Preisschlacht (oder: Fake-Verkäufer bei Amazon)

Ich habe im Garten letztes Jahr (also 2015) eine relativ günstige Pergola aufgestellt. Ich wollte eigentlich gleich was „richtiges“ machen, aber das wäre teuer gekommen und meine Frau sprach immer von „zu gross, zu wuchtig“ – also 350 EUR ausgegeben und einfach mal was hingestellt. Als es stand, fand es auch das geliebte Eheweib ganz Toll.

Nachteil der günstigen Lösung: sie hält nicht lang. Meine Nachbarin Karen meinte zwar damals, dass es kein Problem wäre da irgendwann einen neuen Baldachin zu nähen – aber im zweiten Jahr zeigt sich, dass der Stoff das geringste Problem ist: Es verbiegen sich die kleinen V-förmigen Gebilde, die den Stoff an den Gleitern halten weil sie a) zu schwach dimensioniert sind und b) sich oben öffnen und dann abfallen. Das zu reparieren ist eine riesige Frickelarbeit für die man am besten alles wieder demontiert und richtig macht – und das dann wohl alle 2 Jahre wieder.

Ich hätte auf John Ruskin hören sollen.

Daher habe ich mal bisserl im Netz gestöbert und bin auf dieses Angebot gestossen:
plaram_martinique

Kostete die ganze Zeit gut 1.400,00 EUR und habe es auf meine Amazon-Wunschliste fürs nächste Jahr gelegt. Als ich heute eher zufällig nach was anderem suchte, kam die Meldung dass dieser Artikel auf meiner Wunschliste nun für ca. 250 EUR weggeht. Als Entwickler für kaufmännische Software kenne ich den Handel recht gut: Wenn die Saison zuende geht und ein Modellwechsel ansteht und man feststellt, dass Konstruktion nicht ganz einwandfrei ist – dann geht teure Ware schonmal gerne zum Materialwert raus.

Interessant bei diesem Verkäufer war, dass er mit viel List- und Tücke die Aufforderung „Vor Bestellung Kontakt mit woood888@web.de aufnehmen!“ bei Amazon eingeschleust hat denn der Laden verhindert es durch ausgefeilte Programmierung an (fast) jeder Stelle, dass man an Amazon vorbei mit dem Verkäufer direkt Kontakt aufnehmen kann. Also wird alles, was nach EMail-Adresse und URL aussieht anonymisiert oder gleich gelöscht.

Der Verkäufer agierte unter dem Profil eines seriösen Verkäufers in Berlin der in seinem eigenen Onlineshop seltsamerweise nur Treppenstufen aus Metall offerierte.

Naja, ich dachte mir: „Nimm mal Kontakt auf und lass mal hören was so geht“ – und prompt kam folgende Antwort von „marieblau486@gmail.com“:

Hallo,

Das Produkt ist Neuware und Originalverpackung, mit internationaler
Herstellergarantie und Rechnung.
Der Preis ist weniger als üblich. Wir haben spezielle Angebote in
diesem Zeitraum. Das Angebot dauert 7 Tage.
Die Lieferung erfolgt frei in Europa durch DHL Express.
Dieses Geschäft gehen über Amazon A-bis-z-Garantie Programm.

Damit die Transaktion durch Amazon begonnen werden kann, benötige ich Folgendes:

Vollständigen Namen:
Adresse:
Stadt:
PLZ:
Land:
Handynummer:
Produkt:
Betrag(Preis):

Ich werde sofort die erforderlichen Daten an Amazon übermitteln .
Amazon werden Sie mit den Bestelldaten zu Zahlung und Versand in
Verbindung. In maximal 3 Tagen können Sie das Produkt erhalten.

Mit Amazon Sie haben 7 Tage, um den Artikel. Danach werden Sie eine
Entscheidung treffen. Wenn Sie den Artikel behalten wollen oder nicht!
Wenn ja, wird Amazon das Geld an mich senden. Wenn nicht, werden Sie
das Geld zurück zu erhalten und DHL wird der Artikel von euch nehmen
und liefern sie zu mir zurück. Ich werde für die wiederkehrenden
Lieferung bezahlen!

Ich warte auf Ihre Antwort.

Freundliche Marie.

Fehlt nur noch, dass die „Freundliche Marie“ nach meinen Logindaten bei Amazon fragt.

Die Lieferung erfolgt frei in Europa durch DHL Express.“ – da habe ich aufgehört zu lesen. Sendungsgewicht 80KG, keine Ahnung welche Paketmaße der Pavillon hat – aber selbst bei nur 1x1x1m sagt mir der Rechner auf der DHL-Seite, dass dafür 739,00 Ocken zu zahlen sind und nur dann, wenn das Paket von Höhenstrasse 2 zu Wartbaumstrasse 52 (also mein Grundstücksnachbar) zu transportieren sei.

Naja, warte ich halt ab bis ein etwas seriöserer Anbieter einen Sommerschlussverkauf macht…

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6 Kommentare zu Preisschlacht (oder: Fake-Verkäufer bei Amazon)

  1. Joachim Ollig sagt:

    Merkwürdig! Ich bin noch einen Schritt weiter. Im Experiment: Wie kann Amazon heute einen Artikel für den üblichen Preis anbieten und morgen kommt etwas ganz anderes raus. Die Suchscanner wie billiger.de finden diese Wege – und schon gelangt man dort hin. Ist es vielleicht Absicht??
    Eben, wie eingangs beschrieben. Nachdem ich meine Adressdaten angab erhielt ich eine Zahlungsaufforderung – auch nicht von AMAZON. Hier die Bankverbindung: Kontoinhaber Amazon-Agent-Namen:
    LUCIAN CATRINA
    IBAN:RO89RZBR0000060017378572
    BIC/SWIFT:RZBRROBU
    BANKVERBINDUNG: RAIFFEISEN BANK SA
    Alles sehr merkwürdig. An dieser Stelle lasse ich das Projekt um Marie Blau einfach mal offen.

    • Bernd Hohmann sagt:

      Hallo Joachim!

      Dass diese Fake-Artikel noch über Preissuchmaschinen auffindbar sind mag daran liegen, dass Amazon das Angebot aus dem Index nimmt (werden also nicht mehr über die Suche und „gibts woanders günstiger“ angezeigt) – den Artikel selbst aber noch in der Datenbank behält (für Wunschliste etc..).

      BIC RZBRROBU ist die RaiBa Bukarest, der Lucian hat es schon ins Amazon-Kundenforum geschafft.

      • Joachim Ollig sagt:

        JA –FAKE. Meine Frage: Wieso unternimmt an dieser Stelle Amazon nichts? Zumindest hat es für mich den Eindruck. Hier geraten viele Amazonkunden in die Hände dieser Systematischen Abzocke! Sicher mit den notwendigen relevanten Rules derzeit lösbar. In überschaubarem Umfang. In den Foren sowie über die Hotline wird darauf hingewiesen -mehr nicht. Mir schwebt noch mehr in meinen Gedanken, bei diesen doch undurchsichtigen Spielchen …

        • Bernd Hohmann sagt:

          Das sind ja keine „Fake Accounts“ sondern etablierte Verkäuferkonten, die schon eine Weile nicht mehr genutzt – und dann irgendwann gehackt wurden.

          Aus der Sicht eines Kaufmanns macht Amazon das einzig Richtige: den legitimen Eigentümer anschreiben und ihn bitten, seinen Amazon-Shop aufzuräumen sowie die Logindaten zu ändern.

          Erst wenn da nichts kommt, kann man eskalieren und prüfen. Das kostet Zeit, Manpower und bindet Ressourcen bei Amazon und wird erst gemacht, wenn das Unternehmen denkt dass seine Reputation zu sehr Schaden nimmt.

          Ist nunmal das Denken als Kaufmann 🙂

          Bernd

  2. Jan Philipp sagt:

    Hallo,
    Ich habe das jetzt nur über Amazon bestellt ist da irgendeine Möglichkeit das Geld wieder zu bekommen ?
    Mfg Jan

    • Bernd Hohmann sagt:

      Wenn es über Amazon bestellt wurde sollte die Rückerstattung kein Problem sein. Wenns an Amazon vorbei gezahlt wurde, ist es als Lehrgeld zu verbuchen.

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