Ökologisch korrektes Energieferkeln

Übriggebliebenes Gemüse schmeisse ich nicht mehr weg, sondern missbrauche den firmeneigenen Durchlufttrockner um Äpfeln, Bananen – aber auch Tomaten, Karotten, Paprika etc. das Wasser zu entziehen.

Das Ergebnis von zB. 5 Paprika ist (je nachdem wie klein man den Kram schneidet) ein sehr überschaubares Häuflein Trockenmaterial welches sich – mangels Wasser im Produkt – vermutlich jahrelang in der Tiefkühlabteilung bei -24°C hält.

Das Ergebnis von 2 Tagen nebenläufigen Trocknen ist bei mir eine bunte Mischung von ISTADs, gefüllt mit „Brühpulver nach Alexander Herrmann„, dazu noch alles trockengelegt was im Gemüsefach langsam der Vergammelung anheimfiel: Stangensellerie, Paprika, eine einsame Karotte usw. – alles Zeug, was beim Kochen überbleibt.

Und auch das Überschussproblem habe ich gelöst: für irgendein Gericht wird eine Beilage wie wie Ajvar, Kräuterbutter, Frankfurter Grüne Soße, Sahnemeerettich oder Tsaziki gebraucht. Ich lege den Behälter vor dem Essen auf die Waage und danach auch. Damit habe ich den Verbrauch pro Person halbwegs ermittelt und friere den Rest in Silikonformen bedarfsgerecht ein.

Für eine leckere Brühe oder Sauce koche ich gelegentlich Gemüse-, Rinder- oder Hähnchenfond aus Resten zusammen und friere das dann als Eiswürfel ein (ok, die Beschaffung dieser „Reste“ ist mittlerweile eine Wissenschaft für sich geworden. Bei meinem Metzger kann ich auf Voransage die Schlachtabfälle einkassieren, heruntergesetztes Gemüse findet man immer wieder beim REWE oder Gemüsehändler – für Hähnchen und Fisch muss ich noch Beziehungen aufbauen).

Aber wenn man alles beisammen hat, kann man wirlich leckere „schnelle Küche“ machen: Hähnchenbrust „Nacho Cheese“ von Bofrost, dazu Pommes und eine Brathähnchensauce mit Paprika und gebunden mit Mehlsüssrahmbutter – alles Zutaten aus dem TK.

Also ohne, dass man für das Gericht nochmal mit dem Diesel-Panzer die Kurzstrecke zum Supermarkt mit seinen Abgasen verpestet um die Einzelteile einzukaufen – Öko pur.

Gut – wie bei fast allem, was auf den ersten Blick total Öko aussieht, steckt die Umweltbelastung im Detail: Mein Trockenautomat braucht ordentlich Strom bis so eine Charge „Wassergemüse“ (insbesondere Staudensellerie, Paprika, Auberginen und Pilze) bereit ist, im TK-Fach auf seine Verwendung zu warten.

Auch meine ganzen Fonds, die im TK-Fach auf ihren Einsatz warten sind extreme Energieferkel. Nicht nur, dass ich mir die Zutaten mühsam zusammenfahren muss, auch deren Zwischenlagerung und letztendlich Zubereitung (Reinigen, Rösten, Einkochen) verbrauchen übermässig Ressourcen gegenüber einer industriellen Herstellung.

Leider interessiert sich die Masse der Bevölkerung kaum noch für das Kochen ohne „Knorr-Maggi-Fix Pulver für Schlabberplörre“, entsprechend gibt es kaum oder gar keine kräftigen Fonds oder Extrakte mehr, die man auf Vorrat kaufen kann – also ist doch wieder selbermachen angesagt.

Und so wird man zum „Öko-Energieferkel“ weil man auf der einen Seite sehr viel Energie einsetzt um auf der anderen Seite irgendwas zu sparen (ein Begriff, wo beim Deutschen eh das Hirn aussetzt).

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