Abenteuer Küche – mit Volldampf zu neuen Ufern!

Gestern gab es als einfache Kost erstmal gebratene Maultauschen (Zwiebel würfeln, anbraten, Schinkenwürfel dazu, Maultauschen in Streifen schneiden, dazu geben auch anbraten, mit Sahne ablöschen, kurz ziehen lassen – fertig).

Heute hatte ich eigentlich einen Sack voller Termine, die sich am frühen Morgen sämtlich verschoben haben. Kurzes Telefonat mit meiner Frau „Ist Tafelspitz mit Gemüse und Kartoffeln OK fürs Abendessen?“ Alles Klar – raus und meine Lieblingsmetzgerei überfallen um 1kg Tafelspitz zu organisieren. Dummes Gesicht beim Bezahlen – 5 EUR waren noch in der Geldbörse. Zum Glück bin ich kreditwürdig und darf anschreiben. Weiter zum tegut nach Issigheim um bisserl Suppengemüse zu organisieren und nebenbei ein repariertes Laptop beim Kunden abliefern.

Tafelspitz zart Dampf-gedünstet in meinem für teuer Geld erworbenen Dampfgarbackofen. Das Prinzip ist einfach: statt das Fleisch mit bisserl Suppengrün schnöde in 10 EUR Pott mit Wasser zu werfen und das 2 Stunden köcheln zu lassen wird das Fleisch zart von Dampf umgarnt und nimmt auch ein wenig die köstlichen Aromen des Gemüses auf.

In der funkelnagelneuen Küche erstmal das Gemüsebett geschnippelt. Weil beim Suppengrün bisserl wenig Lauch dabei war, hab ich mit Reserven aus dem funkelnagelneuen Gefrierfach des funkelnagelneuen Kühlschranks nachgefüllt. Mir kam das schon komisch vor, dass der Lauch halb angetaut war, aber das Nachdenken über das Problem auf später verschoben (Mann ist ja bekanntlich nicht Multitaskingfähig). Im neuen Ofen erstmal konventionell paar Rinderknochen geröstet und in der Pfanne dem Tafelspitz vorsichtig eine ganz zarte Kruste verschafft. Bei 3,7kW auf Powerstufe geht das Klasse – ehe das Fleisch überhaupt merkt dass es in der Pfanne ist war schon alles vorbei. Kein Wasseraustritt, kein Schrumpfen, nichts. Gemüsebrocken in die Schale, den Brocken toten Tieres aufs Gemüsebett, etwas Rinderfond dazu, die gerösteten Knochen aus dem Ofen locker um das Fleisch gruppiert und alles zusammen in den Backofen der sich mittlerweile von der Tortur des Knochenröstens bei 230° erholt hat.

Nochmal Bedienungsanleitung des Dampfgarbackofens herausgekramt. „Bio-Dampf“ soll hier das richtige sein, ca. 1/2 Liter Wasser langen für 30min Dampfgaren. Gemäß Rezepten im Internet braucht so ein 1kg Fleischklumpen ca. 3h bis er bei Volldampf durch ist, vorsichtshalber hab ich mal das Thermometer zwecks Messung der Kerntemperatur ins Fleisch geschoben weil andere Quellen sagen „Zeit ist egal, die Temperatur im inneren soll 90° betragen – dann ist der Tafelspitz fertig. Also 1/2 Liter Wassser, 3 Stunden = 6x Wasser nachfüllen. Essen in den Ofen, Wasser eingefüllt, Programmwahl „Bio-Dampfgaren“ bei 96°, Abschalten bei 90° Kerntemperatur.

Neil Armstrong und Edwin „Buzz“ Aldrin mussten bei ihrer Mondlandung bestimmt weniger programmieren um zum Ziel zu kommen.

Es war 14:30 Uhr, der Tafelspitz sollte also spätestens 17:30 fertig sein. Im ersten Moment sah alles gut aus, durch die Scheibe konnte ich sehen wie der Garraum sich mit Dampfschwaden füllte.

15:00 Uhr: ein sehr lautes Summen erfüllte das Haus. Ich eilte in die Küche, die unzulässige Geräuschemission kam vom Ofen. Ich befürchtete einen Kurzschluss durch Überschwemmung der Elektronik, hab das Teil erstmal abgeschaltet und im über 50 Seiten dicken Handbuch hektisch unter „Fehlerbehebung“ nach der Ursache gesucht. Aha – das durchdringende Brummen soll den Koch darauf hinweisen, dass das Wasser alle ist und man einfach nur Wasser nachfüllen soll. Blöderweise hab ich den Rechner Ofen abgeschaltet, das gesamte System war nun warm und es dauerte ziemlich lange bis der versteckte Drachen in der Kiste wieder mit seiner Dampferzeugung anfing.

Bisserl erschöpft hab ich mich aufs Sofa gelegt (der Summer wird mir schon sagen, wann ich wieder Wasser nachfüllen muss) aber erstaunlicherweise kam dann erstmal zwei Stunden nichts bis ich aus meinem Schlummer erwachte und dachte „uh – 17:30, mal schauen was los ist!“. Es roch sehr verführerisch, Kerntemperatur war 90°, also mal Ofen ausgeschaltet und das Gargut untersucht. Das Gemüse schmeckte köstlich, der Tafelspitz war aber eher zäh. Also nochmal Wasser nachgefüllt und weiterdämpfen lassen.

In der Zwischenzeit kam das geliebte Eheweib mit diversem Beutegut von IKEA nach Hause, unter anderem Besteckeinsätze für die Schubladen. Ich schälte paar Kartoffeln und setzte sie ganz konventionell mit Wasser auf den Herd, wie war das mit der Ankochautomatik? Kochstufe auswählen und dann die Powerstufe wählen. Blöderweise war es das nicht und alles kochte binnen weniger Sekunden über. Zum Glück hab ich den Griff für das Schnellabschalten eines Kochfeldes lange genug geübt (ich ahnte schon, dass mir sowas passiert).

Nach gut einer Stunde insistierte Karin auf „Essen auf den Tisch“. Trotz 1h Dampf zusätzlich war das Fleisch eher zäh, das Gemüsebett schmackhaft und die Kartoffeln halbwarm. Es wurde beschlossen, den Rest des Fleischs in meinen Rinderfond zu legen von dem sich noch paar Reste im Gefrierfach befinden und das morgen nochmal durchkochen zu lassen. Gefrierfach… Da war doch was?

Karin hatte schon beim Aufbau der Küche so komisch auf die Gefrierfächer geschaut. Keine separate Tür? Ich schob das auf moderne Isolierung und Fertigungsverfahren – der Küchenplaner wird das schon richtig gemacht haben, vorallem weil wir mehrfach erwähnt haben dass wir eine Kühl-Gefrierkombi brauchen. Bei der Auswahl in der Küchenausstellung hatte ich nur nach der praktischen Flaschenablage geschaut, das gab es nur von Miele und der Rest war mir dann auch herzlich egal.

Nochmal in die Stückliste geschaut. Einbaugerät Miele K 9757 ID-3, Geräteschrank 1 Einbaunische mit 2 Türen für integrierte Kühl-Gefrierkombination, 2 feste Böden. Bei Miele nach dem Gerät geschaut. DynaCool, Superkühlen-Automatik, Abtauautomatik, PerfectFresh-Zone. Warum friert die dämliche Kiste nicht unser Essen ein?

Nach mehrfachem lesen der Bedienungsanleitung war klar: die „PerfectFresh-Zone“ sind die Kisten unten die wir für das Gefrierfach gehalten haben und der Bereich lässt sich nur mit „Warnung: Lebensmittel können Gefrieren“ und besonderer Programmierung unter 0°C treiben – aber keinesfalls auf die Minusgrade, in denen mein bevorzugtes Bofrost-Zeug mehrere Monate haltbar ist. Das gibt nochmal ein ernsthaftes Gespräch mit „meinem“ Küchenplaner.

Gefrierfach ist kein Gefrierfach, der Tafelspitz ist zäh, die Kartoffeln sind übergekocht und zu guter letzt passen die IKEA Besteckeinsätze nicht in unsere Küchenschubladen.

Wäre ja auch ein Wunder gewesen, wenn alles auf Anhieb klappen würde.

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