60 Jahre Radarkontrolle – Aktuelle Geschwindigkeitskontrollstellen des PP Südosthessen

Zitat einer Pressemitteilung des PP Südosthessen:

„Im Jahr 2015 ereigneten sich im Polizeipräsidium Südosthessen insgesamt 13.608 Verkehrsunfälle. 24 Personen wurden dabei getötet und 537 Personen schwer verletzt. Überhöhtes oder nicht angepasstes Tempo war bei 380 Verkehrsunfällen mit Personenschaden ursächlich.“

Sieht auf den ersten Blick plausibel aus, beim zweiten Blick schon nicht mehr.

Zum einen passieren die Unfälle nicht im Präsidium selber sondern in seinem Einzugsgebiet. Zum anderen ist „Überhöhtes und nicht angepasstes Tempo“ immer eine zweischneidige Post-Mortem Analyse nach dem Motto „wenn die Sicherung rausfliegt war sie zu schwach oder die Last zu hoch“.

Ob ich nun mit 50 oder mit 150 über die Landstrasse fahre, ist für die Unfallstatistik nicht relevant. Erst dann, wenn ich einen Unfall baue komme ich in die Statistik. Wenn der Gutachter festgestellt hat, dass ich mit 150 den Abflug gemacht habe, dann war es „Überhöhte Geschwindigkeit“ ohne weitere Ursachenforschung und wenn ich durch unerwarteten Glibber auf der Strasse mit 50 aus der Kurve fliege dann war es „nicht angepasstes Tempo“ – denn wäre ich nur 20 gefahren, wäre mir das nicht passiert.

Dazu 3 Ss OWi 14/98 OLG Hamm: Leitsatz: Die Feststellung einer bestimmten Geschwindigkeit ist ausnahmsweise dann entbehrlich, wenn sich aus den Umständen ergibt, dass die gefahrene Geschwindigkeit zu hoch war.

Wir sind hier in Nidderau mit festen Blitzern (oder wie der Amerikaner so schön sagt „Cop in a Box“ – Bulle im Kasten) wahrlich gesegnet. Ostheim hat alleine 3 Stück, davon sind 2 an „Unfallschwerpunkten“ installiert wo es von völligen Blackouts bis zu Mordversuchen alle möglichen Verkehrsunfälle mit Todesfolge gab und die Entschärfung eher durch massive Leitplanken sowie Verlagerung eines beliebten Schwatz- und Abholpunktes der Kukidentfraktion stattgefunden hat und ich den Realgewinn an Verkehrssicherheit durch die Blitzer als relevant einstufen würde.

Die Stadt Nidderau hat ihre eigenen „Ordnungsaktivitäten“ schon lange an eine semi-private 400 EUR-Kraft ausgelagert welche akribisch den fiktiven Unfallschwerpunkt L3009 zwischen Windecken und Kilianstädten monetarisiert. Die Strecke ist holperig im Niemandsland gelegen, bei normalem Wetter fährt man den Berg bis kurz vor den Küppel immer etwas zu schnell und den Hügel runter sorgt der Energiesparmodus moderner Fahrzeuge, dass man an einer bestimmten Stelle immer etwas zu schnell ist.

Wenn es den Behörden so am Herzen liegt, dass die Autofahrer zum Wohle der Verkehrssicherheit eine bestimmte Maximalgeschwindigkeit einhalten, dann sollten sie durch bauliche Maßnahmen dafür sorgen dass Fahrer die Geschwindigkeit drosseln.

So der Verkehrspsychologe Dr. Karl Friedrich Voss in einem Interview mit hr-inforadio: Die perfekte Radarkontrolle ist immer dann, wenn es andere Maßnahmen gibt, die auch dazu führen sollen, den Verkehr langsamer zu machen. Zum Beispiel gibt es ziemlich oft an Ortseinfahrten Verkehrsinseln, um die man herumfahren muss und die natürlich den Verkehr verlangsamen. Wenn man dahinter zusätzlich noch ein Blitzgerät installiert, dann hat man etwas Perfektes getan – nämlich alle Möglichkeiten eingesetzt, um die zulässige Höchstgeschwindigkeit einzuhalten. Wenn man sonst immer nur eine Sache macht – nämlich Geschwindigkeiten zu kontrollieren -, dann steht man als Behörde im Verdacht, nicht alles auf der Hand liegende getan zu haben, um eben das eigentliche Ziel – nämlich die Verkehrssicherheit – zu erreichen.

Und zum Thema der sporadischen Kontrollen: [Radarkontrollen treffen ganz oft die falschen Leute] deshalb, weil eben der Einsatz der mobilen Blitzer meistens tagsüber erfolgt, wo alle Altersgruppen unterwegs sind im Straßenverkehr. Die haben aber ein relativ geringes Unfallrisiko, während in den verkehrsärmeren Zeiten hauptsächlich junge Leute unterwegs sind, die aber dann seltener Gegenstand einer Geschwindigkeitskontrolle sind.

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