Test Caterpillar Cat S61 Smartphone: Bedingt Einsatzbereit

Zusammenfassung / Summary:

  • Fabrikfehler beim Zuschnitt und Aufkleben des Gorilla Glass, das darf bei einem 1000 EUR Gerät nicht passieren.
  • Verdammt beschissenes Design der MicroSD und SIM-Slots, da hat niemand darüber nachgedacht das Gerät mal zu benutzen.
  • Keine QI Lademöglichkeit, wurde vermutlich aus Platzmangel oder wegen IP 68 gestrichen – wäre aber bei IP 68 enorm wichtig
  • Kaputte Software (Lasermessung) im Auslieferstand, da hat die QA versagt.
  • Ladehandling insgesamt nicht wirklich tauglich.
  • Hohe Wärmeentwicklung bei wenig Aufgaben.

  • Caterpillar fertigt nicht nur Baumaschinen, sondern gibt seinen guten Namen auch für Mobiltelefone und Schuhe her.

    Das neue Cat S61 verspricht Wunder: IP68 Schutz (Staubdicht, Schutz gegen dauerndes Untertauchen), FLIR Lepton Infrarotkamera der neuesten Generation, hochauflösende Kamera mit optischem Zoom, Laser-Entfernungsmesser mit Software zum Ausrechnen von Flächen und Volumen, VOC-Raumluftqualitätsmessung und Feuchtigkeitssensor und vor allem Bruchsicher (übersteht wiederholte Falltests auf Beton aus 1,8 m Höhe), flotter Qualcomm Snapdragon 630 Octa-Core Prozessor für ordentlich Rechenpower und aktuelles Android 8.0 Oreo.

    „Baustellenhandy für Ingenieure“ – her damit!

    Gestern kam es noch vor dem offiziellen Verkaufsstart an. In der Verpackung: Telefon, USB-Netzteil, USB 3.1 Typ C (wahnsinnig geläufig) Kabel, Zettel „Quickstart“.

    Super Haptik, richtig schweres Teil.

    Nanu, was ist da auf dem Display? Das fast unzerstörbare „Gorilla-Glas“ ist an einer Stelle nicht korrekt geklebt, auf der anderen Seite des Displays hat es einen Einschluss und die Fingernagelprobe zeugt, dass es unten nicht bündig mit dem Rahmen abschliesst sodass sich dort alsbald die Krümel festsetzen und den Touchscreen zerlegen werden.


    Sofort den Support des Verkäufers in Hirschau informiert und weitergemacht.

    Erster Schock beim Einsetzen des Telefon- sowie Speicherchips: die Kammer für die 2 Karten lässt sich zwar leicht öffnen (man geht mit einer Büroklammer oder 1ct Münze in die Kerbe, öffnet den Tray und zieht ihn heraus), jetzt hat irgendein irrer Ingenieurspraktikant folgende Konstruktion erdacht:

    – die Nano-SIM liegt locker in einem kleinen Körbchen welches an der herausziehbaren Abdeckung befestigt ist. Eine falsche Handbewegung und die SIM fällt heraus. Könnte man vorsichtig mit ganz UHU befestigen, aber hier wurden die Toleranzen schon so ausgereizt dass ich meine Nano-SIM nochmal paar Micrometer flacher machen musste damit sie überhaupt reinpasste.

    – Die Speicherkarte (Micro-SD) hingegen, welche vermutlich öfters mal ausgebaut werden muss (Datentransfer mit Geräten die kein MTP oä sprechen) steckt nicht im üblichen Federslot (drücken und die Karte springt raus) sondern in einem eigenen Caddy welcher so festsitzt, dass ich ihn nur mit einer stabilen Laborpinzette herauszupfen konnte (stelle ich mir gerade witzig auf der Baustelle vor).

    Wäre es umgekehrt (SIM quasi fest verbaut, SD-Karte kommt beim Öffnen des Trays mit heraus) könnte ich es verstehen – so ist es einfach nur völliger Quatsch.

    Ok… Starten, Google-Konto eingeben, schönes Vibrationsfeedback beim Tastendruck – erinnert irgendwie an das sanfte Wummern eines Caterpillar-Baggers – gut gemacht!

    3 Updates und Neustarts später die ersten Tests. Die Kompass- und Beschleunigungssensoren sind sehr gut, an der Infrarotkamera kann man nichts falsch machen da FLIR seine eigene Softwaresuite mitliefert. Kurzer Abgleich mit meiner „alten“ Infrarotkamera, die Messungen sind in Ordnung.

    Applikation für die Lasermessung gestartet, der Bildschirm flackert und nichts passiert. Eigentlich sollte da jetzt ein Kalibrierungsbildschirm kommen. Nach 5min kurz den Aus/Einschalter getippt, Telefon läuft noch. Neu gestartet, Lasermessung neu angeworfen – gleicher Effekt. Ok, Problem was bestimmt in 2 Wochen (oder 2 Monaten oder nie) durch ein Softwareupdate gelöst wird. Eigentlich soll mir das Gerät für knapp 1000 EUR eine Hilfe und kein Ballast sein.

    Praxistest Nr. 1: Ich trage das Gerät eine Weile in der Hemdtasche umher. Ungewohnt schwer, aber man weiss immer dass es noch da ist. Nach 15min ist meine Hemdtasche sauber und alle Flusen hängen am Smartphone – das Display ist ein Staubmagnet.

    Praxistest Nr. 2:Ich möchte das Gerät vollständig aufladen, das Gerät verweigert mit dem mitgelieferten Kabel eine Schnelladung selbst am 4 Ampère Netzteil, vermutlich habe ich mal wieder irgendeine neue Entwicklung verpasst und müsste neue „USB-Trafos“ kaufen.

    Praxistest Nr. 3: Nutzung im Alltag. Bis auf paar Apps ist das Gerät noch nackt, dh. keine Synchronisation mit meiner Cloud und Mailserver. Nur 2x30min Fahrt zum Kunden und zurück, wärend der Fahrt Routing mit Waze und vorort bisserl Surfen mit dem Firefox über WLAN. Meine KfZ-Smartphonehalterung kann Geräte bis zu Backsteingrösse aufnehmen, brach aber beim S61 schon beim Losfahren auseinander. Ich habe das Gerät dann in die Smartphone-Schale auf der Mittelkonsole gelegt wo sich das Display nicht entscheiden konnte ob es nun „Portrait“ oder „Landscape“ anzeigen sollte. Am Ziel angekommen war das Smartphone nur durch Nutzung der Navigations-App schon recht warm geworden. Beim Kunden noch bisserl mit Firefox, Chrome und der Infrarotkamera herumgespielt und wieder mit Waze-Navi nachhause.

    Ladezustand war noch OK (irgendwas mit 95%), aber viel gearbeitet mit dem Gerät habe ich nicht. Ein echter Baustellentest mit Nutzung des Laserentfernungsmessgerätes war aufgrund des oben genannten Fehlers nicht möglich.

    Jetzt habe ich mal paar Überlegungen angestellt: Ein Gerät, was quasi 24/7 im Einsatz ist muss auch 24/7 ladbar sein. Mein Samsung S7 steckt zb. wärend der Fahrt in einer aktiven Ladehalterung von Brodit (Laden über die untere USB-Buchse) wo ich es für die Navigation im Blick habe. Alternativ kann ich fürs S7 auch eine QI-Ladestation nehmen, entsprechende KfZ-Halterungen gibt es für kleines Geld.

    Intelligenterweise ist ausgerechnet das wasserdichte IP68-Gerät Cat S61 nicht drahtlos ladefähig, das geht nur über die USB Buchse am Boden. Damit sich die Buchse nicht mit Dreck vollsetzt (und dafür sind die kleinen USB 3.x Buchsen berüchtigt) ist ein Gummideckel davor. Bei nicht-geschützten Geräten kann man die USB-Buchsen mit einem Staubsauger reinigen (da kommt Luft von hinten durch), bei dieser Buchse hilft nur noch Lupe, Pinzette und trockene Pressluft.

    Was bedeutet: Laden im Auto in einer Halterung der Sorte „Telefon rein, alles gut“ ist mit dem S61 nicht möglich, man wird auf Frickellösungen ausweichen müssen wo manuell das USB-Kabel (was übrigens recht locker sitzt) eingesteckt werden muss. Geht nur mit Halterungen, die unten in der Mitte genügend Freiraum haben. Ob dann die Gummiabdeckung ein mehrmals tägliches „auf/zu“ überlebt ist zweifelhaft.

    In dieser Kombination ist es natürlich besonders schmerzhaft, dass man den Akku nicht selber tauschen kann sondern dafür das Gerät einschicken muss. 2 Tage hin, 5 Tage Reparatur, 2 Tage zurück – 2 Wochenende und den GLS-Fahrer verpasst sind 12 Tage.

    Meiner internen Statistik zufolge halte ich Smartphones 4 Jahre und tausche nach 2 Jahren die Akkus aus – das wird auch beim S61 vermutlich früher sein da es meine Infrarotkamera, meinen Laserentfernungsmesser und mein Infrarotthermometer ersetzt die mehrmals pro Woche benötigt werden – auch moderne Lithium-Akkus vertragen nur eine begrenze (recht hohe) Anzahl von Ladezyklen.

    Ich habe das Gerät jetzt erstmal reklamiert und zurückgesendet. Durch die lahme Bearbeitung beim Lieferanten haben sich die Ersatzlieferung und mein Wunsch nach Storno überschnitten – jetzt bin ich gespannt, was dabei herauskommt.

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