Der Vogel im Auto – Gartenfreude mal anders

Neulich war in der F.A.Z. unter der Kolumne „Wie erkläre ich es meinem Kinde“ ein Artikel, in dem die „Klimaleugner“ in die Schublade der Homöopathiefreunde und Impfgegner gesteckt wurden.

Dabei besteht – zumindest meiner Beobachtung nach – der Grossteil dieser „verdammungswürdigen Unwissenschaftler“ aus recht kritischen Beobachtern der Sorte „natürlich ändert sich das Klima wie es das schon immer getan hat, der Mensch ist nicht alleinig Verursacher und die Politik sollte sich mal langsam auf den Klimawandel einstellen und Vorsorgemaßnahmen treffen statt auf irgendwelchen Klimakonferenzen zusätzliches CO2 zu produzieren“.

Zumindest ich habe mich auf zunehmende Volatilität und auch neue Unvorhersehbarkeiten des lokalen Wetters infolge des Klimawandels eingestellt: Wenn es in Windecken zunehmend wärmer wird, dann kann ich irgendwann Kokosnüsse von der Palme ernten. Sollte doch kälter werden sind genügend resistente Pflanzen im Garten und die Palme wird durch eine Tanne ersetzt.

Dass der Klimawandel grössere Schwankungen im erwarteten Wetter bringt, zeigt dieser April. Für Meteorologen war der April endlich mal wieder ein „echter April“, für die Gärtner und Landwirte eher ein Desaster weil die paar warmen Tage im März schon für Blüten gesorgt hat die dann abgefroren sind.

Das haben wir heute gemerkt.

Da die Wettervorhersage eine zunehmend stabile Wetterlage prognostizierte, habe ich mir schnell im Hagebaumarkt einen Vertikutierer organisiert und in Rekordzeit das Grundstück „belüftet“, gedüngt und Rasen an den kahlen Stellen nachgesäht – noch ehe die ganzen Rentner mitbekommen dass die Gartensaison nun entgültig begonnen hat und die Baumärkte verstopfen.

Meine Frau und ich wurden uns überraschend schnell handelseinig: der verbleibende Rest auf der rechten Seite bekommt aufgrund der Bodenstruktur und nackter Physik noch eine wildwüchsige Abtrennung mit Rancherbohlen damit das Grundstück nicht irgendwann beim „ganz unten“ landet und auf der rechten Seite wird in die Sichtachse der Terrasse meines Lieblingsnachbarn ein hauchzarter Sichtschutz gepflanzt.

Schnell haben wir uns auf eine Kugelrobinie festgelegt. Wird nicht gar zu hoch, aber breit und macht sich bestmmt gut. Freitag beschlossene Sache: Samstag nicht trödeln, früh aufstehen und unsere Lieblingsbaumschule besuchen.

Wenn man auf Qualität achtet, bleiben nicht viele Anbieter über. Und diese eine Baumschule zwischen Wöllstadt und Karben hat uns die letzten Jahre immer gut beraten und Gewächse verkauft, die ihren Preis wert waren. Also hingefahren und – tempus fugit – der Inhaber ist vor 5 Jahren in Rente gegangen. Ist das alles schon so lange her?

Nächste Baumschule um die Ecke angefahren. Kugelrobinie ja, aber schon 2,50m hoch und sieht recht mager an der Krone aus. Die Schnellstrasse nach Frankfurt ist nicht weit, also eine Baumschule in Eschersheim besucht. Gleiches Ergebnis: sehr hoch (was uns immer mit „die Krone muss ja Platz haben“ erklärt wurde), aber der Pflanzort kann in dieser Höhe recht stürmisch sein (da hab ich schonmal einen kleinen Modellhelikopter verloren) und das traue ich den schmalen Stämmen nicht zu.

Weiter an die Friedberger zum nächsten Gartencenter. Tolle Pflanzen, aber auch nur schmale blasse Stämme mit wenig Geäst in der Krone. Zumindest habe ich verstanden, dass man anscheinend erst eine normale Robinie als Stamm züchtet und dann die Krone der Kugelrobinie aufpfropft. Daher wächst der Baum nicht höher und es entwickelt sich nur die Krone.

Letzte Station: Löwer in Hanau, passte mir gut weil die eine riesige Abteilung mit Kräutern haben. Auch dort gab es Kugelrobininen, aber auch die haben durch die frühe Blüte und den Frost gelitten. Gut 150 EUR ausgeben und hoffen, dass im zweiten Trieb alles gut wird? Ich hab mir paar Kräuter in den Wagen gepackt und zurück zum Auto.

Meinte meine Frau „letzte Hoffnung: Denner in Wolfgang“… Liegt am Weg, also hin. Meine Frau entwickelte in der Zwischenzeit einen Plan „B“, weg von der Robinie zu was anderem Runden. Vielleicht noch bisserl Gewächs am Rande was man in Form schnippeln kann.

Bei diesem Händler gleiches Procedere „Robinien – ja, aber nur hoch und sie wissen ja: Frost usw…“ Mein Blick fiel auf eine Gelbe Baumzypresse „Cupressocyparis leylandii„, Stamm ca. 1,50m und kugelrund geschnitten. Schnell übers Smartphone mal das Internet befragt: solange man sie ordentlich stutzt bleibt sie klein. Ausserdem würden gerne Vögel darin nisten – die Brutzeit beginnt Ende April, also ab in den Garten damit.

Also alles mit Beiwerk auf den Wagen, aufgrund der Ladehöhe geschickt an den Hängeschildern im Gartencenter vorbei laviert, an die Kasse und zum Auto. Dort einen Teil der Rückbank umgelegt und den „Kugelkopf“ der Pflanze zwischen die vorderen Sitze geklemmt. Kleine Sicherung gegen Abrutschen nach hinten und dann nach Art des „Igel Sex“ (ganz ganz vorsichtig) nach Hause.

Auf der ganzen Strecke gibt es nur genau 1 scharfe Kurve, nämlich von der Ostheimer- in die Wartbaumstrasse wo ich aufgrund der Blödheit des einbiegenden Verkehrs meisstens über den Bürgersteig holpern muss.


Plötzlich Gefahrengequieke meiner Frau „Achtung!“ Schrecksekunde…. „Da ist ein Vogel im Auto“.

„Ei“, dachte ich mir nur, „wenns ihm Spass macht“ und habe alle Fenster heruntergelassen. Der Vogel surfte hinter mir im Durchzug ohne Anstalten zu machen abzuhauen. Wobei mich stutzig machte, wie der hereinkam. Da mir vor paar Tagen etwas Superbenzin im Kofferraum ausgelaufen ist stehen öfters mal die Fenster offen – aber da Vögel keine Bienen sind, erschien mir das Unwahrscheinlich und lenkte meinen Verdacht auf die Zypresse im Kofferraum.

Zuhause angekommen erstmal den Vogel abgeknipst für eine Artenbestimmung und alles geöffnet was zu öffnen ist damit der Flattermann rauskann. Und natürlich ausgeladen: Zypresse und sonstiges Gewächs in den Garten.

Wärend ich schnell das Grünzeug versorgte schnappte sich mein geliebtes Eheweib den Handsauger um paar abgebrochene Kleinigkeiten zu entsorgen – man ahnte es fast: sie fand 2 frisch geschlüpfte Küken von denen eines unter die Sitzbank gerutscht ist und nur mit einer grösseren Bergungsaktion zu retten war.

Die Winzlinge wurden zurück ins Nest gelegt, ihre Heimat etwas mehr in die Sonne gerückt. Körnerfutter sowie Insekten haben wir hier genügend, wenn es die (mutmassliche) Erlenzeisigmutter wegen Standortwechsel und Menschengeruch verpeilt verbuche ich das unter „Darwin“ – Handaufzucht überlasse ich den Arten, wo es wirklich nicht mehr anders geht.

Wir werden sehen.

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