Leistung

Unsere EU-Bürokrauts haben eine neue Spielwiese entdeckt: Staubsauger, speziell deren Energieverbrauch.

So sollen ab 1. September 2014 nur noch Haushaltsstaubsauger verkauft werden, „die weniger als 1600 Watt Leistung erbringen“. Na gut, der Stern des Bundesdeutschen Journalismus ist schon seit Jahren am sinken, denn selbst dem Laien sollte das mit der „Leistung erbringen“ bei einem Staubsauger schon die Alarmglocken klingeln lassen.

Zwar kann man die Saugleistung in Watt tatsächlich messen (dafür ist EN-IEC 60312 zuständig) – aber mit ca. 250 Watt für einen modernen Haushaltsbodenstaubsauger mit frischem Beutel passt das nicht so recht zu den 1600 Watt.

Also handelt es sich wohl um die Leistungsaufnahme des Staubsaugers wobei ich auf die Schnelle nicht herausgefunden habe, ob es sich nur auf den Staubsauger (also ohne Zusatzgeräte) oder das Komplettpaket bezieht.

Prompt meldete sich im Hanauer Anzeiger per Leserbrief einer der alten E-Technik Lehrer von der Ludwig-Geissler-Schule aus meiner Zeit, der munter drauflos schwadronierte dass Leistung ja schliesslich „Aufgewendete Energie dividiert durch Zeit“ sei und mit weniger zugeführter Energie die Leistung sinkt mit dem Umkehrschluss, dass man für die gleiche Leistung bei weniger Energie dann mehr Zeit braucht und der Haushalt damit noch länger dauert.

Ich habs erstmal so geglaubt, bis ich die Typenschilder unserer Staubsaugerkollektion mal unter die Lupe (ich sehe so gut auch nicht mehr) genommen habe. Der älteste ist ein Vorwerk Tiger 251, bestimmt 20 Jahre alt und der hat eine maximale Gesamtleistungsaufnahme von 1400 Watt (also Sauger und Zusatzgeräte wie Teppichbürste). Der neue Tiger VZ270 hat eine Leistungsaufnahme von 900 Watt und darf den Helferlein maximal 400 Watt spendieren (also insgesamt 1300 Watt). Selbst das alte Siemens-Schätzchen vom Grabbeltisch, was ich im Keller zum Aufsaugen von Gips, Metallabfällen und Bauschutt nehme, will bei voller Leistung gemäss Regler 1400 Watt (ohne Zubehör!) wegnuckeln, das Typenschild zeigt die Wahrheit: bei 1000 Watt ist Schluss.

Da die Verordnung so Sachen wie Industrie- und Nassstaubsauger sowie Staubsaugerrobots(!) und Bohnermaschinen ausnimmt bleibt erstmal alles beim alten.

Fazit: Man sollte selbst pensionierten Lehrern nicht alles unbesehen glauben, so manche Energiespar-Schreckensvision ist bereits bei ihrer Entstehung von der Realität überholt worden. Die Ökodesignrichtlinie der EU (die übrigens 2005 eingeführt wurde) gibt es schon länger, daher (so hab ich aus Branchenkreisen erfahren) sehen Hersteller mit deutschen Wurzeln diese Verordnung eher gelassen.

Eine kurze Umfrage im internationalen Bekanntenkreis hat da aber ein anderes Bild ergeben: Da gilt in manchen Ländern „je mehr, desto besser!“ und daher ist dort die Leistungsangabe oft künstlich geschönt sodass Werte grösser 2000 Watt eher üblich sind. Vermutlich sind das Grenzbelastungswerte, also kurz vor dem Wegschmelzen der Motorwicklung). Kennen wir noch von den Ghettoblastern, wo statt einer verwertbaren Größe Musikleistung in PMPO angegeben wurde (oder noch wird).

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