Samos 2010 – Tag 8, das Ende

Nun, was will man über den letzten Tag noch sagen?

Packen, Haus aufräumen, Müll in eine der grünen Tonnen schmeissen, grob so tanken wie man die Autos bekommen hat, nach Pythagorion zum Mittagessen fahren.

Dort sind wir wieder im „4 Seasons“ am Hafen eingekehrt, wo zwei Matronen schwatzend die Stellung hielten – schweigend ins Gespräch vertieft.

Denen war es völlig unverständlich, dass das Touristenpack vor dem Abflug nochmal ordentlich futtern wollte. Nun: bis zum Abflug sind es zwar noch paar Stunden und man ist gut beraten, möglichst früh am Check-In zu sein – denn es wird nur eine Durchleuchtungsstation vor dem CheckIn aufgemacht, egal wie weit sich die Schlange bis auf den Parkplatz staut. Da muss man einfach früh und auf den Punkt genau rein sonst steht man sich mit den organisierten Reisenden die Beine in den Bauch.

Uli machte jedenfalls im „4 Seasons“ den Fehler, einen Frappe zu bestellen. Die Bedienung verstand nur Kosmos. Fráppe, Frappé, Fràppé – wir versuchten es in allen Variationen bis jemand auf den Eintrag in der Karte deutete. „Ah, Frappe!“ sprach sie strahlend aus und lies uns etwas verwundert zurück.

Wir bekamen nach einiger Wartezeit unfallfrei die bestellten Speisen. Den Kaffee hab ich mir aus oben genannten Gründen erspart.

Rein, CheckIn, und wieder raus gut 1,5 Stunden draussen langweilen. Der Hotspot auf dem Flughafen mochte mich immer noch nicht, über teures Roaming meine Mails zu lesen war mir zuwider. Planespotting war dank Stacheldrahtzaun und Schlingpflanzenbewuchs nicht möglich.

Alle restlichen Getränke sind einem Baum irgendwo auf dem Vorplatz zu Gute gekommen. Rein ins Terminal, Personenkontrolle. Diesmal lies ich meinen Gürtel an, alles piepste, der Sicherheitsmensch winkte mich einfach weiter. Duty-Free auch hier unverschämt teuer.

Ich stellte mich an den Ausgang und sah zu, wie unsere etwas verspätete Maschine hektisch ausgeladen wurde. Interessant, wie mit dem Gepäck umgegangen wurde. Neben mir haben die weiblichen Flughafenangestellten per Sprechfunk wohl solange Kuchenrezepte und familiären Smalltalk ausgetauscht bis sie merkten, dass einer der Rollstuhlfahrer neben mir in die Maschine nach Düsseldorf und nicht nach Frankfurt gehört. Damit wurde ein solches Durcheinander verursacht wie es eine Maus im Ballett nie könnte.

Dass ich mich stark nach preussischer Disziplin sehnte ist nachvollziehbar.

Die Tür ging auf und wir durften sogar bis zum Flieger laufen. Die Treppe hoch, Zeitung greifen und noch paar Minuten mit einer der Flugbegleiterin quatschen bis das Knäul der überwiegend mit schwerem Handgepäck reisenden Passagiere endlich die Engstelle der Terminaltür überwunden hatten.

Der Flieger war spät dran, entsprechend schnell waren wir auf der Startbahn. Kurze Durchsage des Piloten dass der starke Wind etwas Unanehmlichkeiten verursachen könnte. Handbremse feste anziehen, Triebwerke ordentlich hochdrehen, Bremse ruckartig lösen und dann weg von der Insel.

Da ich die Stürme über der Insel nun hinreichend genug aushalten musste, habe ich jeden losen Gegenstand gesichert und blätterte weiter in der F.A.Z.

Der Flieger füllte sich recht schnell mit dem belanglosen Gequatsche der Passagiere bis punktgenau ein Schlag die Maschine erfasste. Ein kurzer Moment des freien Falls, vor mir sah ich Brillen und iPods in die Höhe fliegen, erschrecktes Gequieke nahe Todesangst.

Der Pilot steuerte sein Gefährt ruhig in eine Kurve, ich puhlte meine Brille aus der zugeknöpften Hemdtasche, setzte sie auf und las weiter in der Hoffnung, dass das erregte Geschnattere der Passagiere sich schnell wieder legt.

Ansonsten das gleiche Procedere wie auf dem Hinflug, nur dass die Flugbegleiterinnen diesmal viel Schokolade zur Beruhigung der Nerven los wurden. Seltsame Brötchen, Tomatensaft, viel Kaffee. Schlafen, landen, aussteigen, checkout. Auto, gut ausgebaute Strasse, heim.

Schwarztee, ordentlicher Kaffee, Kippe, funktionierendes Internet, ordentliches Bett – wurde Zeit, dass ich nach Hause komme.

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3 Responses to Samos 2010 – Tag 8, das Ende

  1. pemo sagt:

    Hallo Bernd,

    danke nochmal für den nun vorliegenden Gesamtbericht, sozusagen ein Meilenstein bzgl. der Qualität von Samos-Reiseberichten.
    Zeigt der Bericht doch auch, was man alles in einer Woche auf Samos erleben (und darüber berichten) kann, wenn man die übliche Touristenroutine in Form der täglichen Oszillation zwischen Unterkunft, Strand und Bar/Taverne in möglichst nur einem Ort überwindet 😉 😉
    Ein Strandurlaub auf Samos zum „Abhängen“ ist halt was anderes als der von Dir geschilderte „Stressurlaub“ 😉 mit viel Herumkutschiererei auf Samos!

    Hast Du Dich anschließend zuhause erholt? 🙂

    Gruß, Peter

    • Bernd Hohmann sagt:

      Nun… Am 4. Oktober aus dem Flieger gefallen. Grob den Mist weggeräumt der in einer Woche liegen geblieben ist, 1 Tag lang 1.967 Bilder und 55 Soundfiles sichten und trennen was HDR, Panoramen, Zeitraffer und Knipsbildchen sind.

      Danach erstmal paar Tage lang Panoramen zusammenstitchen bis ich merkte dass a) die Software einen Fehler hatte und b) meine Objektivdaten falsch waren. Somit also erstmal das aktuellste Hugin zusammenkopieren und neue Bugs finden.

      Nach 5 Tagen hatte ich dann eine Stresserkältung weil parallel paar andere Projekte nicht so wirklich liefen.

      Zwischen Monatsabschluss, Texte fürs Theater lernen (3 Tanten für Charly, ich bin eine der Tanten 😉 ) noch grobe Faktensammlung, dann 1 Woche recherchieren weil jede Karte und jeder Reiseführer Griechisch und Ortsmarken anders interpretiert.

      Alle HDR und Panoramen vorbereitet, in ein Batch geschmissen und den Rechner 3 Tage Tag und Nacht rödeln lassen.

      Am 15ten dann der erste Artikel, an jedem Teil sitz ich mit Text, Bildern und Panorama ca. 4-8 Stunden – gestern nacht dann der letzte.

      JETZT bin ich wirklich Urlaubsreif.

      Mal schauen was als nächstes kommt. Malta, Nisyros? Da ich nur ungern Reise hab ich die Wahl zwischen Pest und Cholera…

  2. rainer sagt:

    Hallo Bernd,
    jetzt habe ich alles durch. Dein Reisebericht hat mich sehr amüsiert. Ich habe viele interessante Details erfahren – z.B. waren mir die „über 16000 Hektar verbrannter Wald bzw. Agrarflächen“ in den letzten 10 Jahren noch nicht bekannt – wo hast Du denn diese Zahlen her? Sind da die 2000 Hektar aus 2010 schon dabei? Mit den 4000 Hektar in 2000 sind das dann 6000, soweit ich das im Kopf noch richtig gerechnet habe, fehlen da immer noch 10000 Hektar, die dann in 9 Jahren abgebrannt sein sollen. Erscheint mir recht hoch.
    Das „nur für den ambitionierten Urlauber mit Hummeln im Hintern“ über samos-wandern schreibt ja gerade der Richtige… wenn man Deine Berichte so liest kommt einem der Gedanke, dass Du auch nicht gerade eine ruhige Kugel im Urlaub schiebst – nur mit dem Unterschied, dass Du lieber in einem Jeep sitzt als Deine Beine zu benutzen. Um Dich zu zitieren: Mir kam manchmal beim lesen auch der Gedanke an die „“10 Städte in 5 Tagen” Tour“. Meinen Track, um am 3. Tag wieder auf den „richtigen“ Weg zu kommen hast Du ja trotzdem gerne angenommen. – Schön, dass ich Dir helfen konnte! ;-)) – Aber genau dieser Track war damals leider nicht gerade unser glücklichster… – inzwischen geht’s in der Ecke viel flüssiger. Vielleicht befasse ich mich mal näher mit OSM, dann kann ich unsere ganzen abgelaufenen Wege auf Samos selbst einpflegen (seit 2008 hat sich da eine Menge angesammelt).
    Insgesamt ein wirklich interessanter Bericht von Dir und beeindruckende Panoramen. Vor allem die Innenaufnahme der Ag. Triada in Paleo Karlovassi gefällt mir. Danke für die ganze Mühe.
    Viele Grüße
    Rainer

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