Die Kunst der Fuge, jetzt erst richtig!

Das mit den Fugen hatten wir schonmal, aber da konnten die Ausbesserungsarbeiten wenigstens noch im Stehen durchgeführt werden.

Nachdem Freitag die Maler das Haus verlassen haben hat Karin erstmal Grossputz gemacht. Also alle Abdeckungen von den Dosen im Tehalit Kabelkanal runter um festzustellen, dass die (ehemals weissen) Steckdoseneinsätze nicht einfach abziehbar sind (oder ich habe den Trick dazu nicht herausgefunden).

Putzen ist schlimm, noch schlimmer ist alte Silikonfugen herauskratzen und neu legen.

Das war hier an 2 Stellen notwendig weil sich an Rändern der Untergrund (Isolierung, Fussbodenheizung, Estrich) über 10 Jahre verdichtet und nachgibt wenn schwere Schränke draufstehen.

Grösstes Problem beim Auftrag von Silikon oder Acryl: gleichmässiger Druck auf die Kartusche. Das ist mit üblichen Handgeräten mit etwas Übung problemlos zu machen, leider fehlt mir die Übung. Aber dafür gibt es die Fa. Ryobi die passend zu deren Akkus auch eine elektrisch regelbare Kartuschenpumpe zu einem fairen Preis anbietet.

Im Baumarkt dann in der Fliesenabteilung nach passendem Silikon gesucht. Die Qualitätsunterschiede zwischen 5 EUR und 17 EUR per Kartusche erschliessen sich dem Laien nicht – vermutlich ist es dem Profi egal weil der als Routinier mit jeder Pampe zurechtkommt. Also habe ich den Mittelwert (17-5)/2 ermittelt und nach Silikon im Preisbereich 6-7 EUR gesucht.

Davon gab es gleich eine ganze Regalreihe. Kartuschen für Marmor, Granit, Fliesen; Weiss, Grau, Fliesengrau, Basaltgrau, Buche (hä?), Hellgrau, Dunkelgrau. Ich habe Basaltgrau gewählt, die Kartusche meiner Frau vorgeführt meinte auch „passt schon“.

Bewaffnet mit überteuerten Zusatzequipment wie „Profi Silikonfugenkratzer“ bin ich abmarschiert.

Nun – nach den Jahren ohne Silikon habe ich paar Weisheiten vergessen: Wenn Du denkst, du schiebst genau die richtig Menge an Silkon in die Fuge, dann ist es 3x zu viel. Und wenn es nach viel zu wenig aussieht, ist es auch wirklich zu wenig. Ausser man denkt, es ist eigentlich zu wenig, dann ist es schon wieder zuviel.

Ich habe erstmal die alte Fuge entfernt und dann mutig „Hausmarke Bauhaus Basalt-Grau“ verarbeitet. Die Arbeit ging erstaunlich locker von der Hand… An manchen Stellen ist das Silikon in einem schwarzen Loch verschwunden, an anderen Stellen wollte es nicht haften und ausserdem war das alte Fugensilikon irgendwie viel heller.

Mein Werk sah danach recht Kunstvoll aus, sofern man der Kunst eines sich im Schlamm suhlenden Ferkels eine gewisse Schöpfungshöhe anerkennen kann/will/soll. Das beste Eheweib von allen ersparte sich jeglichen Kommentar ausser einem vorsichtigen „Farbe stimmt nicht ganz“. Planänderung: Den Kram einen Tag abbinden lassen und dann nochmal neu.

Frohgemut mit dem „Profi Silikonfugenkratzer“ angefangen und dann ganz schnell auf den alten Glaskeramikschaber gewechselt. Neue Erkenntnis: je schärfer die Klinge, desto besser das Ergebnis. Also jetzt ein mehr strategischer Besuch im lokalen Hagebaumarkt und mit einem 20er Pack Glasschaberklingen, Skilionentferner und „wow, Sonderangebot!“ zurückgekommen – natürlich mit 2 Kartuschen „weniger als Basalt-Grau“, diesmal war es „Fugengrau“.

Bewaffnet mit einer Mülltüte, 3 frisch beladenen Glasschabern, Küchenrolle und Knieschonern meinen gestrigen Pfusch wieder abgemacht. Die Aktion hatte wenigstens ein Gutes: Die schwarzen Löcher, in die man Unmengen Silikon versenken kann, waren nun Dicht und der seltsame Luftzug auch verschwunden. Nach grosszügigem Gebrauch von Silikonentferner waren die 5m Fuge fast im Orginalzustand (ausser den Schwarzen Löchern natürlich).

Mit Leichtbenzin und Toulul den Silikonentferner entfernt, fertig ist der Arbeitsplatz für einen neuen Anlauf. Wer das schonmal gemacht hat: Knochenarbeit mit viel Leerlauf weil die Lösemittel erstmal alle wirken bzw verdampfen müssen. Zum Glück war es draussen warm und ich konnte durch geöffnete Fenster den gefürchteten „Schnüffelflash“ vermeiden.

Diesmal habe ich die Fuge mit breitem Kreppband abgeklebt, eher genügsam Silikon aus der Tube gedrückt und mit einem Rakel alles abgezogen. Irgendwann (das hätte 2 Tage vorher passieren sollen) setzt die Erinnerung wieder ein und man fängt an automatisch alles wieder halbwegs richtig zu machen.

Nachdem ich die „Übungsmeter“ hinter mir hatte (die Stellen, die eh hinter den neuen Schränken verschwinden), waren noch paar Nachbesserungen dran, nämlich die Stellen die der damalige Silikonierer wegen „zu kompliziert, nicht machbar“ freigelassen hat. Interessanterweise eher kein Problem: Abkleben, Silikon drauf und dann nochmal mit einer scharfen Kante die Pampe so zusammenschieben dass die Toleranzen unter 1mm kommen.

„Fugengrau“ war übrigens auch nicht die passende Farbe, ich vermute mal dass für uns ein einfaches „Grau“ ausreichend ist.

Die übrig gebliebene Kartusche retourniere ich und kaufe dafür nochmal weisses Acryl – es gibt hier einige Stellen wo der „Acrylisator mit der Motorpumpe“ nochmal zuschlagen kann 🙂

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