Fachkräftemangel

Ich suche nach Leuten/Autoren/Geschäftleuten/Angestellten, die mir was zum Thema „Fachkräftemangel“ erzählen können bzw. Ideen haben, warum wir diesen Fachkräftemangel eigentlich haben?

Paar Punkte hab ich bereits herausgefunden, vielleicht könnt ihr diesen Aufruf weiterverteilen. Antworten hier oder an hohmann@harddiskcafe.de

  • In der Programmierung war sowas Simples wie ein Kundenstamm mit All seinen Komfortfunktionen 1990 einfacher zu Programmieren und zu Pflegen als im Jahre 2015
  • Eine Indische Altenpflegerin kann problemlos in Deutschland einen alten Menschen betreuen, wird aber an den Dokumentationspflichten scheitern
  • Der Umsatzsteueranwendungserlass Stand 31.12.2014 ist für jeden Kaufmann verbindlich – sofern er die Zeit hat, die 789 Seiten auf das zu Untersuchen was für ihn relevant ist.

Das Thema „Faule Jugend“ bitte ersparen, das hat schon bei Sokrates nicht so ganz funktioniert – die haben einfach andere Prioritäten und die sollten wir ihnen auch lassen. Schliesslich strebe ich eine Funktion als hochbezahlter Strassenkehrer in meiner Rente an, das kann nämlich keiner der Kiddies.

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3 Kommentare zu Fachkräftemangel

  1. opatios sagt:

    Vielleicht mal ein paar Gedanken, wieso „Fachkräfte“ fehlen bzw. Unternehmen nicht das finden, was sie suchen:

    Dass Jobs in etlichen Fällen schlicht anspruchsvoller geworden sind und damit schon Azubis zur „Fachkraft für Gebäudereinigung“ ne anständige mittlere Reife mitbringen müssen, steht ja schon da oben. 😉

    Über etliche Jahre hinweg haben Firmen weniger junge Menschen ausgebildet, weil sie ihre freien Stellen aus dem Angebot des freien Arbeitsmarktes besetzen konnten und/oder Aufgaben ausgelagert haben –> Wer Leistungen extern einkauft, muss dafür nicht selbst Leute einstellen/ausbilden. Frei werdende eigene Mitarbeiter können versetzt oder entlassen werden.

    Ausgebildete Fachkräfte, ob frisch von der Schule/Uni oder „freigesetzt“, die keine passende Stelle finden, wandern früher oder später durchaus auch ab in andere Berufszweige, teils vollkommen branchenfremd, und verdrängen damit oftmals auch Un- und Angelernte. Den ollen Witz vom fertigen Dipl.-Physiker, bei dem der Informatikstudent eine Pommes rot-weiß bestellt, kennt sicher jeder. Und ich hatte an der Schule einen Referendar, von dem es hieß, er habe als fertiger Lehrer (den keiner haben wollte) noch jahrelang als Platzanweiser am Theater gearbeitet.

    Jetzt, Jahre später, wo die Reste der gut ausgebildeten Belegschaft langsam graue Haare bekommen, muss alsbald Nachwuchs her- mehr als der Arbeitsmarkt, die Schulen und Unis auf Anhieb hergeben. Und viele fertige Fachkräfte, wie gesagt, sind inzwischen „anderweitig untergekommen“ und damit aus dem Spiel. Selbst wenn- ihre Kenntnisse sind unter Umständen schon dermaßen veraltet, dass man sie erstmal umfangreich nachschulen müsste.

    Ein Pferdefuß ist in einigen Berufen sicher auch die „marktübliche“ Bezahlung bei möglicherweise gleichzeitig noch miesen Arbeitsbedingungen (siehe z.B. in der Krankenpflege, aber auch die Klinikärzte haben’s nicht leicht), die ganze Berufszweige unattraktiv macht und zum Endlager für jene werden läßt, die nichts besseres finden. Da müssen die Arbeitgeber dann ihre Ansprüche runterschrauben, teils bis zur Schmerzgrenze, wenn sie ihre Stellen irgendwie besetzen wollen. Okay, letzteres vielleicht nicht eben bei Ärzten, aber nicht wenige von denen wandern schlicht aus oder machen nach bestandener Facharztprüfung ne eigene Praxis auf so bald es geht- endlich keine Nachtbereitschaften mehr, in der Klinik rückt dann halt einer nach…

    Manche Firmen wollen vielleicht auch den top-ausgebildeten, auslands- und projekterfahrenen Ingenieur zum besseren Sachbearbeitertarif und werden damit hierzulande nicht wirklich fündig- auch so kann „Fachkräftemangel“ aussehen. Der Spruch eines meiner früheren Chefs: „Gute Leut‘ sind teuer“

    • Bernd Hohmann sagt:

      Ich glaube nicht, dass „alte Belegschaft“ sonderlich besser ausgebildet wurde als die heutigen Lehrlinge oder Studenten. Die haben einfach Erfahrung sammeln können, das wird dem Nachwuchs heute vorenthalten bzw. der Nachwuchs kommt einfach viel zu spät in die Praxis weil heute ohne Abitur kaum noch was läuft.

      Ebenfalls wird durch ein überbordendes Haftungsrecht jegliche Tätigkeit extrem verbürokratisiert und in die QM-Zwangsjacke gesteckt.

      Und alles wird flexibler, dafür umständlicher – was ich besonders in der Softwareentwicklung bemerke. Von den Träumen, dass man sich schnell mal seine Benutzeroberfläche zusammenklickt und die dahinterliegende Programmlogik über ein UML-Diagramm steuert ist nicht mehr viel übrig geblieben.

      Und selbst das, was früher Routine war (wie zb. Anpassung der Benutzeroberfläche) ist heute ohne ein Team von Spezialisten kaum zu schaffen (insbesondere bei Webgeschichten) – ohne dass sich am Komfort gegenüber einer Software von vor 20 Jahren etwas verbessert hätte (ausser dass man heute einen Webbrowser statt einer Terminalemulation nutzt).

      Ein/e Mitarbeiter/in bei einem Pflegedienst ist eigentlich eine doppelte Fachkraft: eine für die Pflege und eine für die Dokumentation.

      Wir brauchen also zusätzliche Fachkräfte für Dinge, die man früher „nebenbei“ gemacht hat.

      Und da steckt das Problem.

  2. Udo Dinsing sagt:

    Mir persönlich ist kein Realunternehmer bekannt, der sich über einen Fachkräftemangel beklagt, sondern nur die sogenannten Möchtegernunternehmer ! (und von denen haben wir ja mehr als wie wir brauchen)

    Ich habe über ein Jahr recherchiert, mir die Jahresberichte der Handwerkskammern durchgelesen, mir die berufsbezogenen Abschlußprüfungen der Industrie angesehen. (natürlich nicht bei allen 11900 registrierten Akrtiengesellschaften)
    Ich habe mir die Zahlen der bestandenen Fort-und Weiterbildungsprüfungen angesehen. Alle Prüfungsabnahmen belaufen sich auf den Jahrgang 2013 – 2014.
    Ich habe mit Unternehmungen und mit Großkonzernen telefoniert.
    Ich habe diverse Unternehmungen persönlich besucht und vor Ort mit den Leuten gesprochen. Nix mit Fachkräftemangel !

    Und das Ergebnis habe ich in dem neuen Buch veröffentlicht mit Quellenangabe.
    Titel: „Fachkrtäftemangel in Deutschland ? – Ein Lügenmärchen der Politik und der Wirtschaft !“
    Es drängt sich vielmehr der Eindruck auf, dass man das Volk mit dieser Aussage belügt um eine Zuwanderung (von angeblichen Fachkräften) zu rechtfertigen.
    Darüber hinaus stimme ich einem BWL-Prof. zu der gesagt hat, „Fachkräftemangel nein, aber Fachlohnmagel ja“.

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