Handball in Wetzlar

Holger Waitz von der Agentur OSDP hat mich eingeladen, beim „Handballspiel HSG Wetzlar“ gegen „HBW Balingen-Weilstetten“ mit auf der Pressebank zu sitzen.

Ich hab bestimmt schon 20 Jahre keinen Sport mehr fotografiert, also warum nicht?

Leider habe ich es hab versäumt, vom Austragungsort (RITTAL Arena Wetzlar) eine Aussenaufnahme zu machen. Es ist jedenfalls ein Glaspalast mit kilowattstarker Innenbeleuchtung wo ich mir nur dachte „werden wir das auch mit Ökoenergie betreiben können?“

In der Halle schon fast alles besetzt, die Akteure wärmten sich unter gleissenden Strahlern und dröhnenden Boxen für das Spiel auf.

Die Fotografenbänke sind Turngeräte aus Urvater Jahns Zeiten, eine links und eine rechts von jedem Tor. Ich folgte Holger durchs Gewimmel und postierte meinen Hintern auf einer Bank wo ich links von mir Klaus Volkmann samt Frau und rechts von mir Oliver Vogler (beide mit Laptops, da sie zeitnah berichten mussten) kennen lernen durfte. Und es hat sich in den letzten 30-40 Jahren nichts geändert: die meissten Kollegen sind wärend ihrer Arbeit mundfaul – oder besser gesagt hochkonzentriert.


Das Einzige, was ich vom Handball bis dahin wusste: Der Ball wird mit der Hand gespielt und den Torwart nennt man Hampelmann.

Ich hatte jedenfalls an einen sauberen Sport wie Fussball geglaubt und bin in einem testosterongeschwängerten Infero gelandet.

Phase 1: Aufwärmen

Die Sparkasse Zollernalb scheint gutes Dope zu habe - dieser Torwart schwebt perfekt

Phase 2: Angriff mit allen Mitteln abwehren

Handball scheint eher eine Kontaktsportart wie Griechisch-römisches Ringen zu sein

Phase 3: Angriff ordentlich durchführen

Angriff

Phase 4: Gegnerischen Torwart möglichst blöde gucken lassen

Ernüchterung

Harz

Wärend des Spiels erlebt man dann schon die eine oder andere Besonderheit. Wie zB. die Situation, dass sich Spieler dauernd an ihren Schuh fassen – wo offensichtlich eine grössere Ansammlung von Rotz gespeichert und mit jedem Begrabbeln über Schuhsohlen und Hände verteilt wird. Bei genauerem Hinsehen war es nicht Popel sondern klebriges Harz – kein Wunder, dass die Spieler zentimetergenau stoppen und Bälle mit 3-4 Fingern aus dem Flug abfangen können.


Perfekter Angriff

Auf der anderen Seite war eine Sippe Trommler zugegen, welche das Spiel akustisch begleiteten. Die Fellschläger wurden nur noch übertönt von der ständig schallenden Motivationsmusik aus den riesigen Lautsprechern der Halle. Immer wenn es irgendeine Pause gab drückte ein unsichtbarer Geist auf eine neue Taste seiner Klaviatur um einen möglichst effektiven Klangmix aus schrillen Synthesizersounds der 90er gepaart mit wummernden Bässen der 80er herauszublasen.

Der da hat meinem Jungen weh getan!

Aufsaugen von Blutspritzern?

Am faszinierendsten fand ich ja den Einsatz der überwiegend vollbusigen jungen Damen, die nach der medizinischen Behandlung eines gestürzten Spielers mit wippenden Brüsten auf das Feld eilten um eventuelle Blutspritzer aufzusaugen.

Wie mir Kollege Volkmann aber glaubhaft versicherte, geht es nur darum, eventuellen Körperschweiss aufzusaugen damit die Spieler nicht ins Rutschen kommen.


Hier noch paar weitere Impressionen vom Spiel – Liebe, Leidenschaft, Umarmungen und mehr.

Mal eben einen Angriff stoppen

Da geht einem echt die Puste aus!

Hampelmann in Aktion

Am Ende hab ich mich höflich verabschiedet, und da Oliver bereits die Barrikade zum Spielfeld weggeschoben hatte bin ich natürlich auch übers Spielfeld weggegangen – denn hinter mir war ein Schutznetz was sich nur mit viel Routine (die mir fehlte) zu einem Durchschlupf öffnete.

Ich wartete geduldig in der Ecke hinter einem Sicherheitsbeauftragten (neudeutsch „Security“), bis sich Holger durch die abfliessenden Zuschauermassen in Richtung meines Standorts vorgeschoben hatte. Und siehe da: Nachdem ich mehrere Minuten den Rücken des jungen Security-Kollegen betrachten durfte, wurde der auf mich aufmerksam.

Security: „Wokommseher?“
Ich: „Von der Pressebank“
Security: „Hammsenausweis?“
Ich: „Für was?“
Security: „??????“

Nun – in der Nähe waren genügend ordnungsgemäss ausgebildete Polizisten, welche meinem unhöflichen Jungspund gerne erklärt hätten was er darf (und vorallem was nicht) – aber Holger war dann mittlerweile nahe genug um den Herrn zur Ordnung zu rufen.

Ich stelle fest, dass mir da mehr als „etwas“ Routine verloren gegangen ist.

Fazit: Ich kann noch halbwegs Sportfotos machen, Handball ist mörderisch und bringt coole Fotos.

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