Samos 2015 – Teil 3

Tag 2 – der zweite Tag halt

Trotz aller Fliegengitter vor den Fenstern bin ich nachts von der einheimischen Fauna untersucht und für gut befunden worden: insgesamt 10 Mückenstiche. Ich erinnerte mich plötzlich an meinen Ausflug nach Malta paar Jahre zuvor und dass ich eine Allergie gegen südländische Stechinsekten habe – shit happens, laufe ich halt wieder mit Pestbeulen herum (diese Stiche jucken ganz fürchterlich)

Der zweite Tag stand ganz im Rahmen jener Orte, die entweder meine Frau noch nicht besucht hat oder wo ich schon immer mal hinwollte.

Wärend des Frühstücks bimmelte schon mein Telefon – „Serverstörung“. Ich war ja nach meinen Vorbereitungsarbeiten der festen Überzeugung, dass genau „das“ nicht passieren wird und nun musste ich doch nach der EDV suchen.

Ein Teil der Samos-Autobahn. Eine typisch griechische Griechin meinte dazu nur "Typisch Griechisch"

Ein Teil der Samos-Autobahn. Eine typisch griechische Griechin meinte dazu nur „Typisch Griechisch“

1) Historische Kalksandsteinminen der Römer.
Da war ich schon ausgiebigst und wärend meine Frau das erforschte, hab ich mit dem RZ sowie meiner Stellvertretung telefoniert um den nächsten Crash zu versorgen. „Mobiles Internet“ ist recht spannend hier: Wo Vodafone GR nicht möglich war, kann man jederzeit zu Vodafone TR ausgeweichen.

Römische Kalksandsteinminen, 2000 Jahre alt. Hab darüber hier schon genug geschrieben - einfach mal selber suchen.

Römische Kalksandsteinminen, 2000 Jahre alt. Hab darüber hier schon genug geschrieben – einfach mal selber suchen.

2) Sanierung des „Tunnel des Eupalinos
Wir haben gehört, dass da Sanierungsarbeiten stattfinden und wollten mal nachschauen. Unser „Jimmy“ hat uns brav im Schneckengang an das nördliche Ende gebracht wo braungebrannte Männer mit Säcken hantierten. Ich habe nur kurz erhaschen können, dass da paar Schienen in den Tunnel führten – die Szenerie erinnerte mich eher an die Vorbereitung an einen Bankraub als an eine Baustelle. Einer der zigarettenrauchenden Gestalten quirlte mit dem Finger in der Luft herum und forderte uns damit zum umdrehen auf. Ich fragte ihn „Do you speak English?“ was er mit einem akzentfreien „No“ beantwortete. Ich drehte den Jeep auf kleiner Fläche, begleitet von den spöttischen Blicken der Arbeiter. Sollte der Tunnel im Frühling 2016 nicht mehr vorhanden sein waren wir Augenzeuge des grössten Raubes von Archäologischen Schätzen der Neuzeit.

3) Die „Titanenfestung“ oberhalb Pythagorio
Da war ich vor paar Jahren schonmal (gibts hier auch Fotos im Blog). Damals war das noch nicht so stark von Dornengestrüpp überwachsen. Aber an einer Ecke konnte man bis an den Rand gehen und die Aussicht geniessen. Wir folgten paar alten Militärwegen soweit uns die Flora gelassen hat und holten bei Windstärke 7 unser Mittagessen (Brot und Dauerwurst) nach. Selbst meine Frau fand die Gegend so öde, dass sie nichtmal ein Erinnerungsbildchen geschossen hat. Ich hatte das starke verlangen, hier mal mit einem Kanister Benzin für Ordnung zu sorgen.

3) Das Römische Aquädukt auf Samos
Ich weiss wo es ist und habe auch eine Vermutung wie man hinkommt. Aber Schein und Sein sind zwei Grundsätzlich unterschiedliche Dinge, wir standen mit dem Jeep mitten im Wald und meine Frau bestand auf Umkehr. Ok – 6% Steigung und Eselspfad sind nichts für 4 Räder.

Luigi Mayer: Aquedukt auf Samos (1788). Sammlung des Britischen Museums. Veröffentlicht unter CC BY-NC-SA 4.0

Luigi Mayer: Aquedukt auf Samos (1788). Sammlung des Britischen Museums. Veröffentlicht unter CC BY-NC-SA 4.0

Es war schon später Nachmittag, die Sonne brannte auf uns. Meine Frau entführte mich noch in ein Kloster mit dem Namen „Höhle der Jungfrau Maria“ bei dem 95 Treppenstufen zu einer unterirdischen Kirche führen. Die Panagia Spiliani ist weltberühmt und ich durfte sie sehen. Leider waren die Mönche schon im Winterschlaf – in der Touristensaison servieren sie Getränke und kleinere Köstlichkeiten.

Die "Panagia Spiliani" in der Nachsaison

Die „Panagia Spiliani“ in der Nachsaison

Unterwegs sind wir an einer der Zisternen vorbeigefahren, welche damals zusammen mit dem Tunnel des Eupalino und einer später gebauten Römischen Wasserleitung die damalige Stadt „Samos“ (das heutige Pythagorio) versorgten.

Zisterne

Zisterne

Wie man im letzten Bild genau erkennen kann hat die Theorie, dass die Araber das Spitzgewölbe erfunden haben, so ihre Schwächen.


Wir verspürten Hunger und begaben uns in den Hafen von Pythagorio – der ist touristisch hinreichend erschlossen und sollte noch die eine oder andere offene Küche haben.

Die Lokation hat nur ein Problem: man muss (wenn man es ganz brav macht) irgendwo ganz weit aussen parken und dann zum Hafen laufen – um sich dann darüber aufzuregen, dass die Einheimischen ganz dreist bis zur Mole fahren und dann auf einem der dort anscheinend zahlreich vorhandenen Parkplätze ihr Auto abzustellen.

Was die können, kann ich auch. Meine Liebste hat das Smartphone mit offener OpenStreetMap Karte gehalten und ich bin als Fahrer in das Getümmele von kleinen Gässchen eingetaucht. Mir wurde alsbald klar, warum auf dieser Insel „hochwertige“ Fahrzeuge mit der Lupe zu suchen sind: Mercedes, BMW & Co. sind selbst in der billigsten Ausführung einfach zu breit und haben einen zu grossen Wendekreis. Selbst unser kleiner Jeep konnte nur mit ganz spitzen Fingern und viel Gekurbele am Lenkrad um 90° Kurven gelotst werden ohne irgendwelche Blumenkübel zu zerstören.

Wir parkten direkt am Hafen an einer Stelle, wo verständlicherweise absolutes Park- und Halteverbot angezeigt wurde. Aber gemäss nach dem Motto „wenn Du in Rom bist, tue was die Römer tun“ haben wir eine gerade freigewordene Parklücke belegt und am Hafen eine sehr leckere Mahlzeit eingenommen.

Neugierig wie ich bin, sind wir der Strasse unserer Parkgelegenheit gefolgt. Gemäss aller gängigen Karten gehts da nur ins Niemandsland – und wir landeten auf dem Areal der „Marina“, dem zweiten Hafen von Pythagorio. Und nun war uns auch klar, wie die ganzen Einheimischen so schnell an den alten Hafen kommen: statt sich durch das Gewirr der Altstadt-Gässchen zu schlängeln machen sie einen Umweg über den Osten und den zweiten Hafen.


Heimkehr ins Appartment, Duschen, Abendessen – ab nach Kampos Marathokampou in unser Stammrestaurant.

Jener Ort hat übrigens eine Besonderheit: Seine Hauptdurchgangsstrasse ist der einzige Versorgungsweg für die Westseite von Samos – ausser man weicht auf Feldwege, Eselspfade oder Wanderwege über den nahegelegenen Berg aus.

Und ich war sehr verblüfft, dass man pünktlich zum Ende der Saison dort die Strasse gesperrt und einen Bagger auf die Strasse gestellt hat. Die Umleitung über die nördliche Dorfstrasse führte über abenteuerliche Ecken und Kanten – so manch reicher Dorfbewohner musste schnell feststellen, dass sein dicker Mercedes oder Pickup ein absolutes NoGo ist (wir haben genügend Eindrücke sammeln können).

Meine Frau und ich haben da schon schlimmeres in Griechenland erlebt, mit Handzeichen und etwas Geduld löst sich auch der schlimmste Stau auf – auch wenn Oppa Alexandos mal wieder seinen altersgerechten Mercedes-Panzer ausführen will.

Da gehts weiter ….

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