Mit Mona auf Wolke Sieben

Nach langer Abstinenz wollte ich mich wieder in die Lüfte schwingen, diesmal zum Fotografieren.

Leider ist eine Cessna zum Knipsen eher ungeeignet, die Sopwith F.1 Camel soll einen guten Ausblick liefern – aber erstmal an die Maschine und dann an einen Piloten herankommen der dieses Urviech fliegen kann. Mit Helikoptern hab ich gute Erfahrungen gemacht, aber die Flugstunden sind unbezahlbar. Flyke? Hm… Bei 2 Zentnern Lebendgewicht und Ausrüstung alles nicht so einfach.

Mona Hörig

Bei einem abendlichen Gespräch klagte ich mein bescheidenes Leid einem Kunden und der hatte die Lösung in der Schublade: einen Tragschrauber samt leichtgewichtigem, sehr erfahrenem Piloten.

Oder besser gesagt: in diesem Fall eine Pilotin mit Namen Mona Hörig, Inhaberin der gleichnamigen Tragschrauberflugschule in Mannheim welche einmal in der Woche auf dem Flughafen Aschaffenburg-Großostheim aktiv ist.


Ich hab ihr gleich gestanden, dass ich eigentlich Flugangst habe (am meissten gruselt es mir vor Start und Landung wurde aber schnell beruhigt. Nach einer sorgfältigen Einweisung („Keine Hebel ziehen, keine roten Knöpfe drücken“), Abgabe eines Großteils meiner Ausrüstung (in dem Fluggerät ist verdammt wenig Platz) und strammziehen aller Gurte ging es dann auch flink zur Startbahn und nach Freigabe durch den Tower in die Luft.

Da soll ich jetzt rein?

Beim Start konnte ich meine Frau verstehen, warum sie immer die Augen zumacht wenn ich mal eine Autobahnauffahrt mit ordentlich Schwung nehme: mir ging es plötzlich genauso. Vorallem weil die Luftstraße mal dringend neu geteert werden musste, so viele Schlaglöcher gab es auf dem Weg nach oben.

Aber irgendwann waren wir auf Flughöhe, meine inneren Organe wieder dort wo sie anatomisch hingehören und ich begann mich langsam mit dem heftigen Wind zu arrangieren.

Die Orientierung war für mich anfänglich etwas schwierig. Nicht wegen der ungewohnten Perspektive (bin oft genug in der Gegend per Automobil herumgegurkt) sondern weil zwischen Aschaffenburg und Hanau der Kreiselwahn ausgebrochen ist. Überall dort, wo ich Straßenkreuzungen in Erinnerung hatte leuchteten mir frisch bepflanzte Kreisverkehrsplätze entgegen.

Mögen Schafe sicher weiden

Und ehe ich meine Gedanken über die Sinnhaftigkeit der neuen Verkehrsführung zuende geführt hatte, war unter mir schon das Gelände des ehemaligen US-Fliegerhorsts Langendiebach welches heute überwiegend der Natur überlassen wird und daher eine ideale Weide für alle möglichen Tiere der Gattung Ruminantia (Wiederkäuer) – wie zum Beispiel Schafe – geworden ist.

 

Es ist verblüffend, was „Luftlinie“ ausmacht. Bis ich überhaupt begriffen habe, dass der Ort links von uns Roßdorf ist, querten wir schon Ostheim. Ich versuchte, ein ordentliches Panorama aus 2 Reihen a 10 Aufnahmen zu schiessen, aber just in diesem Moment wurde mir klar, dass ich nicht ordentlich geplant hatte: zum einen war die Luft an manchen Stellen recht trübe, zum anderen 100mm Brennweite für Flächenaufnahmen definitiv zu lang, ich kam in der Enge des Luftschiffs nicht an mein anderes Objektiv heran und in diesem Moment kam Flugverkehr auf. Was bedeutete, dass in den Kopfhörern ein ständiges Gequassele von Towern und Piloten herrschte – kaum eine Chance, meine Pilotin zu bitten nochmal kehrt zu machen und in einem definierten Winkel an den Orten vorbeizufliegen.

Na gut, für sowas habe ich einen sorgfältig ausgetüftelten Plan „B“ in der Tasche. Nämlich ein Zettel, wo sorgfältig alternative Fotoobjekte notiert wurden die mit 100mm Brennweite bestimmt gut zu erhaschen sind. Ja, der Zettel in meiner Hosentasche wo eine winddichte Jacke drüber ist die von dicken Gurten zusammengehalten wird.

Also gut… Naumburg, Keltenmuseum, Autohaus eines Kunden… Hmm… Kirche Windecken? Spontan kamen mir noch die Horste in Windecken in den Sinn und die restlichen 20 Locations hab ich schlichtweg vergessen gehabt.

Das wichtigste haben wir irgendwie abgeklappert bekommen, trotz Kommunikationsproblemen und sch**ss Fotowetter. Weil auch der Verdacht bestand, dass da von Westen eine Kaltfront endlich den begehrten Regen über uns ablädt haben wir uns gemächlich in Richtung Flughafen Großostheim verzogen.

Die Landung fand ich interessanter als den Start: runter in Richtung Landebahn, paar Fußbreit über dem Boden bis fast an das Ende gemütlich schweben und auf der Fläche einer grösseren Briefmarke aufsetzen.

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2 Kommentare zu Mit Mona auf Wolke Sieben

  1. Felix Tauscher sagt:

    Hallo Herr Hohmann, das ist prima von einem Tragschrauberflug diesen guten Bilder von der schönen Gegend zu sehen. Wenn man selbst darüber fliegt ist das zwar ein tolles Erlebnis, aber so richtig merken kann ich mir meist keine Einzelheiten von der Landschaft. Ich hoffe Sie fliegen bald wieder mal um noch die anderen Fotos aufzunehmen.
    Viele Grüße und immer schönes Flugwetter
    Felix Tauscher

  2. Übrigens,
    sehr viele und ausführliche Informationen zum Tragschrauber-fliegen in Deutschland gibt es auf der Seite von fliegmituns.de
    Gruß
    Georg

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