Von TBW und DWPDs (SSDs im Serverbetrieb)

Die schnellen SSDs (Solid State Disks) haben einen chronischen Nachteil gegenüber herkömmlichen HDDs (Hard Disk Drives): ihre Speicherzellen sind nicht unendlich oft – oder zumindest weitaus weniger überschreibbar als die magnetisierbaren Partikel auf der rotierenden Platte.

Aber immerhin: anfängliche Mängel wie spontane Totalausfälle oder Lebensdauer weit unter den angegebenen Werten sind behoben, meine letzte defekte SSD (dummerweise die Bootpartition eines Servers) war eine vom Hersteller „Zheino“ die nach 2 Jahren unter Spannung – aber nie sonst genutzt wurde – offensichtlich aus Langeweile gestorben ist.

Ich habe hier in meiner Workstation eine SSD „Samsung EVO 850“ mit 500GB, die 1.5 Jahre Betriebszeit auf dem Buckel hat, ein Selbsttest via smartctl behauptet, dass ich ungefähr die Hälfte der Lebensdauer erreicht habe. Wobei ein Selbsttest via „S.M.A.R.T“ nur die Werte auslesen kann, die der Hersteller an diese Schnittstelle weitergibt.

Interessanter sind die Daten, die Linux bzw. das genutzte Dateisystem so über die Nutzung abspeichert.
sudo dumpe2fs /dev/sda1 | less
zeigt mir z.B., dass die Hauptfestplatte meiner Workstation am 7. Dezember 2016 formatiert wurde und in dieser Zeit 1.620 GB Daten geschrieben wurden. So grob über den Daumen werden das wohl 2 TB an geschriebenen Daten pro Jahr werden.

Samsung gibt für die genannte SSD eine Garantie über 5 Jahre oder maximal 150 TBW (Terabytes written). In 5 Jahren schaffe ich bei gleichbleibender Nutzung 10 TB, in der Theorie nach den TBWs müsste die SSD 75 Jahre überleben.

Von der 850 EVO gibt es eine „pro“ Version wo alles verdoppelt wird: 10 Jahre Garantie, 300 TBW und halt auch doppelter Preis.

Nun stand ich vor der Aufgabe, meine Server im Rechenzentrum auf Vordermann zu bringen. RAM ist mit 32GB auf den ersten Blick wenig, aber die virtuellen Maschinen sind alle recht sparsam. Die Intel Xeon E5450 mit 3.00 GHz sind immer noch Spitzenreiter was das Preis-Leistungsverhältnis angeht. Nur die Festplatten machen mir Sorgen weil sie halt lahm sind, viel Strom verbrauchen und vorallem einiges an Abwärme produzieren was dem Rest der Elektrik auch nicht gut tut.

Also mal schauen, was so ein vielbeschäftigter Server mit seinen Festplatten anstellt….

Das /dev/md0 von „gustav“ (ein normal ausgelasteter Server mit einer Plattenspiegelung) hat in 2.5 Jahren immerhin 9 TB an Daten geschrieben, die zugehörige HDD für die Datensicherung 2 TB.

Nun – ich habe das Abenteuer gewagt und einen Server auf SSDs umgestellt. Verblüffend: trotz altem SATA 3.0 Interface hat der RAID-1 Verbund soviel „Dampf“ dass ich 2 Server auf eine Maschine packen konnte und die Gesamtperformance ist trotzdem noch besser geworden.

Ich bin mal gespannt, wie das in 5 Jahren aussehen wird…

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