Vom Kauf und der Zulassung eines Anhängers

Nach dem Zirkus bei der Abfahrt einer Fuhre Grünschnitt (was eine ganz andere Geschichte ist) hat die Familie beschlossen, einen kleinen PKW-Anhänger in den Bestand zu bringen.

Also letzten Freitag zu meinem alten Kunden Gerald Ullmann nach Ronneburg, der am Ortsausgang seinen Laden für Anhänger (Motorroller, Papierbrikettpressen, Sonderanfertigungen usw …) hat.

Lief auch alles super, auf dem Hof stand ein kleiner Stema-Anhänger, der mich treuherzig anschaute und flüsterte „nimm mich mit“. Der guten Ordnung halber legte Herr Ullmann noch frischen TüV und neue Reifen drauf (der Hänger war ein Vorführmodell und stand schon eine Weile auf dem Hof). Am gleichen Abend noch schnell ein Wunschkennzeichen reserviert und dann hieß es warten.

Nicht nur auf den Anhänger sondern auch auf den Wetterbericht in der Hoffnung, dass am Wochenende darauf der Regen endlich mal aufhört.

Dienstag war ich gerade in der Nähe der Zulassungstelle und wollte mir vorab schonmal mein Kennzeichen prägen lassen. Es gibt einen Schilderdienst direkt am Amt und dann über die Straße den berühmten Pavillon. Ich schaute flüchtig auf die Meute und auf die Preisvorstellungen des Inhabers. „Naja, wirst Du in den sauren Apfel beissen müssen“. Da ich aber keinen Parkplatz fand, fuhr ich langsam weiter und entdeckte am Ende der Straße etwas versteckt einen weiteren Schilder- und Zulassungsdienst wo ich für kleines Geld (nämlich 11 EUR) mein Kennzeichen bekam. Die junge Dame bot mir auch an, für 10 EUR + Gebühren die Zulassung abzuwickeln, aber ich war abenteuerlustig und lehnte dankend ab.

Donnerstag dann die Papiere bei Herrn Ullmann abgeholt, Freitag (die Zulassungsstelle hat da nur von 7:00 bis 11:30 Uhr offen) voll verpennt und erst vom Staubsaugerrobot um 10 Uhr geweckt worden. Dusche, Frühstückchen und nach 15min in Richtung Hanau abgedüst.

Auf dem Amt in Hanau hat sich seit meinem letzten Besuch nicht viel geändert. Mir ist nur aufgefallen, dass der Empfang (der sonst die Nummern vergab und die Papiere auf Vollständigkeit prüfte) sowie die Kasse durch Automaten ersetzt wurden. Also erstmal den Nummernautomaten studiert. Zwei Tasten „Zulassungsstelle“ und „Führerscheinstelle“, darunter ein großes Schild „Aufgrund von Personalmangel ist bei der Führerscheinstelle mit erheblichen Wartezeiten zu rechnen“. Verständlich – ich würde auch nur ungern morgens um 7 Uhr anfangen zu arbeiten. Neben dem Automaten stand auf einem kleinen Tisch ein Korb mit einem Formular und darüber der nicht zu übersehende Hinweis dass es für die Zulassung zwingend erforderlich ist, dem Finanzamt Einzugsermächtigung für die KfZ-Steuer zu geben.

Ich war ja klug und hab mir das vorher aus dem Internet heruntergeladen und ausgefüllt.

Nummer

Tapfer drückte ich aufs richtige Knöpfchen und bekam die Nummer „Z105“ zugewiesen. Ein Blick auf die zahlreichen Monitore zeigte mir, dass im Moment „Z85“ aufgerufen ist. Klang alles recht unspektakulär, ständig gingen Menschen durch die Türen rein und raus. Ich setzte mich auf einen der zahlreichen freien Plätze und schaute den Profis von den Zulassungsdiensten zu, wie sie den Kassenautomaten fütterten. Ein weisses Kärtchen richtig herum reinstecken, rechts oben den Betrag ablesen, den hungrigen Robot mit Geldscheinen füttern bis er ein weisses Papier mit der Aufschrift „Quittung“ und das Wechselgeld herausscheisst. Ich schaute genau hin um später keinen Fehler zu machen.

Nochmal meine Sachen durchgesehen: Zulassungsbescheinigung, TüV, Einzugsermächtigung, Ausweis, Bargeld, Kennzeichen – alles da.

Ich beobachtete das Treiben wärend das Display mit lautem „PING“ aus verborgenen Lautsprechern recht flott eine Nummer nach der anderen aufrief.

Die Zulassungstelle scheint ein recht beliebter Treffpunkt für Familien zu sein, ich habe etliche Paare mit ihrer Kinderschar gesehen. Es hat sich mir leider nicht so recht erschlossen, ob das Amt nun als ein (recht teurer) Vergnügungspark gesehen wird oder ob (nach einem Blick auf die Eltern) jene ihre Kinder auf diese Art und Weise schon frühzeitig an die Wartezeiten auf den Ämtern gewöhnen wollen die sie in ihrer kommenden Karriere als Hartz IV Empfänger noch sehr oft erleben werden müssen.

Der Saal war durchdrungen mit ständigem Gemurmele mir fremder Zungen. Rechts von mir standen Türken, die sich gedämpft über die aktuellen Gemüsepreise unterhielten, links von mir 3 Rentner die im tiefsten hessischen Dialekt lautstark Jugenderinnerungen austauschten.

Bei dem Nationalitätengewirr hätte es mich nicht verwundert wenn plötzlich ein Grüppchen Marokaner die Decke ausbreitet und auf dem Gaskocher ihr Couscous als Mittagsmal zubereitet hätte.

„PING… Z95“ So weit schon? Ich sah ein älteres Ehepaar. Der Mann ist mir vorher aufgefallen weil er rechthaberisch seine Frau herumlenkte. Die Arme war doch etwas genervt und sah aus, dass sie am liebsten jetzt ganz weit weg wäre. Anscheinend waren sie jetzt dran, die Frau ging zielstrebig auf das Zimmer zu, dessen Nummer im Display an der Wand angezeigt wurde – wärend ihr Mann auf die nächstbeste Tür zudackelte und prompt wieder rausgeschickt wurde. Seine Frau rollte nur die Augen und schob ihren Mann durch die richtige Tür.

Neben mir war die Dame vom Schilder- und Zulassungdienst (wo ich Dienstag war) damit beschäftigt, dem gefrässigen Kassenrobot ein Bündel Geldscheine zu verfüttern welcher in Folge Unmengen von Quittungen auswarf wärend auf der anderen Seite eine der Amtsstubentüren aufgerissen wurde und eine junge Dame zu dem oben genannten Körbchen mit den Formularen für die Einzugsermächtigung hechtete. Ich hoffte nur, dass das Mädel irgendwo in der Handtasche ihre Kontonummer und Bankleitzahl griffbereit hatte. Denn langsam hatte ich etwas die Lust aufs Warten verloren und bekam ansatzweise die Lust darauf, jedwelchen Verzögerer des Verfahrens seinen Nummernbon zu entreissen und zu sagen „stell Dich wieder hinten an“.

Ein paar Pings später tappte auch das ältere Ehepaar wieder durch die Halle, diesmal um den Kampf mit dem Geldautomaten aufzunehmen. Nach mehreren Fehlversuchen erbarmte sich einer der zahlreichen Profis in der sich schnell bildenden Warteschlange zur Hilfe und konnte die Transaktion unfallfrei abwickeln.

Schneller als erwartet war ich dann auch dran. Eine junge Dame begrüsste mich sehr nett (meine Güte – wo hat die diese Energie hergenommen?), schaute meinen kleinen Stapel durch und meinte „Äh – mal eine ganz blöde Frage… Warum ist da frisch TüV gemacht worden?“ Ich packte den Erklärbär aus von wegen „Naja, stand eine Weile auf dem Hof und der Verkäufer meinte dass es eventuell Probleme geben könnte“. Darauf sie „Naja, also bei so einem kleinen Hänger mit einer Achse – da geht doch nichts kaputt. Aber … besser ist das so. Alles in Ordnung, bezahlen Sie am Automaten, hinten am Ausgang lassen Sie sich die Plaketten aufs Kennzeichen kleben und nehmen die Papiere mit“. Verdutzt über die Schnelligkeit des Verfahrens fragte ich noch, ob ich „da hinten“ länger warten muss, sonst hätte ich noch eine Kippenpause eingelegt. Die junge Dame lachte nur glockenhell und meinte „Wenn keiner vor Ihnen ist, sind Sie schnell fertig“.

Wie durch Zauberhand hatte ich das weisse Kärtchen für den Geldrobot vor mir liegen. Ich raffte meinen Kram zusammen, verabschiedete mich höflich und hechtete mit angemessenen Trab zum Geldfresser. Weisse Karte rein, Betrag ablesen, der Maschine zwei 20 Euroscheine in den Mund schieben und wie ein Profi Wechselgeld und Quittungsstreifen entnehmen. Ich drehte mich um, aus den Augenwinkeln sah es so aus als ob mir die Anzeige listig zublinzelte. Das plärrende „Vielen Dank“ (der Automat hat eine Sprachausgabe) habe ich kaum noch gehört.

Papiere

Der nachträglich unter der Decke montierten Rohrpostleistung folgend landete ich bei der Ausgabe. Niemand vor mir, ein etwas gelangweilter Mann saß hinter einer Abtrennung, die mich an frappant an einen Bankschalter im Wilden Westen erinnerte. Der Beamte (oder sind das schon Angestellte dort?) schaute auf meine Quittung, meinte lapidar „Ihre Papiere sind noch nicht da, da werden sie einen Moment warten müssen“ und klebte mit stoischer Ruhe Siegel und TüV-Plaketten auf den Stapel Kennzeichen die vor ihm lagen. Um die Zeit zu überbrücken fragte ich, wie denn die Papiere herbeikämen und erfuhr, dass das per Rohrpost geschähe. Wärend ich auf die Rohrpoststation hinter ihm schaute und überlegte, wie denn die Papiere knick- und knitterfrei in die sogenannten „Bomben“ hereinpassen surrte es noch weiter hinten und das, was ich erst als einen modernen Heizkörper angesehen hatte, entpuppte sich als Aktenbus.

Schwupps waren die Unterlagen in der Hand und mit routinierter Handbewegung das Siegel und TüV Plakette aufgeklebt. Frohen Herzens es nach 50 Minuten geschafft zu haben setzte ich mich ins Auto und fuhr nach Ronneburg.

Dort Kennzeichen rein, Hänger dran, Adapter 12 auf 7, Stecker rein, Funktionstest – rechter Blinker geht nicht. Das kam mir so bekannt vor, das war nämlich beim letzten Anhänger genauso – nur hab ich es da auf eine defekte Birne geschoben. Also kurz bei meinem Autohaus angerufen dass ich vorbei komme. Da es auch mein Kunde ist, gibt es immer was an der EDV zu tun. Wärend die den Fehler suchen, such ich halt auch fleissig. Werkstattchef Hanno hat sich der Sache sofort angenommen, fragte mich ob der Blinker jemals funktionierte (ich verneinte) und so wurde alles systematisch von hinten (der Anhängerbuchse) bis nach vorne (zum Sicherungskasten) durchgemessen.

Schande über mich mit der Aussage „funktionierte nie“ – nach über einer Stunde wurde der Fehler in einer defekten Sicherung gefunden. Anscheinend hatte der Anhänger vorher (oder auch der Adapter) einen Defekt sodass einer der ersten Blinkversuche die Sicherung durchschlagen liess.

Jetzt hiess es nur noch „Heim, Hänger abstellen und Sofa für eine verlängerte Mittagspause knutschen“ – ich hatte geschafft, was ich wollte nämlich den Hänger bis zum Wochenende auf dem Gelände zu haben.

Blöderweise spielt jetzt das Wetter überhaupt nicht mit – für die nächsten Tage ist nur Regen angesagt.

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