Wenn man mal das Haus verlassen will…

Mich hat kürzlich mal jemand gefragt, wie ich mir den optimalen Urlaub vorstelle. Sonst hab ich dazu keine Antwort weil ich keinen Urlaub mache – aber diesmal fiel mir eine passende Antwort ein: Aus dem Auto/Flieger steigen, das Telefon an machen und nicht 3 SMS mit Notrufen und 10 unbeantwortete Anrufe in den letzten 3 Stunden zu sehen.

Ich will nächste Woche auf Dienstreise paar Neu- und Altkunden besuchen und bereite mich mal ordentlich vor, damit es solche Katastrophen nicht gibt.

Erster Kandidat waren zwei sporadisch verstopfte Webserver, die völlig erratisch die CPU auf Vollast getrieben haben. Da suche ich schon jahrelang nach dem Fehler, aber diesmal kam die passende Idee: Remote Debugging. Der Verursacher war auch schnell identifiziert: bei beiden Servern war es die Mozilla-JavaScript-Engine die gebraucht wurde um Webseiten zu parsen (zb. für meinen Babbelfisch). Ausgerechnet die Seite vom Heise-Verlag sorgte regelmässig für Abstürze. Ursache: die Entwickler der Java-Script-Library haben sich an verschiedenen Stellen darauf verlassen, dass eine Rekursion auch irgendwann zurückkehrt statt sich in einer Endlosschleife zu verlieren. Ich habe an den passenden Stellen dann Prüfungen eingebaut, die jeder Programmierer eigentlich einbauen sollte und nun ist Ruhe.

Der zweite Kandidat waren zwei kleine VPN Gateways die ich wärend meines „Ausflugs“ installieren möchte. Die Geräte sind Thin-Clients und werden von einer CompactFlash Karte (wie man sie von professionellen Kameras kennt) gestartet. Als ich diese Kisten das erste Mal konfiguriert hatte, waren 2GB CF-Karten noch purer Luxus, mittlerweile bekommt man 4 oder 8GB für kleines Geld nachgeworfen. Also hab ich die Kopierimages mal ordentlich neu partitioniert und auf 4 bzw. 8GB angepasst. Beim Rücksichern auf den Server im Keller kam ein dezentes „Out of Disk Space“ und ich fragte mich „huch? da waren doch neulich noch paar Terabytes frei?“

Der dritte Kandidat war dann also die Datensicherung. Was könnte denn so viel Platz verbraucht haben? Mal eben „ncdu“ angeschmissen um eine halbwegs brauchbare Übersicht zu bekommen. Das Tool lief und lief und lief und irgendwann schaltete sich der Server ab – warum auch immer. Also ganz langsam durch die Verzeichnisse gegangen. 8 Stundensicherungen, 7 Tagessicherungen, 12 Monatssicherungen, 5 Jahressicherungen. Überall die dicken Brocken rausgelöscht (ua. die Virtuellen Maschinen, Caches usw.) und damit 400GB Luft geschafft. Herumgerechnet – die Datensicherung dürfte insgesamt aber nur maximal 1TB fressen, wo kommt verflixt noch mal der Rest her?

Naja – erstmal die Konfiguration von „rsnapshot“ (dem verwendeten Backupprogramm) angepasst dass zumindest die Caches und temporären Dateien vom Backup ausgeschlossen werden. Ist zwar nur ein Tropfen auf den heissen Stein – aber das wollte ich schon immer mal erledigt haben. Und da fiel mir was auf …

Autsch – ja, da war doch was. Unter /home/bernd/networks/ sind bei mir alle externen Netzwerke eingehängt damit ich schnell Updates einspielen kann. Also die Platten von Kundenservern, mein Server im Keller mit diversen Shares, meine eigenen Server im Rechenzentrum und und und. Kein Problem weil das ja beim Backup explizit ausgeschlossen ist. Nur hatte mir ein Update meines Unix (Linux Mint) eine ungewollte Überraschung beschert: unter bestimmten Umständen zeigte $HOME nach „sudo“ nicht (wie gewohnt) auf das Home-Verzeichnis des Benutzers, sondern nach „/root“ – was dazu führte, dass mein Script zum Einbinden der externen Server den Kram nicht unter /home/bernd/networks sondern als /root/networks einpflegte. Ich hab das korrigiert und zur Kenntnis genommen (beim nächsten Reboot ist das eh wieder weg). Aber: weil bei mir unter „/root“ nur wenige (aber wichtige) Sachen liegen, wird das Verzeichnis komplett weggesichert – dummerweise jetzt inklusive der Kundennetze, einem Teil dessen, was man so als „Internet“ betrachtet und die Datensicherung hat sich auch selber gesichert.

Ich bin jetzt schon seit über einer Stunde am weglöschen (RAID-5 ist da nicht so schnell dabei), aber die ersten Terabytes sind schon wieder frei verfügbar.

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