Nabelhernie, der zweite Teil

Heute war OP Vorbesprechung. Ich war für 12 Uhr an der zentralen Patientenaufnahme bestellt. Vorher noch schnell die Füße richten lassen, meine Fußpflegerin kennt sich zum Glück im St. Vinzenz aus und konnte mir erklären dass die Zentrale Patientenaufnahme eben nicht die Zentrale Notaufnahme ist sondern eine Ecke weiter liegt.

Mein Mäppchen mit Papieren wurde mir mit dem Kommentar „Das können Sie mir geben, meine Kollegen ist eh nicht da“ liebevoll meinen Händen entrissen und ich richtete mich auf eine längere Wartezeit ein. Diesmal war ich aber so schlau und hab mir von Tablett einen Plastikbecher genommen ehe die alle waren und trank erstmal einen Schluck Wasser.

Schon nach 20min holte mich eine süße, junge Schwester für den üblichen Kram ab: Formulare, Blutabnahme, EKG und Blutdruck. Trotz ihrer Jugend war das ein ausgeknautschter Profi: nicht nur, dass sie wusste was ein „Morbus Scheuermann“ ist („krummer Rücken, gerade Zunge“) und den Formularcomputer mit einem Affenzahn die Leviten las – auch die Blutabnahme war nicht mehr als das Gefühl, als ob sich eine Fliege auf die Haut gesetzt hat. Nur beim Blutdruckmessen hab ich sie etwas aus der Fassung gebracht: 230/120 war jenseits der Vorstellungskraft – das muss nachher nochmal gemessen werden.

Dann gings nach weiteren 30min Warten zur Narkosebesprechung. In der Warteecke lernte ich einen Ex-Bodybuilder kennen, der auch aus Windecken kommt und bei dem der Nabelbruch nur der Anfang vom Leistenbruch war. Aber wir verstanden uns auf Anhieb und verqualsselten die nächsten 30min bis die Narkoseärztin etwas verspätet aus der Mittagspause war. Die Dame war auch so eine Hübsche, vielleicht einen Tacken älter als ich. Wir hingen beide in unserem Mittagstief und gähnten uns erstmal herzhaft an. Wir haben uns schnell auf einen Pillenplan für die nächsten 2 Tage geeinigt (weniger ist mehr) und den einen oder anderen Medizinerscherz betrieben. Ich meinte nur „Wenn Sie dann die Narkose einleiten, schaue ich Ihnen in tief in die Augen und entschlummere sanft in angenehme Träume“ – dann musste mir sie ungeschminkte Wahrheit sagen: das macht morgen ein Kollege, ausserdem gibts Vollnarkose und wegen meiner Schlafapnoe die erste Nacht auf der Intensivstation.

Klasse….

Wieder zurück, wieder Warten (aber nur kurz), Besprechung mit dem Assistenz-Chirurgen. So ein netter, junger Bär mit zierlichen Händen und einem Dialekt, den ich nach Osteuropa einordnen würde. Wir sprachen über Netz oder/und Naht (das entscheidet sich bei der OP), wie es genau gemacht wird (aufmachen, abschneiden, reinschauen, zunähen) und wer operiert (nach Plan: er und ein Kollege, aber das kann morgen schon wieder anders sein). Wir haben uns prima Verstanden. Der finale Showdown war dann der erneute Versuch, meinen Blutdruck zu messen. Mit paar Atemübungen hab ich den Puls bisserl runtergebracht und fühlte mich pudelwohl. Trotzdem hat der Automat wieder irgendwas mit 220/140 gemessen. Chirurg meinte „Gerät kaputt, muss ich manuell messen“. Manschette ran, Stethoskop drunter, pumpen und lauschen. „Ist 210/130 – fühlen sie sich wirkläch wohl? Schwäster – holen Sie Notfallmedikament“ und prompt wuselte Schwester B. mit so einer kleinen Tube herum. Was die da wollten, war mir schon klar – Blutdruck runter, habe das aber als Dosis für den nächsten Tag verstanden. Ehe ich reagieren konnte, hatte ich den Inhalt der Tube schon unter der Zunge.
Das Zeug schmeckte eklig und insgesamt war mein Körper recht unwillig, sich spontan aus seiner „Hochdruck-Routine“ reissen zu lassen. Also: Adrenalin raus, Blutgefäße verengen, Puls hoch. Nächste Messung, 230/160. Besorgte Gesichter. „Fühlen Sie sich wirklich wohl?“ (Ja natürlich, bis auf meinen Bluthochdruck und zu niedrigen Blutzuckerspiegel – darf ich jetzt endlich gehen?).

Nächste Station: K1 (das ist Altbau auf der anderen Seite). Dort mit einem dröhnenden Tenor eines „echt hessischen Bubs“ begrüsst: „Sie sind bestimmt der Herr Hohmann dem meine Kolleginnen den hochen Blutdruck verschafft haben?“. Da die Station „K1“ die Logistik-Station für die Chirurgie ist (also dafür sorgt, dass die Patienten ordentlich vorbereitet in den OP kommen) und man daher die Probleme kennt, bekam ich nochmal eine kurze Predigt aus dem Munde eines Praktikers, die etliche Lücken in meinem Wissen geschlossen hat: 11:30 Uhr antanzen, Vorbereitung auf die OP, danach direkt auf die Intensivstation zum Aufwachen und Langweilen bis zum nächsten Morgen. Danach (Freitag) Verlegung auf C1, da kann mir jemand aus dem Familienkreis dann meine Bespassungswerkzeuge (Telefon, Kindle, Netbook) bringen, Entlassung dann Samstag.

Hä? Samstag? Das ist ein Tag mehr als geplant. „Ja,“ so sagt der Praktiver von der K1 „mit ihrem Plan wird normalerweise hier zwei Mal übernachtet und hier wird schon lange auch am Wochenende entlassen – die Zeiten, dass man bis Montag warten muss sind schon lange vorbei“. Ich merkte, dass ich schon lange nicht mehr im Krankenhaus war.

Na – dann bin ich ja mal gespannt.

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