Dumm gelaufen

Der „Server“ war 2002 schon eine Notkonstruktion und hätte schon längst durch was ordentliches ersetzt werden müssen – vorallem weil „Windows 2000 Server“ nicht mehr mit aktuellen Druckertreibern und diversen Server-Anwendungen klar kommt. „Was richtiges“ habe ich über 10 Jahre angefordert, aber weder der alte noch der neue Geschäftsführer wollten mir dafür ein Budget bereitstellen. Auch eine zugehörige Datensicherung fehlte schon immer und wurde trotz mehrfacher Anmahnung nie realisiert („Was, wir haben keine Datensicherung? Wie geht denn sowas. Schreib mal ein Angebot!“ dann „Das ist zu teuer“ und zum Schluss ist wegen ‚dringlicherer‘ Sachen untergegangen).

Die aktuelle Geschäftsleitung hat das Problem mit dem alten Server recht elegant umschifft in dem bestimmte Serveranwendungen einfach auf Workstations mit dem passenden OS verlagert wurden. Involviert wurde ich da nie, ich durfte das nur flicken wenns in die Hose gegangen ist (OK – es wird zum vollen Satz abgerechnet, für mich recht lukrativ).

Aber auch der Rest der Rechner bröckelt seit vielen Jahren hin, bei einem musste bereits die Platte gerettet werden (Austausch der Elektronik), ansonsten ging es recht glimpflich ab (kaputtes Netzteil oder Motherboard). Müsste alles mal aktualisiert werden ehe es zu einem ungünstigen Zeitpunkt verreckt.

Und dann hat es die Serverplatte entgültig zerschossen – just in dem Moment, wo ich mit was anderem beschäftigt war. Aber kein Problem: die Kiste muss nur zu einem Kollegen, der das genauso gut kann wie ich und der stimmt sich mit mir ab was wo wie zu tun ist.

Was macht der Kunde? Nimmt mit seiner geballten Kompetenz das Problem selber in die Hand – und anhand des Monitoring-Systems wurde mir jeder Schritt mitgeteilt: Erst war der Server weg, dann tauchte nach über 10 Tagen ein NAS auf was nur ca. 60% des ursprünglichen Datenbestands enthielt. Und weil ein NAS kein Server ist, fehlen nun auch so essentielle Dienste wie das Abscannen nach Viren, das Updaten der Windows Clients und vorallem die zentralen Druckerqueues incl. Verteilen der Druckertreiber an die Clients.

Sprich: das Netzwerk ist nun auf dem gleichen Stand, wie ich es im Jahre 1998 vorgefunden habe – nur wesentlich schlechter.

Naja, ich habe da eh schon resigniert. Wäre es über mich gelaufen, hätte es ca. 8 Arbeitsstunden Ausfall und keinen Datenverlust gegeben. Und ich hätte die Gelegenheit genutzt, da gleich mal eine aktuelle Serverversion aufzuspielen.

Als aber der Chef dieser Tage angerufen hat und mir nicht nur einen vom Pferd sondern sogar einen vom Einhorn erzählt hat wie die Sache mit dem kaputten Server „angeblich“ abgelaufen ist, habe ich ihn gebeten doch zukünftig besser nach seiner Methode zu verfahren und mich raus zu halten.

brain

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2 Antworten zu Dumm gelaufen

  1. opatios sagt:

    So ist es richtig, man muss auch loslassen können, bevor die Schmerzen zu stark werden… mir tun nur die Mitarbeiter leid, die mit diesen „hochzuverlässigen“ Maschinen arbeiten müssen.

  2. Bernd Hohmann sagt:

    Im Prinzip „Ja“. Ärgerlich ist, dass es keiner merkt. Ich habe 2008 schonmal einen Fall gehabt, wo der Kunde meinte es viel besser zu wissen und habe dann die Verantwortung über das „jeder darf mal dran“-Netzwerk (unter anderem ein damals 8 Jahre alter, im Sommer stehts bei +35° durchgekochter Server mit RAID-1 wo schon 2 Jahre lang nur noch eine Platte aktiv war und die Bandsicherung seit 1 Jahr nicht mehr lief) abgegeben. Nach letzter Information (März 2013) läuft das immer noch so weiter.

    Was ich bei der letzten Aktion zwar schon gelernt habe, aber jetzt erst richtig begriffen habe: den MItarbeitern ist das völlig wurscht. Die setzen sich nicht pro-aktiv dafür ein, dass es ein EDV-Budget gibt sondern arbeiten einfach nicht weiter wenn die EDV klemmt – und an dieser Stelle ist es denen völlig Wurst, dass Du jahrelang aus Teilen vom Elektroschrott die Infrastruktur reparierst nach dem Motto „die Mitarbeiter sind doch immer nett zu mir“ (wärend sich der Chef hinten einen Abgrinst weil er es wieder mal billig bekommen hat).

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