bluhm zu uns, bei der Stadt Gehren zuständig für „Kultur, Veranstaltungswesen, Jugend, Sport, Sondermärkte, Vereine, Touristische Auskünfte und überörtliche Zusammenarbeit, Homepage VG „Langer Berg“ und Stadt Gehren, VG – Bus“. Wie man sieht, ist die Gehrener Verwaltung sehr effizient organisiert und hat kaum Personalkosten.


Den Nachmittag zwischen Aufbau und Auftritt hab ich schlafend verbracht.

Schminken, immer fröhlich

Da in Gehren die Bürgersteige eher früh hochgeklappt werden, gibt es dort auch keinen Ralf Mackenrodt wie in der Willi-Salzmann-Halle, der einem nach dem Auftritt noch was zu Essen hinstellen kann. So hat das Team mittags im Hotel paar belegte Brote und Brötchen vorbereiten lassen die wir mit hinter die Bühne nehmen konnten.


... und welchen Zahn darf ich Ihnen nun ziehen?

Die übliche Routine hat uns eingefangen. Schminken, Texte durchsehen, im Nebenraum Dialoge durchprobieren und warten auf 20 Uhr….


Unser Gehrener Fanclub

Dummerweise haben wir kurz nach dem Närrischen Auftakt am 11.11 in Gehren gespielt sodass wir einen Mitbewerber in Form des lokalen Karneval-Auftaktes hatten. Das fand ich wiederum schade, denn dann hätte ich meinen alten Kollegen Torsten Märtin wiedergesehen – der war aber halt im anderen Vergnügen. Aber unser Fanclub hat uns die Treue gehalten und war schon ganz früh im Saal.

Um so mehr war ich erstaunt, dass nicht nur alle Plätze im Saal voll belegt waren sondern auch die Empore geöffnet werden musste – also nix mit gemütlichem Abend vor handverlesenem Publikum, hier war voller Einsatz angesagt.

Knaaarz knaaarz ... mein persönlicher 'Stairway to Hell'

Erster Akt, erste Szene – ich hab meine paar Sätze geschmettert und dann war für mich wieder für fast eine Stunde Pause weil ich erst im zweiten und dritten Akt meine grösseren Auftritte hatte. Zu einem Problem für mich wurde die Treppe vom Aufenthaltsraum zur Bühne: die knarzte lautschallend nach ihrer letzten Ölung. Da ich aber die Kühle der Schminkbude bevorzugte, musste ich da halt mit vielen Verrenkungen über die Seiten auf und ab.


Wer schon immer mal wissen wollte, was Schauspieler so hinter der Bühne treiben – diese beiden Aufnahmen wurden im Abstand von 1 Stunde geschossen. Sehr, sehr spannend…

Routine hinter der Bühne (1)

Routine hinter der Bühne (2) - anderer Akt, gleiche Szene.

Und was auf der Bühne los ist, wenige Sekunden ehe sich der Vorhang hebt:

In der Pause kurz vor dem zweiten Akt

Also nix besonderes….

Ich fühle mich wie Wolfgang Kieling in 'Das Reservat'

Im zweiten Akt hatte ich schon etwas mehr zu tun wie man sieht.
Ich war froh, die durchgeschwitzten Synthetikklamotten „Made in China“ wieder los zu werden – Tante Michael ging es wohl genauso 🙂


Nach der Veranstaltung erstmal Bierchen trinken

Nach unserem umjubelten Auftritt haben wir uns im Gesellschaftsraum an den restlichen Schnittchen gütlich getan und von begeisterten Gehrenern Bürgern mit Bierchen, Sekt und Likör aushalten lassen.


Dann unter den wachsamen Augen der Gehrener Feuerwehr „heim“ ins Hotel.

Nach einem kurzen Check der Mails und meiner Server vom Frühstücksraum aus (ich vergass zu erwähnen, dass im Hotel Schobsetal die meissten Mobilfunknetze nicht funktionieren und das hauseigene WLAN einen sehr eingeschränkten Radius hat – „noch“ wie man mir versicherte, denn man plant einen Ausbau bis auf die Zimmer des ehemaligen FDJ Erholungsheims).

Mich zog es auf mein Zimmer um weiter in „Florence von Arabien“ zu schmökern – seichte Unterhaltung, genau das Richtige um diese Uhrzeit. Schräg über mir das Gepoltere des harten Kerns der Truppe, der auf einem der Zimmer kräftig weiterfeierte. Da für den nächsten Tag um 9 Uhr Treffen an der Halle angesagt war, ging ich vergleichsweise „früh“ ins Bett (also so gegen 3 Uhr).

Am nächsten Morgen (der Wecker prügelte mich arg früh heraus), nach einer ausgiebigen Dusche und folgendem Frühstück war ich 8:45 Uhr abmarschbereit um zu erfahren, dass es Verwirrung über die Uhrzeit für den Abbau gibt. Naja, poofe ich halt noch bisserl an der Rezeption.

Alles eingeladen? Dann ab zurück nach Windecken

Irgendwie dann doch früher zur Halle, abbauen.


Auto, heim. Meine Frau hat mir dort schönen Tee gekocht mit der Ahnung, dass es sowas im Hotel nicht gibt (sie hatte Recht). Scheibe Brot, unterhalten wie es war und dann schon Anruf von Markus dass der LKW angekommen ist und auf Ausladung wartet.

Noch ein Auftritt im Comoedienhaus. Schade, dass dann die Saison schon vorbei ist – ich hab mich als Tante gerade erst warm gespielt.

Hier noch der Pressespiegel von unserem Auftritt. Mein Dank an Uwe Adam für die fachgerechte Aufbereitung.

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2 Kommentare zu Regisseure in Frauenkleidern (Teil 2)

  1. Evi sagt:

    Na, das ist doch wieder mal sehr schön geworden! Bernd, danke für deine Mühe und den tollen Bericht mit den meist lustigen Bildern.
    Herzlichen Gruß
    Evi.

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