Geschirrspüler-Tango

Vor gut 4 Jahren war es endlich soweit: die schon durch Scheidung sowie 2 Umzüge gelittene Küche konnte erneuert werden. Leider musste auch der recht frische Geschirrspüler weichen da es diesmal ein „vollintegriertes“ Gerät sein sollte.

Die „Minna“ von Neff hat uns gut gefallen, ich fand vorallem ein witziges Feature dass Restzeit, Spülprogramm etc.. auf den Fussboden projiziert werden.

Ich weiss noch wie die Monteure damals geflucht haben bis es „Sitzt, wackelt und hat Luft“ war.

Plötzlich und unerwartet saugte die Maschine vorletze Woche kein Wasser mehr an. Das Magnetventil vom Aquastop brummelte vor sich hin, ging aber kein Wasser durch. „Kann jetzt nicht das grosse Problem sein“ dachte ich und suchte nach dem Neff-Kundendienst womit ich am Ende bei einer Firma „BSH GmbH“ in München landete.

Deren Webseite machte jetzt nicht den Eindruck dass da jemand mal viel Geld ausgegeben hat, aber ich konnte den üblichen Kram wie Seriennummer und Fehlerbeschreibung eintragen und bekam eine Bestätigung per E-Mail. Nach etwas telefonischem hin- und her am nächsten Tag wurde auch ein Termin mit einem Techniker vereinbart. Die Dame der Hotline hat sich nochmal vergewissert, dass ich die „FAQ“ abgearbeitet habe und dann hiess es nur noch warten.

Mittwoch telefoniert, Donnerstag kam der Technie. Ein kritischer Blick, bisserl herumhangeln im Servicemenue und dann die Diagnose „Ja, da ist ein kleines Bauteil im Wärmetauscher defekt. Kommt öfters mal vor. Garantieverlängerung? Nein? Dann schauen wir mal was die Reparatur kostet“.

380 EUR

Hä?

„Ja, da muss die ganze Baugruppe getauscht werden.“ Ich fragte nur „rentiert sich da eine Reparatur?“ und bekam als Antwort „eigentlich nicht“ und so trennten wir uns.

Mich machte das alles etwas stutzig, Techniker sind doch sonst so versessen ihren Job zu legitimieren.

Also suchte ich mal im Netz, ob dieser Fehler in irgendeiner Community bekannt ist. Für Neff direkt hab ich nichts gefunden, dafür aber Artikel über Siemens, Bosch, Constructa und im Ersatzteilservice stand immer „passend für Siemens, Bosch, Constructa, Neff“….

Und auch bei der Suche nach einem neuen Geschirrspüler waren die Bedieneinheiten zwischen den Firmen 100% identisch.

Da war doch was…. BSH….. Bosch-Siemens-Haushaltsgeräte…..

Bosch, Siemens, Gaggenau, Neff, Junker, Viva, Thermador, Balay, Coldex, Constructa, Pitsos, Profilo, Ufesa und Zelmer – alles ein Verein und Geschirrspüler werden nur im schönen Łódź herstellt. Darum sehen die sich alle so ähnlich.

Nu gut, Amazon und diesmal einen von „Bosch“ bestellt – der war 10€ günstiger als sein Äquivalent von Siemens und kostete so viel wie die Reparatur.


Die Margen bei Amazon für den Spediteur scheinen recht niedrig zu sein. Zwar klappte die telefonische Terminverarbeitung mit dem Logistikunternehmen ausgezeichnet und hatte auch Trinkgeld für die fleissigen Männer hingelegt aber …

… für so ein hochempfindliches Teil wie einen Geschirrspüler zwei Kollegen abzustellen, denen man nicht wenigstens paar Grundzüge ihres Jobs angelernt hat?

Anruf „Sind da, wo ist Firrma?“ Ich guckte aus dem Bürofenster – kein LKW. „Wo sind sie?“ „Keine Firrma in Hohestrasse!“ „Sind Sie sicher, dass sie in Nidderau-Windecken sind?“ Die Stimme auf der anderen Seite wurde immer gequälter „Wo ist Firrma? Sehe nich Schild“ „WO GOTT VERDAMMT MAL SIND SIE?“ „Sind in Hohestrasse 2 nix finden Swansigeins Inforrmadiionsisteme Geämbä-a“. „Was sehen Sie?“ „Nurr Schild Läifstaile Deschein“.

Ok – das ist schonmal eine Ansage, die sehen irgendwo das riesige Firmenschild meiner Kollegin Karen. Mit Headset raus auf die Strasse gesprungen und zur Kreuzung gelaufen. Da waren sie und standen vor dem Gebäude des Nachbarn Korte – Wartbaumstrasse 2″.

Welche gottverdamtbeschissenekack Navisoftware nutzen die?

Egal – endlich stand der LKW am Bordstein, einer der Herren drückte mir einen Kugelschreiber in die Hand mit dem ich nacheinander in einer Liste „Ware erhalten“, dann mit dem Kugelschreiber (!!) nochmal auf einem völlig maroden Touchscreen unterschreiben (der Wahnsinn hat wohl Methode) musste. Der zweite Packen war ein Zettel „Ware ordnungsgemäss ohne Beschädigungen erhalten“ und nochmal mit dem Kuli auf dem Touchscreen quittieren.

Eigentlich unterschreibt man, nachdem die Ware im Haus ist – vermutlich wäre es eine unfruchtbare Diskussion geworden.

Die beiden Kerle schleppten also den Geschirrspüler ins Haus wärend das Wasser vom Dichtigkeitstest gemütlich aus dem Abflussschlauch plätscherte. In der Küche angekommen, befreiten sie das Transportgut von seiner Verpackung wärend sie durch jede Pfütze treten die sich aufgetan hat.

Ich hab erstmal durchgefeudelt und die Maschine stehen gelassen weil das geliebte Eheweib krank war und auch sonst Chaos herrschte (das ist eine andere Geschichte die noch zu erzählen ist…)

Am Abend kam noch mein Mieter um die Ecke um seinen Stapel Pakete abzuholen, den hab ich gleich eingespannt die Frontblende vom alten Gerät zu demontieren und das nackte Gerät nach draussen auf den Anhänger zu wuppen.


Karfreitag morgen mal vorsichtig die Installationsanleitung ausgepackt. Wer die Ikea-Piktogramm-Aufbauanleitung schon als Scheisse empfindet, der bekommt bei der Bosch, Siemens, Gaggenau, Neff, Junker, Viva, Thermador, Balay, Coldex, Constructa, Pitsos, Profilo, Ufesa und Zelmer – Version dazu noch ein hartes Würgen in die Kehle.

Es hat erstmal eine Weile gedauert, bis ich diesen Pseudo-Programmablaufplan erfasst habe. Es gibt nämlich zwei Einstiege: Vorderseite für teilintegrierte und Rückseite für komplett integrierte Geschirrspüler. Beide Seiten sind fast identisch bis auf paar winzigkleine Unterschiede die in der Praxis … lassen wir das.

Also Geschirrspüler in Position gebracht, Kabel und Rohre verlegt, angeschlossen und Gerät reingeschoben. Dann unten die Füsse hochgedreht (Warum können die in dieser kack Bedienungsanleitung nicht einfach schreiben „24er Maulschlüssel“ statt irgendwelche dimensionslosen Zahlen zu drucken die nix mit meinem Werkzeugkasten zu tun haben?).

Gerät ordnungsgemäss verspannt. Da der Vorgänger aus der gleichen Fabrik wie das neue Gerät stammt passen Halterung und Bohrungen für die Frontblende perfekt.

Noch bisserl nachjustiert bis die Frontplatte bündig war und gut ist. Klappe auf, Klappe zu – mit sanftem Schmatzen schliesst sich die Dichtung. Für die Endkontrolle noch ein „Dehnungstest“ mit vollends heruntergeklappter Front und dann eine Runde Leerspülen.


WTF? Die Frontklappe lässt sich nicht vollends öffnen. Grund: Die Frontplatte stösst unten ans Gehäuse. Anscheinend gibt es da doch Unterschiede in der Massenfertigung. Nach langem Studieren des Piktogrammes fand ich einen recht dünn gedruckten Hinweis, dass die Frontplatte genau 72,50cm hoch sein darf – diese hier hat aber 75,00cm. Wie wird man 2,5cm los? Opa Friedel anrufen dass er mit der Bandsäge das Furnier abtrennt, 2,5cm absägt und Furnier wieder anklebt.

Bedeutet aber auch, dass an dieser Stelle die Küchenzeile 2,5cm zu kurz ist – Protest des geliebten Eheweibes.

Also überlegt: wenn mann die Spülmaschine 2,5cm tieferlegt und die Aufhängung 2,5cm höher macht, sollte es wieder passen.

Da die „vollintegrierte“ Spülmaschine ihren einzigen Halt dadurch bekommt, dass sie vorne und hinten gegen die Arbeitsplatte gepresst wird dachte ich über einen Abstandshalter nach. Holz scheidet aus da beim Öffnen des Gerätes noch heisser Dampf austreten kann.

Zum Glück habe ich noch jede Menge Aluprofile vom Multikopterprojekt im Keller, darunter ein Stück mit genau 2,5cm Kantenlänge. Leider nur ein zu kurzes Restestück, aber meine Klassenkameradin Tatjana hat einen Laden wo sich mehr davon befindet ^^

Also: Aluprofil vorne und hinten auf den Geschirrspüler, irgendwie festmachen, bisserl gegen Dampf abdichten und dann alle Bohrungen der Frontplatte um 25mm nach unten verschieben.

Sägen, Bohren, Feilen, Fluchen, nochmal Sägen und es passte. Vorne konnte ich Schraublöcher nutzen die für was anderes gedacht waren, hinten ist ein Styroporblock dem ich einfach mal 2 Schrauben verpasst habe. Muss ja nichts halten sondern nur die Position bei Einspannen sichern.


Gesagt, getan. Alle Maße hab ich eher „Pi mal Daumen“ genommen – es zeigte sich, dass ich mir im Laufe der Jahre einen internen Autokorrekturmechanismus angeeignet hatte. Ich hatte auf Anhieb Spaltmaße, die jeden Autoingenieur zu Tränen rühren.

Blöderweise hat mein „Vorgänger“ das Schutzblech an der Unterseite der Arbeitsplatte etwas schepp angedengelt sodass die Frontplatte auf der einen Seite nicht so recht passte wenn der Geschirrspüler hinreichend fixiert wurde.

Also nochmal Keller besucht, eine passende Alustange (25mm breit, 3mm hoch) zurechtgeschitten und als weiteren Abstandshalter vorne eingepflegt.

Den Geschirrspüler mit der Höhenverstellung so angewatzt, dass sich die Arbeitsplatte leicht wölbte. Verblendung angeschraubt, Klappe auf, Klappe zu – nichts schleift.

Danach das übliche Procedere: beim gemeinsamen Einhängen der Fussleiste fiel auf dass unterhalb des Knies nur selten geputzt wird. Das habe ich dann aber dankenswerterweise meiner Frau überlassen dürfen.

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