Ein Fall fürs All

Nach dem Wegfall von Dieter Hildebrandt und seinem Scheibenwischer war politisches Kabarett in Deutschland eher Mangelware. Oder besser gesagt: es war vorhanden, fiel aber durch seine gleichmässig-harmlose Art kaum noch auf.

„Neues aus der Anstalt“ war zum Schluss so ein Pflegefall, fertig zur Selbsteinlieferung. Urban Priol rannte durch die Sendung und zeterte Abwechselnd über Angela Merkel und die FDP. Als die FDP aus den Bundes- und Landeskabinetten flog, blieb nur noch die Bundeskanzlerin über und das war einfach zu wenig Substanz, um damit 45 Minuten zu überbrücken.

Nun gibts was neues von Herrn Priol: „Ein Fall fürs All“. Zusammen mit Alfons (der Franzose mit dem lustigen Puschelmikro) vertritt er eine imaginäre, intergalaktische Konföderation als deren Beobachter sie zur Erde entsendet wurden – „Die da oben wollen wissen, was hier unten los ist“, denn die Konföderierten machen sich „Sorgen um die Erde“.

Also mal reingeschaut.

Bühne eher ein Klon der „Anstalt“, statt der Aufzugstür gibt es rechts eine Startrek-Schiebetür, die ähnliche Geräusche macht und damit einen Auftritt ankündigt (bei der Anstalt langte da ein dezentes „Ping“)

Naja – und das wars schon an Neuerungen.

  • Urban Priol wettert (wie immer) über die Kanzlerin und drückt seine „Mitspieler“ an die Wand.
  • Emmanuel Peterfalvi spult seine Kunstfigur „Alfons“ ab.
  • Christine Prayon … naja, spielt die Nöl-Tankte, die sie auch in der Heute Show durchzieht.

Also wie Omas Häkeldeckchen bei ihr Zuhause, kennt man alles schon – nur dass die Decke halt jetzt das Schmuckstück eines Raumschiffs soll und daher etwas deplaziert wirkt.

Das war alles so unfassbar träge, dass ich nach ca. 10min eingeschlafen bin – auf dem Stuhl hier im Büro. Das hat noch nicht mal die Heute-Show geschafft, Glückwunsch ans Team!

Also – das nächste Mal ordentliche Kost abliefern, „Die Anstalt“ und „extra3“ legen die Messlatte schon recht hoch.

Weitere Stimmen zur Show (nein, ich habe nicht extra die schlechten Kritiken ausgesucht – die sind durchweg alle so):

Priols außerirdische Humor-Bruchlandung (MEEDIA)
Satirischer Schiffbruch (Frankfurter Rundschau)
Politiker-Bashing auf Stammtisch-Niveau (Der Tagesspiegel)
So ironisch wie Youporn (Süddeutsche)
Priol und sein Stichwortgeber (Quotenmeter)
„pointenloser Sendezeitfresser“ (Deutschlandfunk)

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