Anschlag auf die Demokratie

Beim Basteln an den UAV-Prototypen höre ich gerne Radio. In der Werkstatt Bayern 2 auf UKW, im E-Labor ist es der Deutschlandfunk auf Langwelle (ansonsten hätte ich noch die Auswahl zwischen HR1, HR2, HR3 und HR4 auf UKW und das muss sich ein gebildeter Mensch nicht antun).

Im DLF gab es heute morgen eine Übertragung aus der Pfarrkirche Heilig Kreuz in Halle, und zwar einen Gottesdienst zum Gedenken an den kürzlich seelig gesprochen Carl Lampert, über dessen Wirken in diesem Moment gerne mehr gehört hätte. Aber der Gottesdienst blieb im üblichen „Herzjesulein-Dumeinherrundhöchster“-Geplänkel und dem ständig zur Orgel und Band nachhängendem Chor. Ich fands gruseliger als das Programm von HR1, kein Wunder warum nur noch Hardcore-Gläubige in die Kirchen gehen.

Am Abend dann ein Bericht über den Parteitag der Grünen.

Dort sprach Winfried Kretschmann recht fein „Dass er der erste grüne Ministerpräsident wurde liegt auch daran, dass die Grünen ihren Grundüberzeugungen und Grundwerten treu geblieben sind“.

Von den Grundwerten der Grünen ist mir eigentlich nur im Gedächnis geblieben, dass man gegen Atomkraft ist und keine Konzepte für die Überbleibsel dieser Zeit hat (hauptsache „dagegen“).

Was man daran merkt, dass die Grünen auf dem Parteitag recht unglücklich über die Terminüberschneidung mit dem aktuellen Castor-Transport waren – denn lieber wäre man dort publikumswirksam Demonstrieren, als in Kiel Beschlüsse zu fassen. Shit happens, fallerfallera – arme Jungs und Mädels dort.

Aber warum eigentlich dort demonstrieren? Deutschland steigt aus der Atomwirtschaft aus und dass wir über die Castortransporte unseren eigenen (aufbereiteten) Atommüll zurück nehmen – und das auch müssen! – wissen auch die Grünen und sollten eigentlich mit dafür sorgen, dass der Krempel stressfrei nach Gorleben kommt.

Was passiert trotzdem? Da werden Molotov-Cocktails und mit Nägeln präparierte Tennisbälle auf die Polizisten geworfen, Schotter unter den Schienen entfernt, sich an Bahngleise gekettet und ähnliche seltsame kultische Handlungen vorgenommen.

Und was sagt Claudia Roth, Chefin der Grünen auf dem Parteitag dazu? Sie rechtfertigt die Blockaden der Castor-Gegner ausdrücklich. Zitat „Es geht für mich um das Demonstrationsrecht und da gehört die Blockade dazu.“ wärend die Polizei „absolut überzogen vorgeht“ und der Einsatz sei „ein Anschlag auf die Demokratie“.

Das klingt eher nach einer dummen Kuh als nach einer heiligen Johanna.

Ich stelle mir gerade vor was passiert, wenn die Polizisten mit den gleichen Mitteln arbeiten dürften wie die Gegenseite – so aber lassen die Demonstranten mit dem Segen von Frau Roth ihren Frust über schlechten Sex an den Polizisten aus, während die letztgenannten absolute Ruhe bewahren müssen.

Wäre ich dort, würde ich vermutlich einen Koller bekommen und mit der Keule wild jeden Festketter, Schotterklauer und danach den Rest hemmungslos verprügeln. Denn die Wendland-Demos verursachen Kosten, die ich als Steuerzahler tragen muss.

Das interessante daran ist, dass bislang alle Grünen Politiker ganz schnell auf das Machbare eingeschwenkt sind, sobald sie einen Posten erreichten wo endlich hätten was machen können und dann festzustellen, dass sie machtlos sind.

Ging damals dem damaligen Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) genauso wie heute dem Baden-Württemberg Minister Winfried Kretschmann (Grüne).

Apropos Kretschmann: der war ja auch gegen Stuttgart 21, vermutlich gab das Gerangel den Grünen den entsprechenden Boost zu seiner Wahl. Das Volk hat nun in einer Abstimmung seinen Willen bekundet, dass sich die Landesregierung nicht aus dem Projekt zurückzieht. Vermutlich liegts am Sparwillen der Bevölkerung, denn ein Ausstieg aus S21 wäre das Land äusserst teuer geworden.

Dass verschiedene Gruppierungen den Willen des Volkes trotzdem nicht akzeptieren wollen und weitere Randale gegen das Bauprojekt ins Auge fassen, lässt darauf schliessen dass sie ein ähnliches Demokratieverständnis wie Frau Claudia Roth haben – nämlich demokratisch gefasste Beschlüsse einfach zu ignorieren und ein eigenes Süppchen zu kochen.

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