Durch die Grüne Hölle der Kelten – Der Glauberg

Der Glauberg ist mir seit meiner Kindheit als Archäologische Fundgrube bekannt und es hat mich immer gewundert, warum man das nicht ähnlich der Saalburg zu einem Touristenmagneten ausbaut.

Aber wie schon mein Vater beim Ausbuddeln des Kastells „Heldenbergen“ um 1972 merkte: die professionellen Archäologen haben für sowas a) kein Geld b) keine Zeit c) und was 2000 Jahre ruhte braucht jetzt keine Hektik.

Der Glauberg war jedenfalls nur sporadisch Gegenstand von Grabungen bis 1987 Hobbyarchäologen (heute verschämt „Heimatforscher“ genannt) bei einem organisierten Überflug einen auffälligen Kreisgraben sahen und dachten „da ist doch was im Busch“.

Zwischen 1994 und 1997 führte das Landesamt für Denkmalpflege Hessen dann endlich eine grössere Grabung durch (siehe oben: Geld, Zeit, Phlegma) und mit der Glauberger „Mickymaus“ kam ein Archäologischer Knaller ans Tageslicht und Bewegung ins Spiel.

„Für die neue Heimstätte des Keltenherrschers und die Originalfunde gibt das Land Hessen rund 7,4 Millionen Euro aus.“, so ein undatierter Bericht von hr-online wobei die realen Kosten bis zur Fertigstellung (ich kenne doch meine Pappenheimer) weit über 12 Millionen Euro liegen dürften.

12.000.000 EUR / 6.063.683 Einwohner in Hessen (Quelle: Statistisches Landesamt zum Stichtag 31.12.2009) sind knapp 2 EUR meiner Steuergelder – also mal schauen, was ich dafür so bekomme.


Bei früheren Besuchen musste man „illegal“ über einen Feldweg auf den Hügel fahren, heute bekommt man aus Richtung Enzheim vor Glauberg einen modernen Kreisel mit noch modernerer Skulptur vor die Nase gesetzt. Das Kunstwerk war beim Besuch noch nicht enthüllt, dafür haben witzige Zeitgenossen davor und dahinter aus Draht die Umrisse des Keltenfürsten nachgebildet und darüber je eine der neuzeitlich für Autopannen vorgeschriebene orangene und gelbe Warnweste übergestülpt.

Rechts vom Kreisel führt eine frische Asphaltstraße aufwärts, an deren Ende ein geschotterter Parkplatz hinreichend Platz für die Besucher bietet.

Aussteigen, Schuhe wechseln, Rucksack mit Fotoausrüstung auf und dann erstmal ins Informationszentrum (zZt. eine kleine Baracke) welches erst 2 Stunden später öffnete aber schon mal Führungen übers Keltengrab zwischen 15 und 16 Uhr anpries.

Etwas unterhalb des Berges liegt das rostrote, zwar fertig gebaute aber noch nicht bestückte und eröffnete Museum (COR-TEN Stahl scheint im Moment der Renner zu sein). Mal kurz durch die großzügigen Glasflächen geschaut, meine Güte was für ein Koloss – da möchte ich nicht Fensterputzer sein.

Erinnert irgendwie an den Tricorder aus Star Trek

Am Ende der Szene liegt der rekonstruierte Keltenbestattungshügel mit seiner von Gräben umsäumten Prozessionsstraße. Für den Laien sieht das eher wie Entwässerungskanäle aus um das Arrangement vor den in keltischer Zeit sicherlich häufig den Glauberg herunterstürzenden Wassermassen zu sichern.

Das beste Eheweib drängelte zur Eile und auf den Grabhügel zum Fotoshooting ehe Horden von modernen Kelten das Gebiet besetzen.

Rekonstruierter Grabhügel (Klick mich für ein 360° Panorama)

Wieder zurück und dann auf den Glauberg. Eine Steigung von gefühlten 40% bei Windstille und hoher Luftfeuchte lässt einen sehr schnell nur noch an Eis und Seniorenlifte denken.

Soweit sind wir schonmal hochgekommen

Da mir die schicke „Keltenwelt am Glauberg“ selbst nach heftigstem Fluchen weder Klappstuhl noch Bank herzauberte blieb nur der stetige Aufstieg bis zu einem Schild, welches „irgendwie“ nach schräg oben zu einem Rundweg verwies. Nach „oben“ sah es nach Hauptweg aus, nach „links“ kam mir das eher wie ein zugewucherter Trampelpfad vor.

Also nochmal ein Stück hoch und durch die Grundmauern eines Hauses (unbeschildert, das „Objekt“ steht da schon so lange dass es jeder kennen müsste).

Ausgerechnet hier verlassen einen sämtliche Orientierungspunkte. Es geht unbeschildert Links, Rechts und Geradeaus. „Der Weg ist das Ziel“ (Konfizius zugesprochen) – mein Weg bestand aus einem Stück niedergemähter Wiese in der Pampa der garantiert seit 7000 Jahren nur als Trampelpfad genutzt wurde – denn kein Schild, keine Schautafel löste die essentiellen Fragen des Menschen „wo bin ich, wer bin ich und vorallem: wie gehts weiter?“

Dieses Gewässer soll früher mal für die Wasserversorgung zuständig gewesen sein

Am Ende fand sich doch eine Bank, dazu eine Panoramaplattform, ein Tümpel und die Erkenntnis, dass wir quer über den Glauberg an einigen archäologischen Stationen vorbei gelaufen sind.

Könnte jemand aus dem Millionentopf nicht mal jemand an den strategischen Punkten weitere Infotafeln als Wanderführer aufstellen?

Der Autor beim Studium der verwirrenden Wegepläne

Apropos Infotafeln: Groß und Informativ sind sie ja. Aber nirgends wird erklärt, was denn nun an den netten grünen Kreisen mit Nummern drin zu finden sei, die überall auf den Karten eingezeichnet sind und welcher Begriff nun welcher Location zuzuordnen sei. Die offizielle Fußgängerkarte des Glaubergs gibt dazu genauso wenig her wie der Flyer „Keltenweg am Glauberg“

Die Neugierde trieb mich sofort zur sogenannten „Panoramaplattform“ welche mit viel Aufwand und Überhang ihren Sinn erfüllen würde wäre da nicht der Baumbestand rechts und besonders links, welcher vom Panorama nur noch einen kleinen Blickwinkel ins Tal überlässt. „Bäume zu Bänken“?

Schon im Mittelalter waren Reihenhäuser ein Schlager

Weiter ging es vorbei an den Ruinen einer mittelalterlichen Wohnsiedlung. Damals gab es schon Architekten, die auf  uniforme Reihenhaussiedlungen setzten . Ich hoffe nur, dass da irgendwie Hausnummern drangenagelt waren – die Gefahr im falschen Bett aufzuwachen erscheint mir recht groß.

Die Siedlung hinter uns lassend erreichten wir bald einen der Höhepunkte auf dem Glauberg: eine Staufische Burg aus der Zeit Kaiser Friedrich II (so um 1230) als Teil einer weitläufigen Wehranlage.

Da diese Wehranlagen nur in Krisenzeiten besetzt waren, ist so eine „Burg“ recht klein ausgelegt – gerade ausreichend um wilden Westfalen-Horden paar auf den Deckel zu geben.

Die alten Staufer müssen wohl Zwerge gewesen sein

Von innen sieht das schon etwas größer aus. Erhalten ist nur das Erdgeschoss der Burg.

Staufische Burg von innen (Klick mich für ein 360° Panorama)

Raus aus der Burg und wieder mal orientierungslos herumgestanden. An der Burg vorbei kann man auf den recht hohen Verteidigungswall kraxeln, vielleicht geht es da auch weiter. Also hoch, die Aussicht auf die Verteidigungsgräben genossen und wieder runter weil kein Weg weiterging.

Wir sind dann einfach dem Trampelpfad gefolgt in der Hoffnung, irgendwo schon hinzukommen.

Noch eine Wasserquelle, leider keine Öffnungszeiten

Den Brunnen vor den Augen hab ich auch prompt Durst bekommen.

Sehr schön restauriert, aber leider geschlossen.

Naja, Touristen haben eh nix anderes im Kopf als Steine, Kleinkinder und Abfall in sowas reinzuwerfen.

Bitte ein Pils!

Da muss ein Druide wohl den falschen Zauberspruch losgelassen haben

Obwohl man auf dem Plateau schon einen ordentlichen Kahlschlag durchgeführt hatte ist noch so viel Wald übrig geblieben, dass man die Bäume fast nicht mehr sieht.

Zumindest am Rand des Berges und seinen Abhängen. In der Mitte erstrecken sich Wildwiesen, die zum Picknick einladen.

Wir folgten dem Trampelpfad, zum Glück ist da soweit aufgeräumt dass man keine Machete braucht.

Ideal um Fetzen toten Tieres als Rauchopfer darzubieten

Da es mich plötzlich pressierte, hatte ich es plötzlich recht eilig wieder ans Auto zu kommen sonst hätte ich nochmal paar Objekte auf der anderen Seite des Geländes in Augenschein genommen. Welche das sind, weiss ich natürlich nicht (siehe oben).

7000 Jahre Scheisshauskultur blicken auf uns herab

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