Wohnung frei!

Grundsätzlich unterscheidet sich die Suche nach einer Wohnung kaum von der Suche nach einem Arbeitsplatz – erst wühlt man alle Anbieter durch und wenn da einer in Frage kommt, bewirbt man sich und freut sich über die Einladung zu einem persönlichen Kennenlernen.

Vor paar Wochen geschah etwas Seltsames: unser Mieter Alex (genannt „Das Phantom“ weil er nie die Rolläden hoch machte und auch sonst kaum zusehen war) stand vor der Tür – das tut er nie.

„Ja, also ich ziehe jetzt doch mit meiner Freundin zusammen und zwar bei ihr in Offenbach“.

Natürlich wollen wir dem jungen Glück nichts entgegensetzen, wir vereinbarten freien Zugang zu seiner Wohnung damit wir potentielle Nachmietern das Objekt zeigen können. Denn je früher ein Nachmieter gefunden wird, umso früher kommt er aus dem Vertrag raus. So ganz komplikationslos lief das dann nicht ab, Männer haben halt nicht so recht Zugang zum putzen (es sei denn es ist das eigene Auto) und die Wohnung war später als gedacht halbwegs vorführbereit.

Erster Vermietversuch: selber suchen
Die Marktleiterin eines Geschäfts in Hanau suchte für sich und Hund eine Wohnung. Nette Dame undefinierbaren Alters deren Hund sich sofort in unseren Garten verliebte. Sie war geschieden, hatte einen Freund mit dem sie aber nicht zusammenziehen möchte. Die Chemie stimmte, Vertragsunterzeichnung nächste Woche. Samstags war ich in „ihrem“ Markt und hatte noch eine Rückfrage – da beichtete sie fast unter Tränen „Da wo sie wohnt hat die Mutter ein Kätzchen verstossen und das zieht sie jetzt groß und achwiesüssniemalstrenneichmichdavon. Gut… Meine Frau gefragt, die sagte „wer Hund sagt muss auch Katze sagen – Kastriert und Versicherung eingeschlossen“. Ok, Ergebnis mitgeteilt und 2 Tage später kam eine E-Mail dass Angst hat dass die Katze später einen Gartenvogel frisst und sie daher mit Hund & Katzenbaby bei ihrem Freund einzieht. Scheint nicht geklappt zu haben, denn der Aushang in ihrem Markt ist schon wieder da.

Also erstmal einen Grundriss gezeichnet, ordentliches Exposee geschrieben und an die üblichen Verdächtigen geschickt (meine Bank bzw. mir dort bekannte Mitarbeiter, dem befreundeten Getränkefachmarkt, einer Freundin die Hinz- und Kunz kennt). Es gab auch sofort Feedback: „Ja wenn ich das vor 4 Wochen gewusst hätte, jetzt habe ich woanders unterschrieben“.

Also mal bei eBay-Kleinanzeigen reingestellt. 30 Sekunden Online, 3 Anfragen. Anzeige wieder rausgenommen.

Zweiter Vermietversuch: eBay Kleinanzeigen
Erster Bewerber
„Ist die Wohnung noch frei?“
„Ja“
Sofort kam Antwort: „Kann ich sie besichtigen?“
Und zurück: „Ja, Sonntag 14 Uhr?“
Funkstille….

Zweiter Bewerber
„Ist die Wohnung noch frei?“
„Ja, Besichtung Sonntag 15 Uhr OK?“
„Aber gerne!“
Mal auf Verdacht die angegebene Telefonnummer in die Suchmaschine eingeworfen. Ganz viele Treffer „Familie mit Kleinkund sucht Wohnung“. Sofort die Notbremse gezogen weil die Nebenkostenpauschale auf 1 Person ausgelegt ist, bei Familie mit Kind brauche ich einen zweiten Satz Mülltonnen (Plastik und Papier), der Wasserverbrauch ist höher usw… Ich musste leider zurückrudern – das Gejammere „Haben Sie kein Herz“ habe ich Bußfertig über mich ergehen lassen.

Dritter Bewerber
„Ist die Wohnung noch frei?“
„Ja, Besichtung Sonntag 16 Uhr OK?“
„Fotos?“
„Wieso Fotos? Grundriss ist da, die Wände sind weiss und gerade, Fenster klar und sauber. Fliesenfarbe ist beschrieben.“
„Ohne Fotos wird das nichts. Wenn Sie welche haben können wir ins Gespräch kommen“
Er hätte mir ja nur einen Grund nennen müssen warum er erst Fotos braucht. Zb. Bänker der von London nach Frankfurt umziehen muss. Aber so dachte ich mir nur „der riecht 10km gegen den Wind nach Ärger, lass mal gut sein“

Dritter Vermietversuch: wieder selber suchen
Meine Frau übernahm es, alle möglichen Anzeigenportale nach Wohnungsgesuchen abzugrasen. Sie fand auf eBay das recht dringende Wohnungsgesuch einer jungen Referendarin.
„Hallo, wir haben eine Wohnung die auf ihre Suche passt“
(24 Stunden später) „Oh Prima!“
„Wann würden Sie zur Besichtigung vorbeikommen?“
(20 Stunden später) „Wann passt es Ihnen?“
„Jederzeit, ideal wäre 16-19 Uhr auch am WE“
(30 Stunden später) „Dann komme ich (heute +1 Tag) vorbei“.
Oh Gott was für eine Schlafmütze – die kann an ihrem Smartphone vermutlich auch nur Whatsappen. Die sehr junge Frau machte beim Vorstellungsgespräch einen guten Eindruck, sagte dann aber ohne Angabe von Gründen ab – vermutlich weil die Bude doch recht gross ist und man jeden Staubkrümel dort sieht.

Es ist erstaunlich, mit welcher Unfähigkeit gewisse Leute so einfachen Dingen wie „Termin für Wohnungsbesichtigung festmachen“ begegnen….

Heute (nachdem die Wohnung schon längst vermietet ist) standen zwei (deutsche) Männer unschlüssig vor unserem Haus. Ich fragte, ob ich helfen kann:

„Ja, wegen der Wohnungsbesichtigung….“
„Erm, die Wohnung ist schon lange weg“
„Aber wir haben doch heutemit einer Frau telefoniert und die hat uns 4 Termine genannt“
„Hier in der Höhenstrasse 2?“
„Ja, Höhenstrasse, Höhenweg oder so ähnlich“
„Habt ihr die Anzeige dabei oder eine Telefonnummer?“
„Nein, es hiess aber Höhenstrasse 2. Oder war es 22?“
„Wo war denn die Anzeige drin?“
„Im Nidderauer Blättchen“
„Davon haben haben wir 3“

Mir tut der Vermieter jetzt schon leid, der mit irgendeinem von denen einen Vertrag abschliesst…

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