Das explodierte Schwein

Kochen hat nicht nur mit Kunst & Können, sondern auch viel mit Physik & Chemie zu tun und mir macht es immer wieder Spass, beim hantieren in der Küche die Naturwissenschaften gezielt walten zu lassen.

So ist die zart-braune Farbe auf einem Stück Fleisch (die wir mit köstlichen Brataromen verbinden) normalerweise mit etwas Routine einfach zu erreichen, aber manchmal hat die Technik so ihre Tücken und man muss etwas nachhelfen.

Letzte Woche war ich bei meiner Freundin Susi um erst den Gewürz-Müller (sowie einen REWE-Markt) zu plündern und dann aus den Beutestücken ein angemessenes Gericht zu kochen.

Im Prinzip ein einfaches Gericht: Schweinelende in Scheiben, anbraten & warmstellen. Ablöschen mit Weisswein, Sahne, britischer Currymischung, Ananaswürfel, Tahiti-Vanille, eingelegtem grünen Pfeffer (oder Kapern) und die üblichen Gewürze nach Geschmack. Dazu Reis.

Also Susannes Cerankochfeld angeschmissen und im Portefeuille der Küche war auch eine schöne, ovale Pfanne wo die kleinen Schweinereien prima reinpassten. Aber erstes Problem: Das BildKochfeld hängt schief. Kann passieren, wenn eine ausgezeichnete Architektin „nur“ zur Miete wohnt und die Küche gestellt wird. Alsbald haben sich also die Schweinescheibchen am unteren Ende im Bratfett versammelt und brutzelten gemütlich in der Wärme. Ehe es anfing scharf nach Verbranntem zu riechen hab ich das Kochfeld abgestellt, die Bratstücke gewendet und abgewartet.

Nun – es kam, wie es immer kam auf dem Ceran: statt knackiger Bräune zeigte die zweite Seite auch nach 5 Minuten eher vornehme Blässe. Mit schnellem Hochheizen zum Ausgleich dieses Faux-Pas war nichts (ich beneide Berufsköche um ihre Gasbrenner bzw. ständig hochgeheizten Herde), also bisserl mit Chemie gezaubert: etwas Zucker ins Fett und die Stücke darin geschwenkt – fertig ist das ansehnliche Stück Fleisch ohne dass der Kern zäh wird.

Ab damit in den vorgewärmten Ofen und nun ging es an die Kunst der FugeSauce. Pfanne weg von Feuer, Weisswein rein und aufrühren. Blöderweise hab ich das Timing völlig verpeilt: statt ordentlich Flüssigkeit reinzukippen hatte ich Angst vor einer Überschwemmung des Herds (die schöne Pfanne hatte einen recht niedrigen Rand) und so explodierte das Schweine-Fett-Karamell-Brat-Gemisch mit ganz vielen „Plopp“ und „Zisch“ quer durch die Küche und hinterliess recht eindeutige Spuren von „Hier wird heftig gearbeitet“. Es gab für mich genau zwei Möglichkeiten: Noch mehr Wein oder Wasser zum abkühlen und die Sauce ruinieren oder abwarten. Nach paar weiteren „Zisch“ und „Bäng“ beruhigte sich der Hexenkessel wärend sich Susanne als gestandene Baumeisterin wortlos um die Schadensbegrenzung kümmerte.

Das Essen war dann aber doch lecker, der restliche Abend sehr gemütlich mit lauteren Gesprächen und nur sporadisch mit Putzaktionen durchsetzt (Kommentar Susi: „Muss eh mal richtig durchgeputzt werden“)

Aber ich habe daraus gelernt und die köstliche „Tomatensauce Mamma Donata“ ist mir heute mal nicht „durchgegangen“ und wird die geforderten 48 Stunden leise durchblubbern 🙂

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