Gib, so wird Dir genommen

Ich supporte gerne kleine Unternehmen, manchmal entwickelt sich daraus was richtig großes und ich kann mir meine Investitionen wieder reinholen.

Meisstens scheitert es aber eher am Dunning-Kruger Effekt der Gegenseite, daher werde ich ab jetzt nur noch mit Leuten zusammenarbeiten die grundlegende kaufmännische Kenntnisse haben und selber wissen, dass Arbeitsstunden teuer sind.

Letzter Fall: „Aktion Sorgengrill“

Ich wurde 2013 von jemanden (nennen wir ihn Otto) angesprochen, der für sein Gewerbe dringend eine kleine Homepage braucht. Vorhanden war nichts (also kein Logo, kein Schriftzug – wirklich nichts, noch nicht mal eine E-Mail Adresse). Ich gab ihm meine Visitenkarte mit der Bitte, mich am Donnerstag anzurufen wegen Gesamtpaket und Preis. Danach schnell meine Kollegen abtelefoniert was denn für seine Branche eine Logoentwicklung kosten würde, paar Texte, Gesetzgebung beachten und kleine Webseite. Fotos vielleicht noch. Mal schnell bei den wenigen Mitbewerbern geschaut, da gibt es kaum Webseiten zum Thema und die sind vor 20 Jahren das letzte Mal aktualisiert worden.

Alles vorbereitet, grobes Angebot zusammengestellt (insgesamt mal 2 Stunden weg) und was am Donnerstag nicht kam war natürlich der Rückruf von Otto. Ich habs beiseite gelegt und mich geärgert dass ich da überhaupt eine Reaktion gezeigt habe. „Alles ganz dringend“.. so so.

Monate später kam Otto dann mit einem Anruf um die Ecke, aber nicht wegen seiner Homepage sondern die von seinem Kumpel (nenne wir ihn Paul) der Grills schweisst und mit ihm einen Cateringservice aufbauen will.

Name, Logo, Geräte – alles schon da, etabliertes Unternehmen – fehlt nur noch Webseite. Ich sagte mal „Ok, für 500 EUR lässt sich da was für den Anfang machen“. Wie oben bereits gesagt: ich hab ein Herz für Unternehmungen und buttere auch gerne mal zu wenn mir die Arbeit Spass macht.

Termin für nächsten Samstag vereinbart, Wetterbericht schaut gut aus, Kamerarucksack und hingefahren. Bei Ankunft gabs erstmal die 500 EUR als Vorschuss „Ich besorg noch paar Mädels und dann fahren wir ein Stückchen weiter um Fotos zu machen“.

Abgesehen davon, dass das Wetter schlechter wurde: Fotos von was? Ein zum Grill umfunktioniertes, schwarz angemaltes Ölfass mit einem Rinderschädel ist schlecht zu fotografieren (zu hohe Kontraste, braucht entsprechend Licht und Vorbereitung). Und alles, was sonst als „fertig“ versprochen wurde, befand sich zu diesem Zeitpunkt im um/an/abbau.

Ich hab mal paar Fotos geschossen um eine Idee zu bekommen, wie man sowas ausleuchten muss („Schwarze Madonna vor schwarzem Hintergrund“ ist immer ein Problem) und folgte der Versammlung ins Haus um trotz des Reinfalls noch etwas Produktivität in Gang zu bringen.

„An welchen Namen für das Unternehmen habt ihr denn so gedacht?“ „Ja, das ist *******, damit machen wir das schon lange.“ Kurze Recherche bei DENIC und DPMA: schon lange als Marke in der gleichen Nizzaklasse registriert (wem das alles nix sagt – für irgendwas muss meine Erfahrung ja gut sein). Jedenfalls lange Gesichter beim Kunden. Alternativnamen eruiert. Irgendjemand in der Truppe hat bereits Fotos mit dem Mobiltelefon geschossen, die wollte ich haben.

Mailadressen ausgetauscht – keiner der anwesenden Männer (ausser mir) hatte eine E-Mailadresse, nur deren Frauen und Freundinnen.

Das fängt ja gut an.

Also: bitte weiter Vorschläge für Namen damit ich das prüfen kann. Alle Fotos die irgendwie irgendwann geschossen wurden und relevant sein könnten per Mail oder CD an mich. Ich such derweil nach einem WordPress Template, plane grob den Aufbau und beschliesse für mich selber, dass ich wohl auf den nächsten 4-5 Events für paar Schnappschüsse anwesend sein muss um irgendwie Live-Material für die Webseite zu bekommen, denn für Standbilder der Geräte brauch ich ein großes Studio mit Lichtwanne oder jemanden, der paar Stunden in Photoshop fürs Freistellen investiert – in einem 500 EUR Budget einfach nicht drin.

Es tat sich nichts, dann irgendwann ein Termin irgendwo 1 Stunde Fahrt von mir entfernt (und ich dachte, die sind total ausgebucht sodass es mindestens 2x im Monat irgendwas zu fotografieren gibt). Lockere Party im Biergarten, das Grillensemble war eher nicht sonderlich Fotogen und die Zapfanlage (eigentlich ein Hingucker) halt nur ein unproduktiver Dummy.

Mein geliebtes Eheweib versuchte in der Zwischenzeit mit der Frau von Paul irgendeine dekorative Teil-Ansicht des Ensembles zu generieren, ich hab mal mit Weitwinkel draufgehalten (nach hinten kein Platz) und ob des wolkenverhangenen Himmels auch mal den Blitz angeschmissen. Noch die „üblichen“ Fotos geschossen (Auftraggeber und Auftraggeber von Auftraggeber mit Frau im Arm) und gerne das Angebot angenommen, auf Kosten des Hauses einen Fetzen Fleisch zwischen Brötchenscheiben zu verzehren. Im Prinzip alles gut – hätte Fleisch zum Brötchen gepasst wäre es auch ohne Kollateralschäden verzehrbar gewesen. Meine substantiiert vorgetragene Kritik zur Sache wurde jovial abgebügelt, ich habe es mir abgewöhnt darin einen Affront zu sehen – es ist lediglich ein Alarmzeichen, dass da jemand Dunning-Kruger ist.

Im Büro angekommen hab ich die totalen Ausfälle der Bilderserie entfernt und alles, was irgendwie mal durch Ausschnittsvergrösserung, Retusche und sonstwas brauchbar wäre für den Kunden unbearbeitet auf meine Bilderplattform gestellt. Wie sonst auch – keinerlei Reaktion vom Kunden.

Meine kurze Bilanz bis zu diesem Zeitpunkt: paar brauchbare Domain- und Geschäftsnamen gefunden, selber eine Sammlung Keywords zum Thema angelegt, paar gut passende Templates für WordPress gefunden. Texte und Fotos fehlen noch gänzlich, ich hoffte auf die nächsten Veranstaltungen (bevorzugt in der Dunkelheit, da kommt Grill & Feuer am besten).

Die 500 EUR an Vorschuss waren bis dahin schon längst aufgebraucht (soweit zum Thema „ist alles fertig“), aber was zugesagt ist halte ich auch.

Aber irgendwie hat mich ein Termin erreicht für einen Samstag wo ich eigentlich noch im Urlaub wäre. Aber weil 7 Tage eh zu lange sind hab ich halt den Urlaub auf 5 Tage gekürzt damit ich dort fotografieren kann. Ich hatte dann ein sehr entspanntes Wochenende weil mir keiner verraten hat, wo die Location ist – dafür wurde mir Wochen später recht kurzfristig ein neuer Termin genannt für ein Meeting.

Also wieder Termine umgeschaufelt um dann einen Tag davor einen Anruf von der Frau von „Paul“ zu erhalten, dass man die Zusammenarbeit beenden möchte.

Als Gründe wurden angeführt:
1) Die Qualität der Fotos seien schlecht, unter anderem wäre auf einem Foto links eine Toilettentür zu sehen.
2) Die Sache würde nicht vorwärts kommen.

Zu 1: Probefotos sind Probefotos.
Zu 2: Kunststück wenn die Kommunikation über Mobilrufnummern geht wo nie einer rangeht oder Mails die verschwuinden.

Aufwand ca. 800 EUR gegen Einnahme von 500 EUR schmerzt nicht so sehr wie mein Verlust an den Glauben an die Menschheit.

Dreist wurde es dann später, als die 500 EUR zurückgefordert wurden – interessanterweise nie durch den „Geldgeber“ sondern nur durch Kumpels und/oder Ehefrauen.

Ich entgegnete nur „Wohin mit der Rechnung?“ und habe sorgfältig dokumentiert wo an welcher Stelle welcher Aufwand getätigt wurde und auch das Ergebnis beigefügt.

4 Wochen später fragt Paul telefonisch an, warum ich 500 EUR berechnet habe obwohl die versprochene Homepage fehlt.

Ich brauch noch vor dem 31.12.2014 ein neues Beissholz – bis zur Lieferung übe ich an der Schreibtischkante Genugtuung.

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2 Kommentare zu Gib, so wird Dir genommen

  1. Boris A. sagt:

    Schreibtischkante ???

    War die nicht aus Glas oder war die im alten Büro 🙂

    Würde hilfsweise ein gebrauchtes Beißholz helfen ? So eines hätte ich noch …

  2. Bernd Hohmann sagt:

    Glastische gabs im alten Büro, aber damals hatte ich noch einen Chef „über mir“ und der brauchte kein Beissholz weil er nie solche Experimente gemacht hat.

    Ich hab mir paar Kauknochen im Tiermarkt besorgt, sind echt lecker 🙂

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