Ilse Aigner, Google und der Verbraucherschutz

Zitat einer dpa Meldung letzter Woche: „Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) hat den Internetkonzern Google vor einer illegalen Aufzeichnung von E-Mails beim Straßendienst Street View gewarnt. «Es ist zu befürchten, dass neben E-Mail-Fragmenten auch Passwörter für Mail-Konten und Online-Banking aufgefangen wurden. Bewahrheiten sich diese Befürchtungen, wäre das ein klarer Verstoß gegen deutsches Recht», sagte ihr Sprecher Holger Eichele am Samstag der Nachrichtenagentur dpa in Berlin.“

Klingt so, als ob man als Nutzer beim Betrachten der Street View Bilder auch gleich noch die passenden Kennwörter präsentiert bekommt.

Was war passiert? Google protokolliert beim Fotografieren für den Dienst „Street View“ auch die sogenanten „MAC-Adressen“ (eindeutige Geräteadresse, die jedes Gerät mit Netzwerkanschluss hat) der überall installierten WLAN-Router um damit seinen Nutzern eine grobe Lokalisierung seines Standortes auch ohne GPS zu ermöglichen.

Soweit so gut. Um diese Daten zu ermitteln, hat Google offenbar einen simplen WLAN Paketprotokollierer mitlaufen lassen. Durch einen Programmierfehler konnte es nun passieren, dass ausser den relevanten Daten auch Teile der Netzkommunikation im Klartext mitgeschnitten wurden – und nur dann, wenn das WLAN unverschlüsselt arbeitet (was heute eigentlich keiner mehr machen sollte).

Hat sich Lieschen Müller also mit seinem Laptop vor den Kamin gesetzt und über ihr nicht abgesichertes Netz E-Mails abgerufen, dann hat Google in seinen Aufzeichnungen eventuell irgendwo dazwischen auch Fragmente von Benutzernamen, Kennwörtern, E-Mails oder auch Chat, Webseiten etc. auf der Platte liegen.

Die korrekte Reaktion einer aufgeklärten Verbraucherschützerin wäre es also darüber zu klagen, dass ihre Schäflein sensible Daten über unverschlüsseltes WLAN senden und das bitte abstellen mögen damit solche Datenpannen nicht mehr geschehen.

Dass Passwörter für Online-Banking im Klartext in der Datensammlung sind halte ich für unwahrscheinlich da hier der Datenverkehr über den Browser zwangsweise verschlüsselt wird.

Ärgerlich dass so ein Unsinn die interne Qualitätskontrolle des Ministeriums überhaupt verlassen durfte.

Dieser Beitrag wurde unter Schwachsinn, Weltgeschehen veröffentlicht. Setzen Sie ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Responses to Ilse Aigner, Google und der Verbraucherschutz

  1. Uwe sagt:

    So einfach könnte die Welt sein, wenn mal Klartext bzw. faktisch geredet wird.
    Und da ist dieses Ministerium nicht die einzige Stelle die zu diesem Themenkomplex Halbheiten verbreitet. Der tatsächlich Interessierte kann einfach die richtigen Sachverhalte recherchieren. Aber das Gros der Mitbürger die sich von den Zweizeilern der Nachrichten in TV/Radio und sonstigen Medien informieren, bekommen so natürlich ihre Portion Anti-Google-Haltung eingepflanzt. Steckt da System hinter der schlampigen bzw. unvollständigen Information?

    Und so entsteht zum Thema W-LAN der Eindruck Google hat das sicher ganz bewusst getan um an vertrauliche Informationen/Passworter/Zugänge zu kommen um dann seine wahre kriminelle Energie (hab ich persönlich schon öfter gehört das da Verbrecher oder gar eine Sekte bzw. eine Weltverschwörung dahinter steckt) zum Einsatz bringen zu können…

    Auch die unsägliche öffentliche Diskussion über StreetView überhaupt. Ich würde mal vermuten das bei 50-60% Prozent der Einsprüche gar kein fundierter Background da ist. Also die Personen tatsächlich glauben daß sie über SV in Echtzeit live auspioniert werden können. 30% ganz Grundsätzlich was gegen die „Datenkrake“ Google haben und der Rest Paranoia oder Langeweile hat…

    Meine (virtuelle)Welt hat Google jedenfalls besser, angenehmer, einfacher gemacht und bereichert.

    • Bernd Hohmann sagt:

      Leider schafft es Google nicht, seine Dienste so zu konsolidieren dass ich mich darin zurecht finde.

      Was daran liegen mag, dass ich historisch bedingt verschiedene Accounts dort habe die sich nicht konsolidieren lassen.

      Daher sehe ich die diversen Dienste von Google als nettes Addon ohne mich in den Kerndiensten wirklich davon abhängig zu machen.

      Andoid mag ich aber sehr 🙂

Schreiben Sie einen Kommentar