Navigation

Ich bin von Kind auf mit Landkarten aufgewachsen und bin recht stolz auf meinen Orientierungssinn: Uhrzeit, Sonnenstand, da ist Norden – und ab gehts. Aber seit ich das grosse Multifunktionstelefon habe, habe ich die Landkarte immer online und richte mich nach dem dort eingebauten Kompass statt ewig Kartenausschnitte zu memorieren.

Heute war Einkaufen in Frankfurt angesagt. Eheweib brauchte neue Wanderschuhe, ich neue Unterleibchen. Also Geldbörse eingesteckt und Telefon genommen. Kurzer Funktionscheck: Vergessen zu laden, Akku leer. Macht nichts – ich hab ja noch mein simvalley RX-80 – genannt „der Handyzwerg“ weil es nicht grösser als eine Kreditkarte ist. Für den Notfall noch mein Netbook eingepackt, damit ich auf der Fahrt noch paar Sachen erledigen kann (meine Frau war mit fahren dran).

Nun – es zeigte sich, dass auch der Akku des Netbooks leer ist.

In Frankfurt angekommen wurde das angepeilte Parkhaus „Kaufhof“ als besetzt angezeigt. Also schnell das Navi meiner Frau eingestöpselt und eingeschaltet um das nächste Parkhaus zu suchen. Naja, das Gerät wurde längere Zeit nicht genutzt und daher war ein GPS-Kaltstart notwendig, der in den Schluchten einer Großstadt halt dauert – und wenn es Stunden sind.

Irgendwie sind wir im Parkhaus Konrad-Adenauer-Straße gelandet, also am einen Ende der Zeil wärend unser Zeil am anderen Ende lag. Macht aber nichts, wärend meiner Dienstreise letzte Woche hab ich vollbeladen etliche Kilometer unter der brütenden Sonne diverser Großstädte heruntergetrabt, vielleicht mach ich nächstes Jahr mal aus Spass den „Marathon des Sables“ mit (oder auch nicht, sonst verlieren die anderen Teilnemer in Anbetracht meiner Kondition den Mut).

Also erstmal orientiert. Uhrzeit? Tscha – mein Kleinsttelefon hat zwar eine Uhr, kann sie aber nicht automatisch stellen. Aber anhand 00:45 01.01.2009 und 12:00 Start ist es jetzt knapp 13 Uhr, Sommerzeit abgezogen steht die Sonne genau im Norden, wir müssen nach Westen. Blöderweise ging da keine Straße entlang und lief daher etwas orientierungslos über die aufgerissenen Bürgersteige und das Verkehrschaos. Die Rettung nahte: Meine Frau griff nach meiner Hand und sagte „da lang!“. Das ging zwar nach Osten, aber nach kurzer Zeit befanden wir uns auf einer Straße die mir bekannt vor kam – da hatten wir uns schon am Tag vor dem Ironman 2013 auf dem Weg zum Schuhgeschäft verlaufen.

Jetzt aber nix wie weg, um unverhofft mitten im Geschehen zu laden: Jeden Freitag gibts in der Schillerstraße Markt. Ganz am Anfang der Strecke lachte mich Rhöner Rindswurst im Brotteig an, also schnell 2,50 EUR in diese Köstlichkeit investiert. Wärend des Verzehrs dieser heissen Köstlichkeit ging meine Frau schonmal auf Schuhsuche um nach 20 Minuten frustriert wieder herauszukommen. Schulferien in Bayern haben dazu geführt, dass der Hersteller nicht so recht mit der Produktion nachkommt und daher nicht alles auf Lager ist.

Also weiter um die Ecke zu Lorey, ich brauchte einen neuen Pfannenwender. Das billige Teil aus Kunststoff hats schnell zerbröselt (und wer mag schon Kunststoff in seinem Essen?).

Von da aus war die Orientierung einfach – es ging im Zickzack und auf Sichtnavigation weiter: Schräg über die Hauptwache in den Sportbazar, dann wieder zurück ins Conrads, dann gegenüber noch eine kurze Plünderung bei Karstadt.

So rein nach Gefühl sind wir dann die Zeil nach Osten gelaufen und bei der ersten bekannten Strasse nach links abgebogen, am Parkhaus Kaufhof vorbei immer meiner Frau hinterher. Ich grübelte noch wo der Fehler war, bis wir am Eingang des Parkhauses Konrad-Adenauer standen. Ja, der Fehler war, dass man hier einfährt; der Personenzugang samt Zahlstelle aber auf der gegenüberliegenden Seite des Gebäudekomplexes liegt. Ein kluger Architekt hat den Bau aber einer kleinen Einkaufspassage versehen die quer durch das Gebäude führt. Wie die Passage hiess, weiss ich nicht mehr – aber es waren erstaunlich viele thailändische Läden drin.

Auf der anderen Seite das Ticket bezahlt und ab nach Hause, ehe die Arbeitnehmer aus der Großstadt zurück ins Grüne flüchten. Keine Ahnung, auf welchen verschlungenen Wegen meine Frau mich wieder zurückbrachte: ihr Navi war immer noch mit dem Empfang des GPS-Almanachs beschäftigt, daher war die Genauigkeit in etwa 160 Meter – da ist mit bestem Willen keine Navigation möglich: Da wo „Susi“ links sagte, ist meine Frau gerade aus gefahren. Und wo rechts angesagt war, fuhr sie links. Böse Susi: Keine Ahnung haben, aber anderen den Weg weisen wollen. Ich hab das Gerät weiterwurschteln lassen und irgendwann die Augen zum poofen zugemacht 🙂

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4 Kommentare zu Navigation

  1. opatios sagt:

    Na das passt ja voll in die Kategorie „Hohmanns schlimmste Reisen“. 🙂
    Für solche „Akku-Leer-Probleme“ empfiehlt sich die Anschaffung eines Spannungswandlers bzw. eines KFZ-Ladekabels für Mobiltelefone. Letzteres hab ich seit Anschaffung meines Smartphones zwar auch nicht mehr, dafür aber immer einen vollen Ersatzakku in der heimischen Schublade.

    • Bernd Hohmann sagt:

      Du meinst diese netten Teile, die man in die Buchse des Zigarettenanzünders steckt und wo dann ein USB-Kabel drin ist?

      Hab ich 3 Stück davon: einer im Kofferraum, einer im Handschuhfach und ein Reservegerät beim Bordwerkzeug des Autos, was immer noch in der Werkstatt steht weil es durch den Mercedes-Panzer eines netten ältern Herrn leicht kaltverformt wurde 🙂

      • opatios sagt:

        Kofferraum, Handschuhfach und Bordwerkzeug ein und des selben Autos..? Hm. Schlecht. Leg noch eines daheim in die Schublade zu den üblichen verdächtigen Adaptern, und einen in die Tasche jedes portablen PCs den Du evtl irgendwohin mit auf Reisen nimmst. Kannst dir zwar auch einen ans Schlüsselbund hängen, aber selbst das ist nicht narrensicher… 😉

  2. Bernd Hohmann sagt:

    In meiner Netbooktasche sind schon die gängigen USB-Kabel und ein 220V Adapter (war bei den letzten beiden Smartphones dabei). Könnte ich noch einen Adapter für den Zigarettenglüher einpacken – mal schauen, was Amazon so hat.

    Danke für den Tip!

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