Wir Deutschen – zu Dumm für alles!

Petra Pinzler schreibt in ihrem Kommentar zur Klimakonferenz in Bonn unter dem Titel „Wir Großmäuler“ in etwa folgendes:

In der Klimapolitik ist Kanzlerin Merkel nicht viel besser als Donald Trump: Beide machen viel zu wenig. Jetzt kommt die Rechnung für die Untätigkeit. 25.000 internationale Besucher werden lernen: Der Gastgeber ist beim Klimaschutz ein schlechtes Beispiel. Ausgerechnet das Land, in dem einst der erste Weltklimagipfel überhaupt stattfand, das sich einer Klimakanzlerin rühmt, und international immer wieder für wichtige Fortschritte gekämpft hat, versagt in der nationalen Politik. Kein Land weltweit verbrennt mehr Braunkohle als Deutschland. Und kein Brennstoff ist schädlicher fürs Klima. Trotzdem traute sich bisher keine Regierung zu, einen Plan für den Kohleausstieg zu schreiben, auch die schwarz-rote nicht. Zu groß war die Angst vor der Energielobby und den Gewerkschaften. Die Folge: Auf der Konferenz in Bonn werden Italien, Frankreich, die Niederlande, Großbritannien und Kanada stolz den künftigen Kohleausstieg verkünden. Deutschland nicht.

Kanzlerin doof, Deutsche doof – nur Frau Pinzler kann uns vor Unfreihandel und übermächtigen Konzernen und deren Lobby retten.

„Lobby, Gewerkschaften, Schädlich, Ausstieg“ – mit dem Rest des Artikels bekommt man jedes beliebige Bullshitbingo für den Parteitag der kommunistischen Partei in Sekundenschnelle voll.

Wie sieht die Realität ausserhalb der „grünen Denkblase“ aus?

Da sich die Erneuerbaren Energien in weiten Teilen ein weiteres Subventionsloch sind muss irgendwo die Energie herkommen mit denen wir unsere feinen Leuchten und Laptops betreiben. Dass dafür in Deutschland ausgerechnet Braunkohle verwendet wird, liegt vorallem daran dass unser kleines Land mit 80 Milliarden Tonnen auf 10% der wirtschaftlich gewinnbaren Welt-Braunkohlereserven sitzt mit dem Energiewert aller bekannten Erdölvorkommen in der Nordsee (Quelle) und daher ist Braunkohle in Deutschland unschlagbar günstig.

Problem dabei ist, dass Braunkohlekraftwerke aufgrund des geringeren Heizwertes (gegenüber Steinkohle, Erdöl und Erdgas) prinzipbedingt mehr CO2 ausstossen und darum hat der Weltklimarat den Einstieg in den Ausstieg aus der Braunkohleverstromung beschlossen. Wir sitzen also auf billiger Energie und „dürfen“ sie nicht nutzen.

Wie machen das nur die „guten“ Länder Italien, Frankreich, Niederlande, Großbritannien und Kanada?

Fangen wir mal mit Kanada an … Gemäss dem Wikipedia-Artikel sitzen die Kanadier auf den zweitgrössten Erdölvorkommen nach Saudi Arabien und haben ausserdem bedeutende und abbauwürdige Vorkommen von Kohle, Uran, Erdgas und Erdölsände. Und so sieht der Energiemix auch aus (Quelle: „Factsheet Kanada: Netzintegration von erneuerbaren Energien“ vom Bundesminsterium für Wirtschaft und Energie): 10% Kohle, 4% Erdöl, 7% Erdgas, 15% Nuklear und 62% Erneuerbare Energien.

Diese 62% werden gerne als Beweis angeführt, dass die Energiewende machbar ist. Nun: bei einer Bevölkerungsdichte von 3,6 Einwohner pro km² (Deutschland: 230 Einwohner pro km²) und viel Natur können die Kanadier im gebirgigen Hinterland eine Menge Stauseen und Windräder für die Stromgewinnung bauen.

Und trotzdem haben es die Kanadier nicht geschafft, die Treibhausemissionen bis 2012 um 6% zu senken (wie auch wenn man bereits an der Grenze des technisch Möglichen gelandet ist) und ist daher 2012 aus dem Kyoto-Protokoll ausgestiegen um Strafzahlungen an die UN zu vermeiden.

Dass Kanada recht einfach aus der Kohleverstromung aussteigen kann ist nun klar: dafür wird die Leistung bei den anderen konventionellen Kraftwerken (Öl, Gas, Atom) hochgedreht und die Kohle exportiert.

Also aufgrund der Rohstoffvorkommen, Populationsdichte und Geographie ist Kanada kein Vorbild für Deutschland.

Frankreich … Frankreichs industrieller Standortnachteil war schon immer die Kohleknappheit. Oder besser gesagt: die französische Kohle taugt nicht viel und ist schwierig abzubauen. Darum ist die Kohleförderung dort über die letzten Jahre fast auf Null heruntergefahren worden, die Kohlekraftwerke überwiegend mit Importkohle betrieben. Und so sieht der französische Strommix aus: 76% Atomkraft, 16% Erneuerbare Energien, 4% Erdgas, 2% Kohle, 1% Öl. Die EE-Quellen sind Stauseen und der übliche unzuverlässige Mix aus Wind und Energie. Da Atomkraftwerke kein CO2 erzeugen, steht Frankreich Klimapolitisch gut da.

Vorbild für Deutschland? Wenn man Atomkraftwerke mag – ja. Lässt sich aber nicht bei der Bevölkerung durchsetzen – also nein.

Niederlande … Das Gasfeld in der Provinz Groningen im Nordosten der Niederlande links von Ostfriesland ist das grösste Gasfeld Europas und das zehntgrösste der Welt. Und in der Nordsee sind weitere Öl- und Gasvorkommen. So sieht der Energiemix der Niederlande dann auch aus: Viel Erdgas, Erdöl, 1 Atomkraftwerk und Windkraft. Die Förderarbeiten in Groningen führen zu Erdbeben, wenn wohlwollende Gutmenschen und Umweltschützer die Förderung verbieten werden die Niederlande vermehrt auf Stromimporte angewiesen sein.

Vorbild? Man könnte von Ostfriesland aus das Gasfeld Groningen anzapfen – aber da werden die Niederlande was dagegen haben. Taugt also auch nix für Deutschland.

Großbritannien … Britannia rule the waves! God shave the queen! Großbritannien kommt erstmals ohne Kohle aus! Die Kohlevorkommen der Briten haben deren industrielle Revolution befeuert – der Steinkohlebergbau dort findet aber weitestgehend unter Tage statt und ist so teuer geworden, dass alle Zechen geschlossen wurden da Importkohle wesentlich billiger ist. Dafür haben die Briten recht grosse Erdgaslagerstätten (vorallem in der Nordsee), entsprechend sieht der Energiemix aus: 26% Gas, 16% Atomkraft, 8% Kohle, 15% Erneuerbare Energien.

Auch hier kein Vorbild: wer keine wirtschaftlich ausbeutbaren Kohlevorkommen hat, dem fällt es leichter auf Kohleverstromung zu verzichten.

Italien… Gaaanz spezieller Fall. Die Italiener sitzen auf recht grossen Erdöl/Erdgasvorkommen in Gebieten die entweder tektonisch, geologisch und vulkanologisch Instabil oder touristisch Vollerschlossen sind (wer möchte beim Baden schon eine Bohrinsel vor der Nase haben). Zitat aus dem verlinkten Artikel: „Bisher haben die Italiener alle neuen Energieprojekte, die optisch wahrnehmbar gewesen wären, zu Fall gebracht. Ängste vor Umweltschäden, an Hysterie grenzend, haben beispielsweise alle vor den Küsten geplanten Anlagen zur Umwandlung von flüssigem in normales Gas verhindert, also die Möglichkeit, den Rohstoff künftig auch per Tankschiff herbeizuschaffen“ Daher ist Italien stark von Importen abhängig – sei es Erdgas aus Lybien, Algerien, Russland oder Strom aus der Schweiz (letztere können mit ihren Staukraftwerken den deutschen Stromüberschuss aus Wind- und Solarkraftwerken speichern und dann teuer an Italien weiterverkaufen). Kohleverstromung ist ist Italien eh kein Thema, da kann man gerne mal den Ausstieg verkünden.

Vorbild? Bloss nicht.

Was bleibt vom Kommentar von Frau Petra Pinzler? Empörungsjournalismus gegen „die da oben“ und sonst nichts.

Die Formel dafür ist recht einfach und wird täglich angewendet: Man hat von einem Thema keine Ahnung, will sich auch nicht einarbeiten und interpretiert eine Pressemitteilung möglichst „Grün“ und „Links“ unter umgehung einfachster Grundsätze von Markt und Physik – das macht einem beim Volk beliebt und schmeichelt das eigene Ego.

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