Planet Unwissen

Die Sendung „Planet Wissen“ ist eine Gemeinschaftsendung des WDR, SWR und ARD-alpha die grundsätzlich neutrales Hintergrundwissen zu allen möglichen Themen vermittelt – oder vermitteln sollte.

Das funktioniert immer ganz prima wenn es um Beiträge geht wo weder Moderation noch Redaktion mitreden können. „Feuerwehr“ zb. oder „Die letzte Fahrt der Hindenburg“ usw – da bleibt die Deutungshoheit beim eingeladenen Experten der hoffentlich allübergreifend Berichten kann.

Schwierig bis ganz schnell zur Idiotie wird es bei Themen, wo jeder eine Meinung glaubt zu haben von der er Überzeugt ist dass sie den Weltfrieden bringt und das Macht seiner Stellung (also Moderation oder Redaktion einer populärwissenschaftlichen Sendung wie „Planet Wissen“) an das Volk herausblasen muss.

„Planet Wissen“ ist (wie auch „Quarks & Co.“) mehr als Anfällig dafür, komplexe Sachverhalte möglichst rasch im Rahmen einer links-ökologischen Ideologie erklärbar zu machen und das geht stur nach dem Schema „Böse Konzerne mit ihrer Marktmacht“ wollen jede Form der „Robin Hoods der nachhaltig wirtschaftenden, freien, sanften Erzeuger“ vernichten.

Gerade mal wieder gesehen ein älterer Beitrag von „Planet Unwissen“: „Kartoffelvielfalt – Kampf um eine tolle Knolle“

Der Beitrag ist die ersten 20 Minuten noch ohne grössere Information, der kritische Medienkonsument bemerkt aber sofort dass er sanft dahin gelenkt wird „Karsten Ellenberg, Biohofbetreiber und Erhaltungszüchter anderer, darunter auch seltener Kartoffelsorten“ als einen der Guten anzusehen.

Und dann der Schnitt in Form eines Beitrags: Der böse Konzern Europlant verbietet den Anbau der Kartoffelsorte „Linda“ – das wird in dem Einspieler und der Folgemoderation breitgetreten wie Quark. PANIK! VERBOT! WIR HABEN NICHTS MEHR ZU ESSEN – aber „von den bösen Konzernen unabhängige Erzeuger wie Karsten Ellenberg werden uns schon retten“ – das wird mit dem Lächeln von Birgit Klaus und Dennis Wilms als unbezahltes Testimonial über den Äther getragen.

Die schockierende Realität (arg kurzgefasst): Die bösen bösen Konzerne sind verantwortlich für das, was sie als Saatgut auf den Markt werfen – es muss per Gesetz gewisse Eigenschaften auch im Ertrag haben. „Linda“ war so ein Saatgut, aber es war im Laufe der Zeit anfällig geworden gegen aktuelle Krautfäule, Knollenfäule und Virusnekrosen sowie keine Resistenzen gegen Nematoden und Kartoffelkrebs – also wurde das Saatgut für „Linda“ vom Markt genommen und stattdessen „Belana“ angeboten.

Nun – Karsten Ellenberg hat einen Pyrrhussieg erzielt: Linda gibt es noch (ohne die bösen Konzerne) und ist quasi „open source“ geworden. Allerdings scheint die Qualität der „OSS“-Nachzüchtungen nicht viel zu taugen bzw. unter dem zu leiden, warum Europlant die Sorte vom Markt genommen hat: es gibt „Linda“ kaum noch.

Darüber (obwohl der Planet Wissen Beitrag zeitlich schon Erkenntnisse aus der „Linda“-Geschichte verarbeiten hätte können) wird nicht berichetet – die Konzerne sind böse und der Biobauer ist edel.

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