F(l)achkräftemangel

Vor paar kurzen Jahren hat mich ein befreundeter Headhunter gebeten, einem seiner Kunden auszuhelfen. Hatte danach ein nettes Gespräch mit dem Chefentwickler und als ich beim Kunden angekommen war hat sich jener Chefentwickler mit anderen Verpflichtungen entschuldigt und ich sass in einem Raum mit einem Geschäftsführer, der augenscheinlich in seinem früheren Leben Verkäufer und entsprechend unfähig war das Thema „Softwareentwicklung“ zu verstehen sowie einem Team von jungen Heranwachsenden (um den Terminus „Vollidioten“ zu vermeiden).

Aus diesem Team stach ein etwa 25 jähriger Programmierer hervor, der mich mit der Härte seiner Jugend versuchte zu provozieren indem er mir Fangfragen stellte wie ich denn dieses oder jenes Problem lösen würde.

Und ich sagte stets „naja, dazu bräuchte ich jetzt aber die Information wie denn dieses oder jenes Problem davor gelöst wurde oder ob es Alternativen gibt“ und die Antwort war „das ist Betriebsgeheimnis“ (oder in meinen Worten formuliert „Bub, Du hast absolut keine Ahnung um was es geht und bist völlig überfordert – Deine Chance dich mir anzuvertrauen damit wir die Chose in den Griff bekommen hast Du gründlich versaut – ich gehe nun eine Kippe rauchen und Du machst was Du willst“).

Bei der angekündigten Zigarette stand ich in einem Häuflein Angestellter, die mir auf Rückfrage versicherten dass keiner vom gesamten Entwicklerteam länger als 6 Monate dabei bleibt und daher alles recht schwierig ist weil die Firma bevorzugt junge Kräfte in 24/7 Schichten verschleisst als das mal ordentlich zu machen.

Ich hab die Story meinem Headhunter erzählt und meinte „Naja – also wenn das nicht dein Kunde gewesen wäre, ich wäre nach 10min wieder nach Hause gefahren“ und der meinte „Ja, der Kunde meinte auch, wenn er nicht von mir gekommen hätte man Dich sofort rausgeschmissen“.

Gut – der ungenannte Personalberater verdient an dem Chaos der „Hire & Fire“ Politik dort richtig gutes Geld und hat auch kein wirkliches Interesse daran, dass dieses Unternehmen jemals in geordnete Bahnen geführt wird. Entsprechend sind auch die Bewertungen auf diversen Jobportalen – sobald der Name des Unternehmens durchsickert will man dort nicht mehr arbeiten.

Und so entsteht der „Fachkräftemangel“ – eine Sau, welche zB die Bitkom alle 3 Monate frisch geputzt durch das Dorf jagt.

In einer Diskussion im Heise-Forum (meine Ignore-Liste dort ist länger als das Defizit im Bundeshaushalt und wird immer länger) meinte ein junger Kevin dass sich jeder meine Berufserfahrung aus 20 Jahren problemlos in 5 Jahren aneignen kann. Oder dass man im trockenen Schwimmbad die Fortbewegung im Wasser so gut lernen kann dass man danach problemlos den Ärmelkanal durchschwimmen kann.

Diese jungen Volltrottel glauben das noch. Und dann bekomme ich irgendwann mitten in der Nacht einen Anruf eines jener jungen Kollegen die sich vorher im Wahn befunden haben durch ihre ganzen Zertifizierungen in der Lage zu sein ein komplexes Firewall-Setup in der Grössenordnung einer kleinen Sardelle zu managen – „a fool with a tool is still a fool“.

Ich weigere mich da mittlerweile zu helfen, stecke aber deren Chefs gerne meine Visitenkarte zu. Wenn der Leidensdruck groß genug ist werde ich meinen Spass daran haben (die Firma spart auf einen Ferrari als Dienstwagen für mich).

Wie es sonst noch um den Fachkräftemangel aussieht – hier eine Reportage dazu.

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