Dieselskandal: Much Ado About Nothing

Aus Wikipedia: Viel Lärm um nichts (engl. Much Ado About Nothing) ist eine Komödie um […] Intrigen von William Shakespeare; […] Besonders hervorstechend ist das Spiel mit dem Sein und dem Schein, worauf schon das Wortspiel im Titel hinweist – nothing und noting („nichts“ und „wahrnehmen, erkennen“).

Was ist das Problem und warum ist der Skandal kein Skandal sondern auch nur eines der vielen Probleme die einem permanent an den Hacken hängen…

Unsere Luft besteht zu 78% aus Stickstoff. Ein Verbrennungsmotor braucht Sauerstoff welcher zu 21% in unserer Luft enthalten wird.

Saugt nun so ein Verbrennungsmotor Luft an, bekommt er Stickstoff sozusagen als unerwünschten Nebenstoff mit in den Zylinder und wenn die Temperaturen hoch genug sind, wird auch Stickstoff „verbrannt“ (also Oxydiert) und es entsteht Stickstoffmonooxyd (NO) sowie Stickstoffdioxyd (NO2) – beides Gase, welche die Atmungsorgane reizen und schädigen.

Je höher die Verbrennungstemperaturen sind, umso effektiver arbeitet so ein Motor und um so mehr werden Stickoxyde erzeugt. Da ein Benziner bei niedrigeren Temperaturen und Drücken arbeitet als ein Diesel, ist der Benziner aus der Sicht des NOx Ausstoss „sauberer“ als ein Diesel.

Merksatz für alle, die an der Diskussion teilnehmen wollen: Jeder Prozess bei dem Luft und hohe Temperaturen zusammenkommen erzeugt Stickoxyde, je höher die Temperatur desto mehr Stickoxyde. Dazu gehört also auch die Kerzenflamme, der heimelige Kamin, die Zentralheizung, das gemütliche Lagerfeuer, Gewitter auch, ein kräftiger Vulkanausbruch oder Waldbrand erzeugen unvorstellbare Mengen an Stickoxyden – gerade der Mensch hat sich durch seine sehr lange Nutzung des Feuers recht gut immunisiert.

Jetzt haben wir aber ein Problem: Stickoxyde bringen keinen um, es wird kaum einen Totenschein geben wo NOX als Todesursache drinsteht. Aber es schädigt langfristig und wer krank, schwach, alt ist dem raubt eine hohe NOX-Konzentration wertvolle…

Ja was nun? Lebensjahre eher nicht, Lebensmonate vielleicht, wie kann man die Auswirkungen messtechnisch und statistisch erfassen, wie legt man Grenzwerte fest („Alle Ding‘ sind Gift und nichts ohn‘ Gift; allein die Dosis macht, das ein Ding‘ kein Gift ist.“ hat schon der olle Paracelsus irgendwann zwischen 1493 und 1541 gesagt).

Und jetzt beginnt das Spiel der Mathematiker und Statistiker, Wahrscheinlichkeiten, Umrechnungs- und Glättungsfaktoren welche Messwerte manchmal mit Berücksichtung der Herkunft (meisstens ohne) gewichtet, ungewichtet, verglichen und angepasst und am Ende kommt eine Zahl heraus die als Faktor einer (wie auch immer ermittelten) NOX-Konzentration oder NOX-Ausstoss aus einem Auspuff beigestellt werden kann.

Klar basieren die einzelnen Rechnenschritte auf fundierten Daten, wie sie aber in ihrer Gesamtheit gewichtet und kalkuliert werden liegt immer im Auge des Statistikers und bilden ein nur sehr wackeliges Fundament aus Annahmen und Erwartungshaltungen (vulgo: Ein Öko-Institut interpretiert das anders als die Rechenschieber bei VW – erinnert mich an „Asterix – der Seher„)

Was macht nun die Presse daraus? Natürlich das Beste…. Clickbaiting!.

Ich habe durch Zufall einen seriösen Artikel in einer seriösen Zeitung gefunden der vollmundig Tote verspricht, die Verlinkung auf die Fachartikel das ganze als heisse Luft entlarvt.

10.400. So viele Menschen in Deutschland starben laut Europäischer Umweltagentur im Jahr 2012 wegen Stickstoffdioxid.Quelle

Das ganze wird mit einem Link auf einen Report der Europäischen Umweltagentur garniert welche tatsächlich eine EU-Agentur ist.

Da liest sich das schon wieder anders: „Vorzeitige Todesfälle durch Luftverschmutzung Todesfälle, die 2012 in 40 europäischen Ländern und den EU-28 auf die Aussetzung gegenüber Feinstaub (PM2,5), Ozon (O3) und Stickstoffdioxid (NO2) zurückzuführen sind.“ und dort findet man auch die 10.400 Toten neben den 59.550 Vorzeitigen Feinstaub-Toten.

Die Basis dieser (eher als Pressemitteilung zu wertenden Publikation) wird auch verlinkt: Es ist der „EEA Report No 5/2015“ und da bekommt man die gesamte Wucht der „Vorzeitigen Todesfälle-Quellen“ recht übersichtlich präsentiert – wenn man was mit Mathematik und Statistik zu tun hat.

Die Zahl „10.400“ findet sich nicht in dem Report, die ergibt sich erst durch eine entsprechende Umrechnung Werte der Zeile „Deutschland“ auf Seite 43 und bei den dort aufgeführten Zahlen habe ich den Eindruck, dass die um +/- 1000% von der Realität abweichen können.

Gut – nun haben wir geklärt, dass die Toten „nur“ statistische, vorzeitige Todesfälle sind und keiner nichts exaktes weiss ausser dass der Sensemann Feinstaub bevorzugt.

Zurück zum Diesel….

Da gibt es eine viel zitierte Grafik des Umweltbundesamt wo der Anteil des Diesels an den NOX-Emissionen mit 72,5% beziffert wird – der Leser übersieht dabei, dass es nur um den Strassenverkehr geht. Und da fast der gesamte Schwerlastverkehr mit Dieselmotoren bewegt wird, ist das auch verständlich. Ralf Heidenreich hat dazu in der Mainzer Allgemeine Zeitung einen sehr klärenden Artikel verfasst (Archiversion)

Zurück zum Dieselskandal….

Manfred Schmidt hat in seinen Nick Knatterton Comics oft auf die „Politiker-Brille“ verwiesen, durch die der Träger seine Umwelt nur äusserst verschwommen und nicht mehr real erkennt – es hat sich seit 1950 nichts geändert.

Die Politik hat Wünsche an die Technik, diese Wünsche werden von Lobbyisten (die letztendlich auch Sachverständige sind um den geistig-armen Juristen – aus denen unser Politikbetrieb weitestgehend besteht – die faktische Realität des Machbaren zu vermitteln) angepasst und zum Schluss kommt irgendein Kompromiss mit planbarer Gestaltungsmöglichkeit heraus.

Also die seit vielen Jahren üblichen Prüf- und Messverfahren, mit denen ein KfZ innerhalb klar vorgegebener Parameter bestimmte Grenzwerte einhalten muss – was das Auto dann ausserhalb des Messzyklus macht ist mehr oder weniger egal.

In etwa so, dass man mich durch einen lockeren 50m Lauf durch den schattigen Wald bei 20°C und 15% rel. Luftfeuchte schickt und wenn ich unter 30min bleibe bin ich automatisch für den Marathonlauf qualifiziert.

Nun hat man irgendwo beschlossen, dass der NOX-Ausstoss des Diesels noch geringer werden soll. Technisch einfach möglich durch „Selektive katalytische Reduktion“ oder einfach gesagt AdBlue reinkippen.

Obwohl „AdBlue“ billig ist und schon aufgrund der zahlreichen LKWs an jeder Tanke erhältlich ist, zierte man sich bei den Herstellern weil man dem gemeinen DAU-Autofahrer nicht noch zumuten wollte, alle paar 5-10tausend Fahrkilometer einen Zusatzstoff einzufüllen. Hätte man ja wärend der Inspektion durch die Werkstatt machen können, aber mittlerweile gibt es ja noch nicht mal mehr die Erstinspektion bei 1.000km.

Was macht man also als Hersteller? Man beugt devot das Knie und passt sich den Gegebenheiten bei Hofe (sprich den Vorgaben) an: totale Optimierung der Motorsteuerungselektronik auf Erkennung eines Prüfverfahrens und entsprechende Optimierung auf Abgasmesswerte.

Ich hätte gerne ein paar Links zu vorherigen „Optimierungen der Autohersteller auf Prüfzyklen“-Aufregungen gebracht die alle 10 Jahre (nämlich seit es Computer in der Motorsteuerung gibt) als neue Sau durch die Presse getrieben wurden, aber die alten Schandtaten werden vom aktuellen Geschehen in den Suchmaschinen überdeckt (wobei ich langsam vermute, dass die vorletzten 2 „Abgas und Verbrauchsoptimierungen“ in einer Zeit waren wo solche „Skandale“ noch in grossen Lettern mit Blei und Druckerschwärze publiziert werden mussten).

Der Skandal? Kein Skandal!

Zuerst hat es mich irritiert, dass sich die deutsche Presse wie ein Geier beim Anblick auf Aas auf den VW-Konzern gestürzt hat. Gut – da hat man es in den USA zuerst gemerkt. Aber jedem Autojournalisten hätte eigentlich klar sein müssen und auch klar kommunizieren müssen dass solche „Schummelsoftware“ in der Motorelektronik steckt, diese Motorelektronik normalerweise von Bosch kommt und daher erstmal alle Bosch-Kunden verdächtig sind.

Aber nein – die Presse hat mit teilweise völlig hanebüchenen „Fakten“ (also 1+1=3, ähnlich wie die „Vorzeitigen Toten“) Berichte gegen die BRD-Cash-Cow „VW Konzern“ geschrieben als wäre es ihre letzte Aufgabe in diesem Leben, Volkswagen besser sofort als später zu schliessen (was ja in manchen User-Kommentaren zu marktschreierischen Artikeln oft genug gefordert wurde).

Dass Bosch seine „Schummelsoftware“ zuschaltbar an alle Kunden ausgeliefert hat war mir schon immer klar, Abweichungen zwischen Prüfzyklus und Realität wurden immer mal wieder bei anderen Herstellern festgestellt aber nie wurde auf „Die“ so eingeprügelt wie auf VW.

Nuja – mittlerweile hat es (nach über einem Jahr) auch Bosch und Opel erwischt.

Alber(t)n…

Linkbeispiele wo das Thema etwas „seriöser“ aufgegriffen wurde:
Dieselgate 2: Die erfundenen Toten
Sterben wirklich 12.000 Menschen im Jahr an Diesel-Abgasen?

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