Mal eben in den Taunus (3/3)

Bei der Rückfahrt durch Falkenstein sind wir an vielen schönen Häusern und Kliniken sowie einigen etwas verdutzt guckenden Einwohnern vorbei gekommen. Anscheinend ist mein kleiner Seat nicht hinreichend Nobel für diese Gegend und verwirrt steuerte ich Königstein an – vom Eldorado der Wohlhabenden erwartete ich Cafes und Konditoreien wärend das eitle Volk auf den sauberen Strassen flaniert.

Nun – entlang der Hauptdurchgangsstraße erhaschten wir aus den Augenwinkeln eine Fußgängerzone und parkten nicht weit davon am Straßenrand. Man stelle sich das vor: Samstag nachmittag und sofort ein Parkplatz!

Gestählt durch unseren Marsch durch Zoo und Ruine sowie mit unendlichem Kaffeedurst ausgestattet wagten wir beiden Landeier uns ins mondäne Leben dieser reichen Stadt um linker Hand auf einen Bettler mit Quetschkommode zu stossen.

Jener spielte tapfer gegen die brüllenden Lautsprecher einer Wahlveranstaltung, auch wir konnten uns nur mühsam gegen den Schalldruck bis zum ehrwürdigen Cafe Kreiner vorkämpfen wo wir auch ganz schnell wieder abzogen weil es im inneren a) überfüllt und b) sehr warm war.

Naja – ein Plätzchen hätten wir noch gefunden, aber alleine das Mithören von 10 Sekunden lautstarkem, belanglosen Geschwätz vermischt mit der Parteipropaganda von aussen (alles zusammen unter dem Niveau eines schimmeligen Stück Brotes) haben mich erst Recht zur Flucht bewegt.

Aber gegenüber lud ein Schild zu einem Italienischen Café ein, da sind wir dann durch eine Passage hingeflüchtet. Der Lärm der Lautsprecher war ab hier ertragbar, aber …

Der Raum war so groß wie ein Klo im sozialen Wohnungsbau, trotzdem war dort noch Platz für eine Theke, eine Kaffeemaschine, eine kleine Kuchentheke sowie einem Tisch an denen die Kinder der Inhaber gerade Pizza vom Lieferdienst aßen. Die Chefin (schmal gebaut und damit passend zum platzsparenden Interieur) bugsierte uns gleich wieder nach draussen wo mehrere kleine Tische mit Stühlen, bequemen Kissen und Decken sowie den unvermeidlichen Accessoires (namentlich Zuckerstreuer, Blumenvase mit frischen Blumen und einem Aschenbecher) standen.

Nun – für uns waren noch 2 exzellente Stücker Apfelkuchen übrig und der Kaffee war einfach wunderbar.

Wärend der Ruhepause hab ich mir (gelobet sei UMTS und mein Android Telefon) via OpenStreetMap und Wikipedia angeschaut, was es hier sonst noch gibt und bin auf die Burgruine von Königstein gekommen die unweit unserer Sitzgelegenheit auf einem Hügel thronte.

Eigentlich war ich schon fix und alle, aber wenn man schonmal in der Gegend ist….

An einer Galerie (auch mit Kaffee und Kuchen) ging es vorbei an einer ordentlich ausgerüsteten Skateboardbahn zum Amtsgericht von Königstein.

Nun – Windecken hatte bis 1970 auf der alten Burg auch ein Amtsgericht inne, aber das ist bei weitem nicht so pompös wie dieser Bau.

Das noble Amtsgericht

Ein rustikal asphaltierter Weg leitete uns durchs Gehölz, vorbei an ersten Frühlingsboten zur Pforte wo uns ein junger beleibter Herr begrüßte, welcher freundlich ein schmales Salär als Eintritt forderte und dafür einen Begrüßungstee anbot – der hätte uns auf Burg Falkenstein kommen sollen, hier war es nun zu spät.

Um es mal klar zu sagen: Die Ruine ist nicht mit Worten zu beschreiben. Nach einem Abstecher nach links zum Ausguck wanderten wir – der Pfad nur spärlich beleuchtet durch meine LED-Taschenlampe – neugierig durch die Katakomben um unverhofft in einem Zwinger ohne weiteren Ausgang und nach dem Rückmarsch auf der Westseite des Geländes ins grelle Licht der untergehenden Sonne ausgespuckt zu werden.

Die imposante Burgruine

Nun – Napoleon hat versucht, die Burg zu sprengen (erfolglos) und danach haben sich die Bürger von Königstein dort ihr Baumaterial besorgt (erfolgreich). Was übrig geblieben ist, versetzt den Homo Sapiens des 21sten Jahrhunderts trotzdem noch in Erstaunen.

Burginnenhof (Klick mich für ein 360° Panorama)

Nach einigen Wanderungen über das Gelände und Erstaunen, wo man nun schon wieder herausgekommen ist ging es zum Gipfel, namentlich auf den über die Jahrhunderte mehrfach aufgemauerten und letztendlich restaurierten Burgturm. Wäre es an diesem Tag nicht so diesig gewesen, hätten wir eine phantastische Aussicht über Südhessen gehabt.

Aussucht vom Burgturm (Klick mich für ein 360° Panorama)

So – nun aber genug der Schwämerei, mir taten die Knochen weh und der Tag war anstrengend genug.

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