Samos 2015 – Teil 2

Tag 1 – die Ankunft

Ob jetzt der Flughafenbetreiber des Samos International Airport (SMI) irgendwas dazugelernt hat oder ob dieses eine, spezielle gewisse Ritual einer Sparmaßnahme zum Opfer gefallen ist: wir durften die 30 Meter zwischen Flieger und Flughafenhauptgebäude endlich zu Fuß überwinden, statt wie sonst üblich via vollgestopften Gelenkbus bei gefühlten 50°C eine mit langen Wartezeiten verbundene kostenlose, wenn auch wenig ergiebige, Besichtigung des Geländes in Anspruch nehmen zu dürfen.

Ich wurde vorausgeschickt den reservierten Jeep „zu unterschreiben“, den Schalter der Autovermietung hab ich nicht sofort identifizieren können weil durch diverse Zu- und Verkäufe der Name der Firma nun ein ganz anderer war. Da es aber nur 3 Büros gab und nur eines offen war, konnte ich die Suche schnell zielführend beenden (Vulgo: ich habe mein Voucher solange den ortsansässigen Reiseleitern unter die Augen gerieben bis einer sagte „gehen Sie zum einzigsten geöffneten Schalter“).

Meine Frau konnte den blauen Suzuki „Jimmy“ Jeep danach recht schnell einordnen: das war jener mit der sehr schwergängigen Kupplung bei dem ich schonmal auf einer Alleinfahrt nicht mehr aus der Schneckenuntersetzung für schwieriges Gelände rauskam. Aber die Reifen waren in Ordnung und beim zuklappen der Türen sind auch keine wichtigen Teile abgefallen sodass ich mich gerne dem Fahrzeug anvertraut habe.

Da meine Frau ständige Urlauberin auf wunderbaren Insel ist, hab ich mich von ihr mit der Aussage „ich fahre die Strecke blind“ sanft in Richtung Appartment schaukeln lassen.

Mir ist von meinem letzten Besuch Jahre zuvor nur in Erinnerung geblieben „Flughafen links, dann an der Tanke rechts, in Chora links und dann immer weiter auf der Samos-Autobahn„.

Die Tanke zog an uns vorbei, es ging immer weiter bis ich links des Weges eine wunderbare kleine Bogenbrücke über den Imvrassos entdeckte – wir standen vor den Toren Mylois, einem winzigen Dorf mit Kirche und 2 Ausfallstraßen von denen 3 in das unasphaltierte Nichts dieser Insel führen.

Mit der Hilfe des Sonnenstands und einer Strassenkarte sind wir dann doch wieder auf der Samiotischen Version der „Route 66“ gelandet – eine Küstenstrasse welche die meisste Zeit nur Berge und Serpentinen sieht.

Erstmal das Appartment bezogen. Die Betreiberfamilie ist jene oft auf dieser Insel vorkommende Kombination aus einem Griechen und einer Deutschen/Österreicherin. Da unser Flieger die absolut letzte Touristenmaschine auf Samos war, hatten wir diese schöne und geräumige Anlage für uns alleine.

Bei 80° Luftfeuchte war erstmal Nahrungssuche angesagt. Im nahegelegenen Touristenort (eine Durchgangsstrasse, unzählige Tavernen, Appartments und Hotels) fährt man sonst einfach mal irgendwo hin und fällt in einem Restaurant ein. Hart an der Grenze zur Nachsaison wirds da aber recht spärlich – nur das Restaurant zum Hotel „Votsalakia“ hatte ab 17 Uhr offen sowie weiter östlich eine kleine Taverne mit dem typisch griechischem Namen „Οδιν“ (Odin).

Der Gastronom erzählte uns mit gewissem Stolz, dass er eines der wenigen Taverna ist, welche über den Winter (mit eingeschränktem Angebot) geöffnet bleibt um die Einheimischen und die seltenen Wintergäste zu versorgen. Es war gut, dass wir dort eingekehrt sind um mal ein echtes griechisches Drama in 3 Akten zu erleben.

Streiten auf Griechisch

Akteure:
1) Der Inhaber eines kleinen Fernseh-Radio-Multimedia Ladens auf Samos (genannt „TV-Profi“)
2) Der Chef, ca. 55 Jahre alt, kampferprobte Figur
3) Die Chefin, etwas jünger als ihr Mann, etwas füllig – Mama halt.
4) Die Tochter, ca. 22 Jahre alt und kommt in frühen Jahren schon nach ihrer Mutter.

Bühnenbild:
Eine typische Taverna in Kampos. Schmale Front, nach hinten ein fast endloser Schlauch Gastronomie. Vorne ein überdachtes „Aussen“, dann eine Doppeltür, innen Gastraum mit Küche und Toiletten. Im Aussenbereich nahe der Strasse steht ein Aquarium mit einem Goldfisch der offenbar als Repräsentant des Lebens dienen sollte.

Rechts neben der Tür im Aussenbereich stand ein kleiner Serviertisch und auf ihm ein riesengrosser Flachbildschirm wie man ihn aus bundesdeutschen Kneipen von Fussballübertragungen kennt. Auf dem Display war noch die Folie, in der rechten unteren Ecke ca. 10cm von beiden Rändern entfernt, grob aufgeschabt. Von dort ausgehend war die Schutzfolie in einem Halbkreis angeritzt um links oben weit vom Rand entfernt wieder in einem Loch zu enden. Der Transportkarton hat wie zufällig rechts unten ein recht grosses Loch als hätte jemand eine Brechstange reingesteckt.

Mir als Sachverständigen war das eigentlich klar: Ultraflacher Fernseher gekauft, auf die Ladefläche der dort üblichen kleinen Nissan-Pickups gelegt und irgendwie hat sich auf der Rüttelstrecke ein Stein auf die Ladefläche verirrt. Der scheuerte durch die Verpackung und beim herausziehen des Inhalts gab es den gebogenen Kratzer. Irgendwann verklemmte sich das und sorgte für das zweite Loch in der Schutzfolie (natürlich bis aufs Display runter).

Mein Griechisch ist natürlich sehr eingeschränkt – aber anhand der Gesichter und Gesten kann man das recht schön rekonstruieren.

Akt 1: Fernsehverkäufer und Chef stehen zusammen
Chef: …. und soo sah das nach dem Auspacken aus.
TV-Profi: Das ist mir jetzt unerklärlich, das Gerät war neu.
Chef: Also gibst Du mir auf Kulanz einen neuen?
TV-Profi: Nein.
Chef: Warum?
TV-Profi: Weil das Gerät ohne Schäden meinen Laden verlassen hat.
Chef: Dann wars dein Mitarbeiter.
TV-Profi: Nein, den letzten musste ich wegen der Krise vor 2 Monaten entlassen.
Chef: Dann der Praktikant
TV-Profi: Ich habe keinen Praktikanten
Chef: Dann Deine Frau
TV-Profi: Willst Du meine Frau beleidigen? Gleich haue ich Dir paar aufs Maul!
Chef: (betretenes Schweigen)
TV-Profi: (schweigt auch).
TV-Profi: Ich biete Dir an, das Gerät aufs Festland zur Reparatur zu senden. Zum Selbstkostenpreis!
Chef: Aber das Gerät war doch ganz neu!
TV-Profi: Es war auch in Ordnung, als es meinen Laden verlassen hat.

Akt 2: Auftritt der Chefin
Chefin: (kommt aus der Küche, mit schriller Stimme) Willst Du damit sagen, dass mein Mann einen Fehler gemacht hat?
TV-Profi: (betrachtet sie amüsiert) Nein. Aber Fakt ist, dass das Gerät hier kaputt ist.
Chef: Ich habe doch gar nichts gemacht!
Chefin: Genau!
Chef: Und woher kommt das junge Mädchen, das ich meine Tochter nenne?
Chefin: Das tut hier nichts zur Sache (zum TV-Profi) Kostenloser Austausch bis zum Beginn der nächsten Fussballsaison?
TV-Profi: Nein, das habt ihr kaputt gemacht.
Chefin: Das zeig mal.
TV-Profi: (holt den Karton aus der Ecke, zeigt auf das Loch, greift in den Karton und holt einen kinderfaustgrossen, kantigen Stein heraus) Und der ist nicht aus Japan!
Chefin: (zorniger Blick auf ihren Mann, keifend) Was hast Du dazu zu sagen?
Chef: (brüllend) Was ist das mit meiner „Tochter“?
TV-Profi: (mit amüsiertem Blick) Mein Angebot gilt noch… Reparatur auf eure Kosten in den nächsten Wochen!

Akt 3: Kuddelmuddel
Tochter: (sitzt im Hintergrund der Gaststätte und chattet am Laptop mit ihrer Clique)
Chefin: (zum TV-Profi) Du reparierst das kostenlos sonst wird das nix mit Deinem Sohn und meiner Tochter.
Tochter: (eilt hervor) Was ist los? Ich entscheide selber wen ich heirate.
Chefin: Aber nur, wenn der Fernseher kostenlos repariert wird.
Tochter: (zur Mutter) Der Fernseher zählt mehr als mein Glück? (zum Vater) Und was sagst Du?
Chef: Äh ja… Ich…
Chefin: (zur Tochter, mit energischer Stimme) Du gehst jetzt wieder zurück an deinen Laptop und lässt das die Erwachsenen machen.
Chef: (zur Tochter) Äh ja… Du machst das was Deine Mutter sagt.
TV-Profi: (hat in der Zwischenzeit den Fernseher – ohne Stein – zurück in die Verpackung gewurstelt). Ich gehe jetzt, ruft mich an wenn ihr wisst was ihr wollt. (geht ab)
Tochter: (im Abgang, schluchzend) Dimitri…
Chefin: (zu ihrem Mann)SIEHST DU NICHT, DASS WIR GÄSTE HABEN!?(geht ab)
Chef: Äh…. We have greek cheese, tomatoes….. and no TV screen.

Wir wurden hervorragend bekocht und haben gut gegessen. Zurück ins Appartment, den Rest auspacken und erstmal pennen und vorallem nach 18 Stunden herumreisen seine Notdurft verrichten und duschen. Den Abend haben wir dann im Restaurant des Hotels Votsalakia verbracht und sind früh schlafen gegangen.

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