Fachhandel, Handwerk und ihre verschissene Branchensoftware

Ich entwerfe und programmiere seit fast 30 Jahren Software für Kaufleute.

Also Finanzbuchhaltung, Lohn & Gehalt, Auftragsbearbeitung, Warenwirtschaft, Anlagenbuchhaltung.

Meine erste Faktura von 1990 war recht „einfach“ und trotzdem fest an die GoB-Regeln gebunden. Dh. man konnte bis zu dem Moment, wo die Rechnung gedruckt wurde Vorgänge zusammenfassen, splitten, ändern, löschen, zurückstellen….

Ganz anders scheint es bei aktueller Software für den „Fachhandel“ bzw. „Handwerk“ zu sein.

Ich habe zB. unsere beiden Firmenfahrräder zur Inspektion gebracht.

In „meiner“ Software hätte man den Kunden gesucht und dann die betroffenen Fahrräder aus dem Datenbestand ausgewählt. Dann genau 1 Auftrag erzeugt, der beide Räder enthält – aber für jedes Rad einen Inspektionsauftrag erzeugt. Am Ende kommen 2 Prüfberichte, 1 Lieferschein und 1 Rechnung heraus.

Die „Fachhandelssoftware“ sieht das recht lässig: jedes Fahrrad ist ein Vorgang, ein Prüfbericht, ein Lieferschein, eine Rechnung und an mir hängt dann der Aufwand zu dokumentieren, warum da gerade 2x fast identische Rechnungen über 60 EUR in die Buchhaltung gehen (die unterscheiden sich nämlich nur darin dass die Fahrräder unterschiedliche Modelle sind).

„Handwerkersoftware“ scheint da noch extremer beschränkt zu sein was die Eingriffsmöglichkeiten betrifft. Ich habe fürs Büro Möbel, Fenster und Tür als Ablösung des defekten und nicht mehr zeitgemässen Bestands bestellt. Die Möbel sind dank neuer GwG-Grenze und einem kleinen IAB in 2017 schnell abgeschrieben, Fenster und Tür sind „Reparatur BGA“ und damit auch direkt in die Kosten zu nehmen.

Das ist einfach total Irre, was ich da erlebt habe. Angebot wird zum fixen Auftrag, der fixe Auftrag zu fixen Rechnung – teilweise ohne die Möglichkeit dazwischen Grossartig was zu ändern.

Oder es ist ein ernsthaftes Problem des handwerklichen Bedieners, der die steuerlichen Anforderungen eines gewerblichen Kunden nicht versteht. Was er aber eigentlich müsste da er ja auch Gewerbetreibender ist.

Ist mir mittlerweile egal – ich sage den Handwerkern wie die Rechnung auszusehen hat (also die durchgeführten Arbeiten so darzustellen, dass sie in meiner GmbH korrekt verbucht werden können) und wenn das nicht klappt, wird der Auftrag storniert oder nicht bezahlt – ich bin es mittlerweile sowas von satt dass ich als Kaufmann anderen Kaufleuten ständig eine Einführung ins Steuerrecht leisten muss.

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