Ausstieg der Katalanen

Was passiert eigentlich, wenn die Katalanen tatsächlich ihre Unabhängigkeit erklären und ihren eigenen Staat ausrufen?

Analog der Konvention von Montevideo sollte ein Staat als Subjekt des internationalen Rechts folgende Eigenschaften besitzen: Eine ständige Bevölkerung, ein definiertes Staatsgebiet, eine Regierung, die Fähigkeit in Beziehung mit anderen Staaten zu treten.

Im friedlichsten Idealfall rufen die Katalanen die Unabhängigkeit aus, Spanien akzeptiert es entgegen seiner Verfassung und erklärt Katalonien zum Ausland.

Die Folge im Grossen: Die Katalanen müssen selber diplomatische Beziehungen zu den anderen Staaten und Regierungen aufnehmen, was aber nicht bedeutet dass jede Organisation, jeder Staat und jede Regierung diesen neuen Staat und seine Regierung völkerrechtlich anerkennt – ein Schicksal, was sie dann mit Palästina, Taiwan und Nordzypern teilen werden.

Denn die EU, die europäischen Staaten und andere Länder werden die Katalanen mit Sicherheit nicht mit offenen Armen empfangen denn damit würden sie den Rechtsbruch legitimieren und separatistischen Bestrebungen im eigenen Lande vorschub leisten – die Bayern warten angeblich nur darauf, dass es ihnen irgend jemand vormacht (was Anfang 2017 vom BVerfG abgesagt wurde).

Mit dem Austritt aus Spanien sind die Katalanen auch aus der EU sowie Schengenraum raus, ich weiss jetzt nicht ob die dann einfach den EURO als Währung behalten können/dürfen. Die Folge wäre, dass eine nicht erstmal nicht frei konvertible Binnenwährung entsteht.

Zu klären wäre auch die Funktionaltität diverser Annehmlichkeiten: Stromversorgung (die Katalanen haben u.a. 3 Kernkraftwerke in Betrieb), Internet, Telefon.

Die wirtschaftliche Stärke, auf die sich die Katalanen so gerne berufen, steht eh auf tönernen Füssen. Wärend Gesamt-Spanien ein BBB+ Rating bei S&P hat, steht die Provinz Katalonien schon seit Jahren auf BB – was schon fast Ramschniveau ist. Weiterhin kann sich die Region schon seit vielen Jahren nicht mehr an den Märkten selbst finanzieren und hängt an den Transfers des spanischen Liquiditätsfonds – mit mehr als der Hälfte der katalanischen Schuldverschreibungen ist Spanien der größte Gläubiger.

Seit die politischen Experimente der separatistischen Kräfte die Wirtschaft verunsichern, wandern viele Unternehmen aus der Region ab und siedeln sich im Grossraum Madrid an. Auch die VW-Tochter SEAT reagiert und verlagert die Produktion des Modells Alteca zu Skoda in die Tschechei.

Da der Tourismus mit 12% am Bruttoinlandsprodukt eine der tragenden Säulen ist, könnte Katalonien das Schicksal der Türkei teilen – welcher Tourist möchte schon in einem Land Urlaub machen wo es nach Revolution riecht.

In einem Staat „Katalonien“ wären die dort ansässigen Spanier wieder in der Minderheit und würden Minderheitsrechte geltend machen, der Kreis schliesst sich.

Das war jetzt die „friedliche“ Variante: die Region fällt auf Steinzeitniveau herab und wird sich davon paar Jahre nicht erholen können.

Es gibt noch eine andere Variante, die ich für realistischer halte: die Spanische Regierung pocht auf die Einhaltung der Gesetze und der Konflikt wird militärisch gelöst. Auch in diesem Fall wird Katalonien zurück in die wirtschaftliche Steinzeit geworfen.

So oder so, verloren haben sie auf jeden Fall.

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