Lohengrin, mir Schavant da was…

Und wieder hat der deutsche Qualitätsjournalismus zugeschlagen und die Lufthoheit über den Stammtischen gewonnen. Mir scheint es, dass kaum ein Berichterstatter in schavanplag wirklich reingeschaut – geschweige denn durch eigene Recherche bestätigen konnte, dass die dort genannten Vorwürfe echt sind.

Ich hab mal intensiver reingeschaut und zum Teil (wo es mir möglich war) die Plagiate überprüft. Ergebnis: bei sehr vielen Textstellen muss man schon viel Wohlwollen aufbringen um die Aussage zu treffen, dass der verschwurbelte Text links in sehr enger Beziehung zur verschwurbelten Textstelle rechts steht. Wobei ich dabei auch eher Heinz-Elmar Tenorth folge: bei den Geisteswissenschaften wird nur recht selten was wirklich neues geschaffen, die meissten Arbeiten sind damals (wie heute) eher Zusammenfassungen anderer Arbeiten. Ergo müsste man jetzt die Arbeiten von Arendt (1960), Böckle (1978) und den Rest der in schavanplag genannten Quellen (aus denen Frau Schavan angeblich abgeschrieben hat) darauf untersuchen wo die wiederum abgeschrieben haben.

Da bin ich ganz bei /cbx der in seinem Blog schreibt: Endlich wurde ein Weg gefunden, unliebsame Persönlichkeiten mit Dreck zu bewerfen, ohne dabei selbst eine Hand in die Schmuddelschublade stecken zu müssen. Wie unelegant, jemandem etwas so Plumpes wie sexuelle Belästigung vorzuwerfen, wenn es doch oft ein einfacher Plagiatsvorwurf genau so tut. Dieser Vorwurf nämlich lässt sich weitestgehend unabhängig von Alter, Geschlecht und Position der Zielperson anbringen und ist dennoch mindestens so schwer widerlegbar wie der erstgenannte.

Mittlerweile haben wir das Ergebnis der Hexenjagd: Frau Schavan wurde der Doktortitel aberkannt und sie ist als Ministerin zurückgetreten. Ob sie noch weiter Honorarprofessorin für katholische Theologie an der Freien Universität Berlin bleiben wird, steht in den Sternen.

In der Summe interessiert dieser Rücktritt keine Sau: Frau Schavan hat weniger Stress, dafür bisserl weniger im Säckel und wird auch einen Teil ihres Stabes in Berlin behalten. Durch ihr Netzwerk wird sie nicht fallen und mehr (bezahlte) Reden halten können. Es wird jemand anders auf ihren Posten gehoben werden der in den letzten Monaten vor der nächsten Bundestagswahl den Betrieb aufrecht erhält und nichts tut.

Wahnsinn.

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