Multiflopter

Nach langem wieder ein Beitrag zum Thema „Multikopter“ und hiermit auch die offizielle Beerdigung des Projektes.

Ziel war es eine ordentliche Kameraplattform für Luftaufnahmen zu konstruieren die dann möglichst Gewinnbringend vermietet werden kann.

Die ersten Erfolge waren vielversprechend, insbesondere die Archäologen haben nach den ersten Probeaufnahmen massiven und dringenden Bedarf angemeldet.

Also hab ich mich hoffnungsvoll in den Bürokratiewahn gestürzt: Aufstiegsgenehmigung, Nachforschungsgenehmigung, Feldwegsgenehmigung, Sonsteinegenehmigung, Anderegenehmigung.

Und immer Nachgefragt bei den Archäologen „Wann seit ihr da, wann können wir mal das Gelände struktuiert mit Markern am Boden überfliegen?“. Mit sowas kann man via „Structure in Motion“ tolle 3D Landschaften erzeugen. Hab ich mich überall eingearbeitet und Demos gebaut. „Kein Schwein ruft mich an, keine Sau interessiert sich für mich“

Danach kam für mich der persönlische Schock: die verwendte Elektronik von DJI mit dem Namen „Wookong-M“ hat eine nachvollziehbare Schwäche im Bereich von 100 Höhenmetern wo alles fürchterlich Instabil wird (einfach mal die Videos hier zum Thema anschauen). Dort beim Support gejammert und geklagt, Foren vollgeheult und ausser der Erkenntnis, dass es anderen Leuten genauso geht, ist nicht viel bei herumgekommen.

Wärend meinen Experimenten passierten 3 Sachen:

1) 3D Drucker wurden richtig billig
2) DJI hat Wookong-M recht überraschend in die Tonne getreten.
3) DJI hat eine komplette Kameraplattform auf den Markt geschmissen
4) Mein Modellsportclub (aus Versicherungstechnischen Gründen braucht man das für Testflüge).

zu 1: Die Fertigung der 36+4 Reserve Motorhalterungen aus Alu für meine 2 Multikopter bei einem Fachbetrieb hat ein Schweinegeld gekostet, der 3D Drucker dazu für Plastik ein Jahr später kostete damals nur 1/4 des Betrags. Ich hab mich gleich in das Thema 3D Druck gestürzt um mein Know-How zu retten – aber mir jetzt selber noch schnell 3D Konstruktion (am besten noch mit finiten Elementen) beizubringen war mir echt zu viel.

zu 2: Danke DJI – zum Glück hat mich einer eurer Ex-Distributoren davor gewarnt, Zentralimporteur für Europa zu werden. Auf dem Schaden sitzt nun jemand anderes.

zu 3: Mit weniger als 3000 EUR (ich bzw. meine Firma haben ein Mehrfaches Investiert) wird nun jeder Hansel zum Drohnenfilmer. Dass die Piloten dort weder eine Aufstiegsgenehmigung haben noch in irgendeiner Form die Sicherheitsvorschriften beachten (geschweige denn Versichert sind) interessiert *noch* keinen.

zu 4: Ich hatte mir noch einen kleinen Heli gekauft, der flog auch beim ersten Mal ganz prima und hat sich bei der Landung mit dem Heckrotor im Gras verfangen. Nach Absprache mit anderen Heli-Piloten im Anfängerstadium habe ich auf der Jahreshauptversammlung Ende 2013 vorgeschlagen, dass man vielleicht für sowas vielleicht eine Matte oder eine Euro-Palette mit Teppich irgendwo auf die Seite stellen könnte. Und natürlich kam sofort der 2te Vorsitzende „ich war früher auch Heliflieger und das haben wir nie gebraucht“ und der Herr Kassierer hat nickend zugestimmt. Vorschlag abgebügelt, der Rest der Veranstaltung – die Vorstandswahlen – gingen glatt über die Bühne: so viele willige gestreckte Hände hab ich bislang nur in historischen Filmen über den Reichsparteitag gesehen.

Ich war geschockt für ein Jahr – und mich wirft sonst kaum was um.

Nachdem das Projekt „Multikopter“ hier endgültig gescheitert ist, habe ich meine Mitgliedschaft per Mail gekündigt. Statt einer kurzen Info bekam ich einen persönlichen Anruf des Kassierers dass ich zu spät mit meiner Kündigung bin, aber er wohlwollend die Kündigung akzeptiert.

Nein, ich schreibe hier nicht was sich dabei in meinem Kopfkino abgespielt hat, aber ich verrate dass eine grunzende Sau dazu gehörte.

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