Ulrichstein, Laubach & Lich

Am wohl letzten heissen Tag des Jahres 2011 haben wir uns kurzentschlossen nochmal in den Vogelsberg verzogen.

Erste Station war Ulrichstein, der höchstgelegene Ort Hessens malerisch um einen ehemaligen Vulkanschlot gruppiert – und wie es im Vogelsberg so üblich ist – auf der Spitze mit einer Burg(ruine) versehen. Besonders interessant war für mich der Vogelsberggarten damit ich mal schauen kann, was da genau in meinem Garten an Unkraut wächst.

Vor den Gipfel hat der Berg den Aufstieg gesetzt, also mit 15kg Übergepäck und viel Anlauf die Anlage gestürmt welche seit 1990 Stück für Stück restauriert wurde. Gleich rechter Hand am Eingang ein Hinweis darauf, dass die Burg öfters mal unter Beschuss stand: eine Plakette wies auf die Gefallenen Grenadiere der Schlacht vom 7. April 1759 hin.

Struppiger Lehrgarten

Bisserl angegruselt sind wir erstmal zum Lehrgarten marschiert. Viele der dort angesiedelten Heil- und Küchenkräuter kamen uns bekannt vor. Aber welches Kraut nun zu welchem Schild gehörte war nicht immer eindeutig bestimmbar – hier müssten die Naturfreunde gelegentlich mal wieder jäten gehen.

Turm mit Breilecker

Die teilweise restaurierte Burganlage war da schon beschaulicher und aufgeräumter anzusehen. Auf der Wehrmauer hat ein junges Pärchen ein kleines Picknick mit allerlei Süßkram abgehalten und im kühlen Schatten des Turms erholten sich einige Wespen von der Hitze – ich mit der Fotoausrüstung genau in der Mitte, umsurrt von gelb-schwarzem Flattervieh. Ob es dem Breilecker von Ulrichstein damals genauso ging?

Den Ulrichsteinern sagt man von je her eine gewisse Schläue nach. In moderner Zeit haben sie als erste Kommune erkannt, dass man auch aus Wind ein Geschäft machen kann und haben ihr Gemeindegebiet mit Windkraftanlagen zugepackt. In anderen Gegenden würde eine Marienstatue vor dem Rathaus stehen, in Ulrichstein ist es ein orginal Rotorblatt einer Windanlage.

Windkraft überall

Ausblick von der Wehrmauer (Klick mich für ein Panorama)

Gefallen

Auf dem Rückweg sind wir über den Ehrenfriedhof gelaufen. Hier sind 132 Opfer der beiden Weltkriege bestattet, umgebettete Gebeine aus verstreut liegenden Gräbern aus umliegenden Gemeinden. Russen, Polen, Deutsche, Niederländer, Österreicher, Franzosen, Männer, Frauen, Kinder, Freunde, Feinde haben hier ihre entgültig letzte Ruhestätte gefunden.

Kriegsgräber

Als ich gesehen habe, wieviele Menschen aus der doch beschaulichen Vogelsbergregion im letzten Kriegsmonat ihr Leben lassen musste, überkam mich ein Schaudern.

Wir umrundeten den Berg und genossen noch einmal die Sicht.

Weitblick (Klick mich für ein Panorama)


Schiefes Haus

Nächster Halt: Laubach mit seinem ausgezeichnet erhaltenen Zentrum mit vielen Fachwerkhäusern und dem Schloss Laubach mit der Schlossbibliothek, einer der ältesten und größten europäischen Privatbibliotheken mit über 120.000 Titeln.

Krabbelecke

Sehr interessant war auch die evangelische Pfarrkirche mit ihrer 2010 restaurierten Orgel, auf der gerade die Organistin übte.

Der Laubacher Pfarrer muss sehr modern sein: In der Kirche gibt es nicht nur eine Krabbelecke sondern die Organistin schloss ihren Vortrag mit einem kräftigen Boogie-Woogie.

Schiefer Durchgang

Die Schlossherren müssen damals sehr faul – oder das Wetter ständig schlecht gewesen sein: was ich für einen Wehrgang gehalten habe entpuppte sich als bequemer Weg von Schloss direkt in die Kirche.

Schloss Laubach

Dank eines reichhaltigen Wegweisers auf dem Marktplatz fanden wir auch ein Eiscafe wo es für uns erstmal eine Erfrischung gab.

Schwäne

Fürs Abendessen wars noch etwas zu früh, also noch eine Runde durch den Schlossgarten gedreht. Das Areal rund um den Teich war schön gestaltet und hatte vor allem viele Bänke zum Ausruhen – mir wurden nämlich langsam die Füsse weich.


Wir klapperten paar Wirtshäuser in der Umgebung ab. Aber entweder noch geschlossen oder für eine Hochzeit reserviert. Also genossen wir die nördlichen Ausläufer der Wetterau um schliesslich in Lich das Abendbrot einzunehmen. Danach aber nix wie heim und unter die Dusche.

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