Der Doktor und das liebe Vieh

Gemäss Wikipedia ist die „Dissertation oder Doktorarbeit eine wissenschaftliche Arbeit zur Erlangung eines Doktorgrades“ und führt weiter aus „Eine Dissertation soll belegen, dass der Kandidat selbständig wissenschaftlich zu arbeiten versteht. Sie muss im Regelfall neue Erkenntnisse zu dem gewählten Gegenstand enthalten und methodisch einwandfrei sein. Eine Dissertation ist im Normalfall also eine Forschungsarbeit. Wichtig zum Nachweis der Fähigkeit zum eigenverantwortlichen wissenschaftlichen Arbeiten sind auch die Kenntnis der relevanten Forschungsliteratur [..] sowie die Einbettung der eigenen Arbeiten in den wissenschaftlichen Kontext. Der übliche Rahmen liegt zwischen etwa 150 und 500 Seiten.“

25.000 Doktorarbeiten werden pro Jahr geschrieben, wenn bei jeder dieser Arbeiten neue Erkenntnisse herauskommen müssten unsere Probleme eigentlich weniger werden.

Oder sind die neuen Erkenntnisse der meissten Doktorarbeiten doch nur das Gipfelkreuz, welches der Autor nach Erklimmung des Quellenberges aufstellen und mit seinem Namen versehen darf egal ob das Ergebnis irgendeine Relevanz hat?

Es gibt offenbar zwei Motivationen, dieses Gipfelkreuz aufzustellen:

1) Starkes Interesse und Leidenschaft an einem Thema. Unter den Doktoren, die heute die Universitäten als Mittzwanziger mit einem Summa cum laude verlassen, dürften sie in der Minderheit sein.

2) Eine Qualifikation, die bei bestimmten Bevölkerungsgruppen einfach zum guten Ton gehört.

„Schaut man sich den Output der Universitäten an, so wird zumeist Mittelmaß produziert, letztlich irrelevante Fragestellungen und Scheinergebnisse, die als echte wissenschaftliche Leistung ausgegeben werden. Studienabschlüsse und Promotionen sind mehr ein Ritual, keine Erschließung eines neuen Inhalts. Man sieht den Themen und der Art ihrer Bearbeitung an, dass sie erstellt wurden, um diesen Karriereschritt instrumentell abzuarbeiteten. Dass das so ist, wissen alle und da liegt es nahe, sich einen Ghostwriter zu engagieren. Wenn schon der Inhalt sowiese keine Rolle spielt, so kann es auch ein Anderer schreiben, vorausgesetzt, das nötige Geld ist da. Ghostwriting und Plagiate sind Folge des Universitätssystems, das jede inhaltliche Relevanz verloren hat und nur noch Durchlauferhitzer für Karrieren ist. Aber auch im Hochschulsystem selbst rekrutiert sich der wissenschaftliche Nachwuchs zumeist aus denen, die nicht zu kritisch sind, instrumentell arbeiten können und die bereits eine bürgerlich-akademische Herkunft aufweisen.“ schreibt Tobias Fabinger in „The Dishwasher – Das Magazin für studierende Arbeiterkinder“

Nun: Fabinger mag übertreiben – aber alleine die Tatsache, dass es für Dissertationen ein florierendes Ghostwriterbusiness gibt lässt darauf schliessen, dass der Doktortitel von nicht wenigen lediglich als Mittel zum Zweck für das eigene Fortkommen angesehen wird.

Dass sich jetzt aber Mensch und Vieh über Herrn von Guttenbergs Doktorarbeit hermacht und aus den Plagiaten in seiner Arbeit plötzlich neue Erkenntnisse über seine Wesen herleitet, finde ich schon belustigend.

Besonders dreist wird es, wenn jemand wie Gregor Gysi sagt „Das ist geschummelt, und zwar in einer unangenehmen Art und Weise. Ich hoffe, dass das nicht stimmt, aber wenn, sind seine Tage als Bundesminister gezählt.“ – mit dem ruhigen Gewissen, dass seine Doktorarbeit von 1976 „Zur Vervollkommnung des sozialistischen Rechtes im Rechtsverwirklichungsprozess“ nicht der Öffentlichkeit zugänglich ist.

Um das mal auf den Punkt zu bringen: wären Schummeleien in der Doktorarbeit ein wirkliches Problem in Politik und Gesellschaft, würde das Volk aufstehen und jede Dissertation von Prominenten genau unter die Lupe nehmen.

Dass sowas aber nur regelmässig bei bestimmten Personen passiert zeigt, dass es Volk und Gesellschaft doch nur ums genüssliche Zerlegen einer Reputation auf dem Boulevard geht – ein Armutszeugnis was sich unsere Gesellschaft da ausschreiben lässt.

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