Die Hernie und ich (Nabelhernie Teil 4)

Im letzten Beitrag ging es ums Essen – ich kann mich dumpf entsinnen, dass mir bei meinen letzten (sporadischen) Krankenhausaufenthalten entweder eine Speisekarte zum Ankreuzen vorgelegt wurde oder eine vorgesetzte Stelle entschieden hat, dass ich Diätkost bekomme.

Das St. Vincenz verzichtete auf beides, ich bekam zuckerreiche Aufbaukost und der nächste Blutstropfen im Testgerät hat erwartungsgemäss einen Wert über 300 angezeigt. Ich habe mit Händen und Füssen versucht zu erklären, dass das ohne Pillen und mit der Kost für mich genauso normal ist wie mein erhöhter Blutdruck und man bitte meinem Körper das selber erledigen lassen soll (gerade mit dem Entlassungstermin Samstag im Auge – alles wird gut).

Nein, da muss sofort was getan werden – schliesslich sind wir hier auf einer Intensivstation. Ruckzuck gabs paar Einheiten Insulin – mein Innerstes kehrte sich zum Äussersten, eine kleine Stoffwechselentgleisung hat was Beruhigendes solange man vollverkabelt auf der Intensivstation liegt – daher hab ich einfach weitergepooft, immer wieder unterbrochen von einer Schwester die mir einen Tropfen Blut (oder manchmal auch mehrere Tropfen) für alle möglichen Zwecke aus meinen Fingern entnommen hat. Das St. Vincenz orientiert sich dabei selbstverständlich an den neuesten Policies: der erste Blutstropfen wird von einen Tupfer aufgesogen und dann muss Tante Schwester solange drücken, bis ein zweiter Tropfen für das Messgerät herauskommt. Das Procedere geschätzte 10x am Tag und man kaum noch einen blutwilligen Finger.

Was im St. Vincenz (im Vergleich zu meinen Erinnerungen an „Früher“) gut klappt, ist die Visite. Ein Tross Weisskittel kam früh am Morgen herein, am Nachbarbett meinte der Häuptling „unverändert“, ich wurde mit „dort keine Probleme“ abgefertigt bis einer der Halbgötter den erhöhten Blutdruck am Monitor sah und darauf reagierte, wie eine Jungfrau auf den erigierten, mächtigen Penis eines Schwarzafrikaners: „Was nicht sein darf, das darf nicht sein“ und schon ging das Geschwirre los. Hallo? Ich Patient? Darf ich auch was sagen oder fragen zu meiner OP? Wusch war der Tross wieder weg und ich hatte eine Jungschwester am Hals, der ich gerade noch dieses Kack Notfallmedikament verweigern konnte. Wo waren die versprochenen 4x50mg Metoprolol Tabletten damit ich mich selber ordentlich und vorallem auf Dauer einstellen kann? Muss wohl beim Schichtwechsel verloren gegangen sein. „Ich hab mit dem Herrn Doktor telefoniert – sie bekommen jetzt Metoprolol“ – und zwar intravenös. Zum Glück lag ich bereits, sonst hätte mich das gefällt wie ein Baum. Reaktion wie vorher: Adrenalin und Bluthochdruck war schnell wieder da.

Nachdem man sich an mir nach allen Regeln der Kunst ausgetobt hatte, wurde ich nicht weiter beachtet und so stand meiner Verlegung von der Intensivstation auf die C1 nichts mehr im Wege – aber das ist eine andere Geschichte die noch erzählt werden muss,

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