Die Haltbarkeitsdauer eines Software-Entwicklers ist nicht länger als die eines Kricketspielers

Sagt Velloparampil Rasheed Ferose, SAP-Manager in Indien, in der „Economic Times“ über die Halbwertzeit von Mitarbeitern in der IT-Branche. Ferose studierte bis 1997 am indischen National Institute of Technology, ist seit 1999 bei SAP und leitet seit 2010 die SAP-Labors für Forschung und Entwicklung in Bangalore und Gurgaon (zum Artikel auf Spiegel Online)

Die Meldung auf SPON basiert auf einem Artikel über Velloparampil Rasheed Ferose in der Economic Times Of India wo er und seine Kollegen einige Weisheiten zum besten geben.

Zum Beispiel „The 20-year-old guys provide me more value than the 35-year-olds do.“ („Die 20jährigen geben mir mehr Wert als die 35jährigen“) oder „The world is changing so rapidly that continuous education for continuous employment is becoming the norm in many fields.“

Ich bin jetzt 46, Herr Ferose ist 37. In seinem Alter hab ich schon kapiert, wie das mit der Software läuft – er nicht.

Nämlich dass man eben ab einem gewissen Alter nicht mehr planlos jede Technologie einhackt sondern sich überlegt wie man das noch die nächsten Jahre problemlos warten kann. Meine Software, die ich mit 20 Jahren geschrieben habe war schon gut (ich hab die Sourcen noch), aber sie ist aus der Sicht von heute völliger Sourcecodeschrott.

Man wird nicht „langsamer“ sondern nur „vorsichtiger“. Wenn es sein muss, kloppe ich mir eine neue Technologie genauso schnell (und mit meinem Erfahrungsschatz vielleicht auch sogar schneller) rein als ein 20-25jähriger Kollege. Nur mache ich mir vorher Gedanken darüber ob es den Aufwand wirklich lohnt.

Bedenklich finde ich eher, dass SAP in Indien quasi Kinder auf seine Kernsoftware loslässt. Zuletzt hab ich das mit OS/2 erlebt als die Kernelwartung nach Indien abgegeben wurde und nur Murx heraus kam.

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4 Responses to Die Haltbarkeitsdauer eines Software-Entwicklers ist nicht länger als die eines Kricketspielers

  1. David sagt:

    Du hast vollkommen recht. Aber das ist ja nichts neues, dieser Jugendwahn war ja schon vor 10 Jahren aktuell. Aber, am Ende macht es die Mischung. Als junger Entwickler habe ich auch immer von der Erfahrung aelterer Entwickler profitiert. Im Team ging das dann richtig gut.

    Und das gute Leute sich auch mit neuen Technologien beschaeftigen ist ja wohl selbstverstaendlich. Denn wer wirklich Interesse an seinen Job hat und wirklich gut ist, versteht die neuen Ansaetze auch mit >35 sehr schnell. Denn es wird ja nicht schwerer sondern wegen der Vielzahl von Tools und Methoden lediglich unuebersichtlicher. Trotzdem ist es heute mit C#, Java und Co wesentlich einfacher Software zu entwickeln als mit C/C++, WinAPI, Linux.

    Naja, soll der Herr SAP Manager mal machen. Am besten morgen alle >35 jaehrigen raus hauen und dann mal abwarten. Das Resultat ist „vorprogrammiert“.

  2. Bernd Hohmann sagt:

    Hatte heute Nacht einen seltsamen Traum: ich war auf der Frankfurter Dippemess und stieg in eine wagemutige Konstruktion ein. Plötzlich sass ein 25jähriger Inder neben mir und sagte „neueste Attraktion – entworfen und konstruiert von unseren besten 20jährigen Ingenieuren. TüV? Wer braucht diese alten Säcke!“

  3. Bernd Hohmann sagt:

    Ich weiss es gar nicht mehr. Ich glaube, dass ich danach über Frankfurt geflogen bin wärend die Inder unter mir laut diskutierten wie das passieren konnte.

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