Japan und die Energiewende

Den Artikel zum Thema „Darum boomen in Japan Dieselautos“ schliesst Spiegel-Autor Tom Grünweg mit dem Absatz:

Dass Japan ausgerechnet jetzt auf den Diesel kommt, wo der Motor überall sonst verteufelt wird, mag für Außenstehende schwer nachvollziehbar sein. Doch wer die japanische Volksseele kennt, der findet dafür durchaus eine Erklärung, sagt der Kulturforscher Edgar Pelaez von der Waseda University Tokio: In der japanischen Überzeugung gäbe es einfach keine schlechte Technik, sondern es ist immer der Mensch, der sie schlecht macht. „Ausgerechnet das einzige Land der Welt, das Opfer von Angriffen mit Atombomben geworden ist, verlässt sich bei seiner Energieversorgung mehr als alle anderen auf Kernkraft.“

Diesen Satz habe ich jetzt mal für mich hinterfragt…

Japan ist eine Insel relativ kleine Insel – wenn ich meinen Onkel Karl-Heinz in Thüringen besuche habe ich die Strecke zurückgelegt wie Japan „breit“ ist. Gut – dafür ist die „Japan-Banane“ recht lang, aber auch ziemlich mit Bergen gesegnet.

Grossartige Vorkommen an Kohle, Uran, Eisen etc. gibt es nicht. Pragmatisch wie die Japaner sind, haben sie sich daher nach dem 2ten Weltkrieg darauf konzentriert das zu machen was sie wirklich können: mit wenig Ressourcen das Beste zu erreichen.

Daher kommt auch, dass Atomkraft in Japan eine so grosse Rolle spielt: Das Land muss jedes Quantum Energie importieren – egal ob das nun Öl, Gas oder Atom-Brennstäbe ist. Und da die Energiedichte eines Brennstabes weitaus höher ist als das gleiche Volumen von von Öl oder Gas wird Japan um die bösen AKWs für die absehbare Zukunft nicht herumkommen.

Gut – nun kann man im Hinblick auf Fukushima sagen „Aber Öl und Gas wären sicherer“. Leider falsche Denke: Japan wird permanent von Erdbeben durchgeschüttelt. Ein AKW Erdbebensicher zu machen ist ein kalkulierbarer Aufwand (die Katastrophe von Fukushima geschah weil niemand an einen solchen Tsunami gedacht hatte), mehrere tausend Kilometer Gas- oder Erdölpipeline als Erdbebensicher zu machen ist selbst für die Japanischen Ingenieure sehr schwierig.

Das wäre geklärt und nun: wer ist dieser komische Wissenschaftler „Edgar Pelaez von der Waseda University Tokio“ mit dem sich der Autor schmückt?

Nun ich habe ihn hier gefunden… „Edgar Santiago Peláez Mazairegos“ hat mit Technik nix zu tun, auch nichts mit Diesel-Autos und die Schlussfolgerung des Spiegel-Autors ist auch nicht wirklich schlüssig.

Im Rahmen der Recherche zu diesem Artikel bin ich übrigens auf folgendes „Juwel“ gestossen:

Da schreibt Herr Clemens Weiß als Redakteur von „energiezukunft.eu“ – einem der zahlreichen Portale wo ohne grundlegendes Verständnis von U=I*R über die Energiewende fabuliert wird – in einem Artikel über Japan folgendes:

Die Erwartungen lasten dann auf kleineren Biomasse-Anlagen und der Windkraft, deren Kapazität bis 2020 auf 10 Gigawatt anwachsen soll. Bislang spielen neben der Wasserkraft und Solarenergie die anderen regenerativen Erzeugungsarten kaum eine Rolle. Dabei ist Japan mit seiner Insellage und stabilen Windbedingungen an der Küste wie gemacht nicht nur für Windkraftanlagen sondern auch für Geothermie-Kraftwerke.

Fangen wir hinten an: Geothermie. Einfach paar tiefe Löcher in die Erde, Kaltwasser rein und Dampf raus. In Japan ist nichts einfach, das nächste kleinere Erdbeben verformt die Tiefbohrung und dann muss man neu anfangen. Japan hat auch paar geologische Besonderheiten wie zB. dass die Geothermiekraftwere jede Menge Feingestein und agressiven Schwefel verkraften müssen. Dass es die Japner können beweisen deren Exporte von Geothermieanlagen und die bereits betriebenen Anlagen – die leider nicht sonderlich wirtschaftlich sind.

Windkraft: Ich habe mal bisserl in den Archiven nachgeschaut, tatsächlich wäre die Westküste von Japan in Höhe der Stadt Niigata oder Akita optimal. In 100m Höhe sind tatsächlich die vom Autor beschriebenen „stabilen Windbedingungen“ vorhanden.

Man muss nur ganz viele 100m hohe Windkraftanlagen in ein Gebiet stellen wo der Boden paar mal im Jahr durchgeschüttelt wird.

Biomasse: Ich habe keine belastbare Statistik darüber gefunden, dass Japan im grossen Masstab einen Überschuss an „Biomasse“ wie Mais, Reis, Getreide etc. hat und es sich leisten kann, „Esswaren“ für Mensch und Vieh mit einem verdammt niedrigen Gesamtwirkungsgrad zu verheizen.

Deutschland braucht keinen „Ruck“ sondern einfach nur viel mehr Journalisten die ihren Hirnkasten anstrengen.

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