Samos 2010 – Tag 7

Peter wollte nun auch das Jeep-Diplom erhalten und wurde für die nächsten 7 Stunden mein Chauffeur, was ich als höchst angenehm empfand.

Es ging erstmal rauf ins Dörfchen Ambelos weil ich schauen wollte, ob die Militäranlage auf dem Psilo Aloi vielleicht doch ausser Betrieb und mittlerweile geöffnet ist. Nun: sie ist stillgelegt und konserviert, Einlass haben wir aber nicht erhalten. Also Weiterfahrt und quer durchs Natura 2000 Reservat zum Karvouni.

Dazwischen fährt man durch ein Waldgebiet, welches (noch?) so intakt ist dass ich mich im Schwarzwald wähnte.

Die Freude war aber nur kurz, hinter dem nächsten Kamm pfiff uns der Wind wieder ungebremst um die Karossiere – vor uns lag eine Mondlandschaft aus einem Brand, der vermutlich aus dem Jahre 2007 stammte vom Jahr 2000. In den 310 Jahren wurden die toten Bäume wohl mal umgesägt, von einer dringend notwendigen Aufforstung um die Reste des Mutterbodens zu erhalten war aber nichts zu sehen.

Nicht aufgeforstete Mondlandschaft (Klick mich für ein 360° Panorama)

Ich war schon etwas verärgert. Nicht weil die Samioten mit ihrer Insel unachtsam umgehen sondern weil in paar Jahren meine sauer verdienten Steuern als EU-Notfallhilfe hier landen um noch Schlimmeres zu verhüten.

Fröstelnd (und nicht nur wegen dem starken Wind) lies ich mich hoch auf den Karvouni kutschieren. Dort war der Wind eher als Sturm wahrzunehmen. Peter hatte seine Jacke vergessen (mich wärmte meine Speckschicht einigermassen) und musste somit von Windschatten zu Windschatten hetzen.

Kurzer Besuch in der Kirche zur Verehrung des – man ahnt es schon – Propheten Elias wo uns ein junges griechisches Paar begegnete, eingemummelt wie Arktisforscher. Peter holte sich am Türrahmen der Sorte „Terrassentür für kleine Menschen“ noch eine Beule, die Tür war „Made in Germany“ und so blieben zumindest dort keine Schäden zurück.

Wärend sich mein Chauffeur in den Schutz des Jeeps zurückzog (zurecht, was sollte er auch in dieser Steinwüste) hab ich noch schnell 2 Panoramen gemacht. Einmal mit Blick nach Westen auf das Kerkis-Massiv und eines mit Blick nach Osten.

Karvouni Blick nach Westen (Klick mich für ein 360° Panorama)

Karvouni Blick nach Osten (Klick mich für ein 360° Panorama)

Weiter ging es den Berg hinab nach Mesogio wo ich einen schicken Ausblick ins Tal und auf das Dorf entdeckte.

Blick auf Mesogio (Klick mich für ein 360° Panorama)

Und dann nach Koumaradei ins deutsch geführte „Balkoni“ zum Mittagessen. Alfa vom Fass hat was.

Wärend wir unser Essen festhielten konnten wir zwei Landemanöver bei starkem Seitenwind beobachten, die Taverne hat einen fast gerade ausgerichteten Blick auf die Landebahn. Angeblich war der Wirt aus dem Hessischen Rodgau und wir wurden auch auf deutsch begrüsst. Aber als ich ihn nach einem Schluck Apfelwein fragte war ihm ruckzuck die Sprache Goethes entfallen und er bediente sich mindestens 4 anderen Sprachen zur Kommunikation. Man merkte deutlich, dass der arme Mann nach der Saison die Touristen noch satter hatte als sein ursprüngliches Heimatland – klarer Fall von Inselkoller!

Wir fuhren in Richtung der südlichen Bergkämme, da sah ich einen kleinen Hügel der bestimmt nochmal einen schönen Aussichtspunkt bietet. Vorbei an einer verlassenen Hühnerfarm fuhren wir auf den Gipfel um dort auch wieder einer Feuerwache zu begegnen. Ich stieg mit Stativ und Kamera aus, das übliche Sprüchlein abgelassen und wurde neugierig beobachtet. Mittlerweile Sturmerprobt (auch hier lüftete mir der Wind mein Hirn aus) dauerte das Panorama nur wenige Sekunden – diesem Umstand ist es gedankt, dass sich einer der tapferen Feuerwehrkameraden nicht schnell genug verstecken konnte und damit die Authentizität dieser Aufnahme steigert.

Hügel hinter Koumaradei (Klick mich für ein 360° Panorama)

Wir wollten eigentlich nochmal paar Hügel an der Südküste besuchen, aber da noch eine andere Location anstand und die Zeit langsam knapp wurde machten wir uns auf den Rückweg.

Eine der vielen schönen Schnappschüsse von der Insel die mir langsam zum Halse heraus hingen.

Der Micro Seitani - Ziel und Idol zahlreicher Wanderer

Ich scheuchte den armen Peter nochmal quer über die Insel um ein Panorama vom Micro Seitani zu machen. Wie gesagt: zu Fuß ist man wesentlich schneller am Strand als mit dem Auto, aber mit der kompletten Fotoausrüstung im Gepäck macht Wandern mit Höhenunterschieden > 50m für mich keinen Spass.

Micro Seitani (Klick mich für ein 360° Panorama)

Glaubwürdige Kenner der Insel versicherten mir, dass der Megalo Saitani noch viel feineren, weicheren und schöneren Strand haben soll. Da ich allergisch gegen Waschmittelwerbung bin, habe ich auf einen Besuch dieses Strandes verzichtet – obwohl es mich schon interessieren würde, wie dort die zahlreichen Datschen entstanden sind wenn angeblich keine Strasse dorthin führt.

Für eine angeblich nur zu Fuß erreichbare Bucht sehr gut bebaut.

Nach den abenteuerlichen Reisen über die Kalksteinschotterstrassen von Samos ging es kurz zurück ins Haus um dann gemeinsam das letzte Abendmahl auf der Insel am Hafen von Karlovasi einzunehmen.

Unruhiges Meer bei Karlovasi

Peter und ich machten noch einen kleinen Abstecher bei unserer „Brot-Omma“ um noch paar geistige Getränke einzukaufen.

An der Hafenpromenade war am Sonntag Abend allgemeines Schauflaufen der Familien und vor allem der Jugend angesagt.

Danach bei uns Abendprogramm wie immer: Labern, Wein, Ouzo, Bier, Schnittchen auf der Terasse, Bett. Obwohl wir relativ geschützt saßen, erforderte der zunehmend kühle Wind immer wildere Konstruktionen an Decken und Kleidung um einigermassen warm zu bleiben.

Same shit, different day. Ich glaube, die Insel hätte mehr Besucher würden auch Freitags Charterflüge zurück gehen – die Woche unter auf Samos und dann in DE erholen.

Der letzte Tag auf der Insel stand uns bevor…

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2 Responses to Samos 2010 – Tag 7

  1. Pingback: Samos 2010 – Tag 6 | Kurz notierter Käse von hier und anderswo

  2. pemo sagt:

    Hallo Bernd,

    die von Dir auch als schrecklich empfundene „Mondlandschaft“ in den hohen Lagen westlich des Karvounis ist das Resultat des großen Waldbrandes vom Juli 2000!
    Seither hat sich meinem Eindruck nach kaum etwas verändert da oben.
    Mein Bericht mit Bildern vom Oktober 2009 ist hier zu finden:
    http://samos-images.blogspot.com/2009/10/visit-to-area-of-big-forest-fire.html

    Weiter unterhalb wachsen allerdings schon überall wieder die richtig sattgrünen Bäumchen, derzeit zwischen 1 bis 2 Meter hoch. Also, mit dem vielen Regen auf Samos wird das schon wieder was mit dem Wald dort werden, in 50-100 Jahren für die übernächste Touri-Generation auf Samos!

    Gruß, Peter

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