Öko-Bullshitbingo (2)

„Industrie“: Ein durchweg positiv besetzter Begriff – zumindest in der Vergangenheit. Industrie erzeugt standardisierte Produkte die einer ständigen Qualitätskontrolle unterliegen und frei von Krankheitserregern sind. Heute verbindet der gemeine Ökobürger mit „Industrie“ nur geldgeile Manager, die um jeden Cent die Produktionskosten drücken wollen um möglichst viel Geld zu scheffeln. Die Wahrheit ist, dass der Konsument gerade bei Lebensmitteln erst auf den Preis und dann auf die Qualität schaut und die Hersteller beim Kampf um Marktanteile nachziehen müssen. Hat sich in den letzten Jahren gebessert, den anschwellenden Mopsgesang „WAS? FAST 30 MACK FÜR EIN STÜCK FLEISCH“ incl. Verklärung der „guten alten D-Mark“ hört man aber immer noch oft.

„Wie zu Großmutters Zeiten“: recht dehnbarer Begriff, im Allgemeinen wird damit das Essen vor 100 Jahren gemeint wo es keine böse Lebensmittelindustrie gab und man mit der Natur kochen musste. Real sah das so aus: das Wasser aus dem Brunnen war verkeimt und musste erstmal durch Zugabe von Essig oder Alkohol soweit desinfiziert werden dass es der (damals weitaus robustere Organismus) normale Mensch trinken konnte. Fürs Aufkochen und damit abtöten der Erreger im Wasser war das spärliche Holz zu Schade, die Lebensmittel im Topf wurden seltenst soweit erhitzt dass alle Krankheitserreger getötet wurden. Um sich halbwegs zu helfen wurde alles recht lange geköchelt was den vielen Vitaminen vollends den Garaus machte – wenn denn durch die lange Lagerung überhaupt noch Vitamine vorhanden waren. „Saisonal“ bedeutete damals „das, was lokal zu bekommen war“ und sich im Keller lange hielt. Wichtigste Bestandteile des Essens waren vorallem Fett und Kohlenhydrate um Kraft für die harte Arbeit auf Feldern, Gruben und Fabriken zu geben – eine Diät, welche heute nur Schaden anrichten würde aber trotzdem gerne in Form von Chips et al konsumiert wird.

„Vitalstoffe“: Der Öko-Sammelbegriff für Vitamine, Mineralstoffe und sporadisch auch Enzyme wird oft mit dem Prädikat „wertvoll“ veredelt. Taucht stets dann im Text auf, wenn die Konzentration im Produkt eher nebensächlich – aber man davon ablenken möchte, dass das Hauptprodukt eher schädlich ist (siehe Honig) oder sich sonst nicht von Industrieprodukten unterscheiden würde. Eine glaubhafte chemische Analyse, dass die ganzen „wertvollen“ Vitalstoffe im Endprodukt in einer wirksamen Konzentration vorliegen, legt eh keiner vor – sonst würde der ganze Schwindel auffliegen.

„Schonend“: Der Begriff in seinen Variationen („Magenschonend“ etc.) wurde in der grossen Werbewelt bereits hinreichend durch Gerichtsurteile verbannt, im Ökojargon hält er sich aber recht tapfer. Das Wort kann auf alles angewendet werden, von „schonend getötet“ bis „schonend gekocht“. Ich hingegen warte auf den nächsten Schonernimm mich mit Kapitän auf die Reise, ich will hier weg…

„Honig“: ist eine übersättigte Lösung aus ~80% Zucker, Zucker, Zucker, Zucker, Zucker, ~20% Wasser und als Begleitsubstanzen geschmacksgebende Pollen, Vitamine und Mineralstoffe. Isoliert betrachtet (so tun es die pseudowissenschaftlichen Ernährungsratgeber) ist die Aufnahme letzterer Stoffe für unseren Körper wünschenwert, durch den hohen Zuckergehalt treibt man aber den Teufel mit dem Beelzebub aus.

„Im Einklang mit der Natur“: Alte, Kranke, Schwache und Abweichler aus dem Schutz des Rudels ausstossen und von anderen Tieren fressen lassen – das ist der Klang der Natur. Sobald der beliebige Ökoklugscheisser mal wirklich mit der Natur konfrontiert wird (sei es die Schwerkraft beim Fall von einem Baum, einer eiternden Wunde oder faulen Zahn) ist er doch recht froh über  die modernen Zeiten und vergisst nach seiner Entlassung sehr schnell, das er durch *das* gerettet wurde was er ansonsten so hingebungsvoll bekämpft.

„Naturvolk“: Hach, der romantisch verklärte „edle Wilde„, der im Einklang mit der Natur lebt. Interessanterweise wurde dieser Archetypus nie als in Europa vorkommend beschrieben sondern ist bis heute in Zentralafrika oder Mittelamerika verortet, wo ein warmes Klima und reichhaltige Flora- und Fauna bislang niemanden in die Pflicht genommen hat darüber nachzudenken, wie man im tiefen Winter die Bude heizt und was man isst wenn draussen nichts wächst. Wer mit primitivsten Mitteln das Jahr über seinen Bauch vollbekommt der muss nicht über Aussaat und Ernte nachdenken, braucht daher auch keinen Kalender, keine Lager und daher auch keine Zahlen oder Schrift. Die Bewohner der Euraischen Steppe werden von den Ökos nie als Naturvolk bezeichnet und werden daher auch nur selten mit Gutmensch-Projekten bedacht. Naja, dauernd in Zelten zu leben ist ja auch nichts Förderwürdiges – vorallem wenn genügend Leerstand in Plattenbauten aus sowetischer Zeit zur „Sessbarmachung“ dieser Nomaden vorhanden ist.

„Gleichgewicht der Natur“: gibt es nicht. Wenn Beute „A“ zunimmt wird die Poulation von Jäger „B“ solange zunehmen bis „A“ soweit reduziert ist dass es für „B“ nicht mehr reicht und deren Population sinkt bis sich „A“ mangels Jäger wieder erholt. Der Mensch ist halt Mitspieler „C“ der seine Umgebung nach seinen Bedürfnissen umgestaltet – und damit erstmal die meisten Wälder entfernte um ohne Wolfsrudel sein Abendessen geniessen zu dürfen.

„Bewegung ist gesund“: Viele der mir bekannten Brief- und Paketzusteller haben Übergewicht – trau schau wem!

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