Was ist die Rhön so schön… (Teil 2 von 2)

Wir entschieden uns, dass wir einen Abstecher in die Kaskadenschlucht unternehmen. Aber erstmal finden…. Zielort war der Flecken „Sandberg“ in der Nähe von Gersfeld und dann irgendwie weiter.

Nun, als ich von der Bundesstrasse abgefahren bin dachte ich, dass mich irgendeine unbekannte Macht nach Samos versetzt hätte.

Eine schmale Straße führte mich in den Ort, gleich am Eingang eine Hütte mit diversem Gerümpel ein Haus mit gelagerten Wertstoffen davor, um die Mittagszeit nur ein alter Bauer zu sehen der mit schlurfendem Schritt seiner Beschäftigung nachging.

Wir durchquerten den Ort, immer den kleinen Schildern „Zur Kaskadenschlucht“ folgend bis wir auf einem kleinen Parkplatz am Rande eines Waldstücks landeten. Auch hier drängte sich ein Vergleich zu Samos und seiner Potamischlucht auf – rechts plätscherte ein Bach über kleine Kaskaden aus Bundsandstein wärend drumherum alles sehr grün und feucht war.

Am Parkplatz stand ein relativ frisches Schild mit Hinweisen auf Wanderwege und ich dachte so bei mir, dass ein kleiner Spaziergang 2 Kilometer hin zum Roten Moor, ums Moor herum und 2km wieder zurück zeitlich gerade noch passen würde. Also munter fotografierend dem leichten Anstieg des Bachs gefolgt und die Wunder der Natur erlebt.

Besonders faszinierend fand ich, dass das Bächlein an unserer Seite sporadisch zu einem Wassermonster anschwellen kann und auch der Rest der Umgebung bei starken Regenfällen einem Inferno gleichen könnte. Denn überall waren Spuren großer Erdrutsche und Unterspülungen zu sehen – verwunderlich, dass gegen diese Naturzerstörung noch keiner eine Bürgerinitiative gegründet hat.

Ausspülung im Bundsandstein (Foto: Karin)

Hier hats auch mal kräftig den Hang abgetragen (Foto: Karin)

Ansonsten stimmte alles: Es gab Kaskaden und es gab eine Schlucht. Oder besser gesagt: eine stolze Schlucht und alle paar Meter kleinere Wasserspiele wo der Bach mal auf Granit oder Basalt gebissen hatte

Wenn man ganz nahe herangeht sieht es schon wieder spektakulär aus

Kaskädchen

Ich trabte langsam meiner Frau hinterher. Fehlende Kondition nach Grippe, Antibiotika, die überflüssige Jacke und Luftfeuchtigkeit forderten langsam ihren Tribut. Vorallem weil dieser dämliche Bach keine Lust mehr auf gemütliches Plätschern hatte und lieber reissendes Gebirgsgewässer spielen wollte: der Weg nahm an Steilheit zu.

Dank Internet und GPS konnte ich nachsehen, wo ich gerade bin und wo ich hinwill. Und was sich auf der Karte am Parkplatz noch als lockeres, abwechslungsreiches Spaziervergnügen angepriesen hatte erwies sich auf der Onlinekarte dann doch mit 200 Höhenmetern Unterschied als eine Tour, die mir im Moment eine Nummer zu hoch war (ich weiss – echte Sportsfreunde lachen darüber, aber ich bin erst dann Sportsfreund wenn man mich dafür bezahlt).


So kam es wie es kommen musste…

Der Autor, ein Wrack (Foto: Karin)

Nun, das beste Eheweib von allen wäre nicht das Beste wenn es nicht eine Lösung wüsste: wir kehren um und sehen uns die Schlucht mal von der anderen Seite an. Was schlussendlich eine sehr gute Idee war denn wir fanden so herum wieder ganz neue Motive.

Fast am Ende, kurz vor dem Parkplatz herrsche plötzlich eine ganz verzauberte Lichtstimmung und ich konnte dieses Gebilde ablichten.

Irrlichternder Baum

Was nun?

Ich plädierte auf den Guckai See – vielleicht konnte man da endlich mal die mitgeschleppte Decke nutzen und den Frühling einläuten.

Dort angekommen erwartete uns ein langestreckter Parkplatz, welcher der „Jahrhunderthalle Höchst“ würdig ist, dazu ein Weg vorbei an einem Bauernhof und dahinter ein See ungefähr in der Größe des Windecker Freibad.

Etwas ernüchtert drängte es mich sofort zu einem Weissbier, um den Alkoholspiegel wenigstens wieder auf 0 Promille zu bringen. Zum Glück waren direkt am See die „Guckai-Stuben“ mit Prall von Sommerfrischlern gefüllter Terasse – und wir hatten das Glück, dass an einem Tisch noch Platz war.

Dort saß ein älterer, gepflegter Herr und las bei Kaffee und Kuchen die „Süddeutsche Allgemeine“. Er entpuppte sich als Einheimischer und Kenner seiner Heimat und konnte uns die Wartezeit auf unsere Getränke gut überbrücken. Es zeigte sich nämlich, dass die Bedienung noch recht neu war (sie musste immer auf die Tischnummer schauen welche ziemlich weit unten ins Holz eingebrannt war – es schaute aus, als ob sie ständig einen Knicks vor Königen und Königinnen machte).

Wir saßen bestimmt eine Stunde – solange dauerte es, bis Bier gebracht, Bier getrunken (der kürzeste Zeitabschnitt) und Bier bezahlt wurde. Aber mit dem netten Herrn als Gesprächspartner verging zum Glück die Zeit wie im Fluge.

Fotos haben wir keine mehr gemacht, der Guckai-See war recht übersichtlich – gibt aber im Sommer bestimmt ein gutes Beispiel um die Überbevölkerung der Erde anschaulich darzustellen.

Ansonsten mache ich mich mal auf die Suche nach Rundwegen die a) keine größeren Höhenunterschiede haben und b) ab und an mal einen grandiosen Ausblick bieten. Denn der nette Herr hat gesagt, dass es so was geben muss.

Für Hinweise bin ich immer sehr dankbar 🙂

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