Telefonkonferenzen

Meetings sind ermüdend, besonders wenn die bevorzugte Sprache Englisch ist. Wenn man sich jetzt ein solches Zusammentreffen in einem großen Raum vorstellt in dem die Teilnehmer möglichst weit voneinander entfernt sitzen und gleichzeitig die Reinigungskräfte agieren, dann hat man eine rechte Vorstellung wie ein sogenannter „Conference Call“ über 2 Kontinente und einen Subkontinent abläuft.

Die Problemstellung ist recht einfach: ich soll Bestellungen übertragen. Das passiert 2x die Woche, 20-30 Position. Nix Wildes, sowas wurde in der Vergangenheit einfach über eine CSV-Datei „Artikelnummer;Menge“ und SFTP-Upload erledigt. Weil das zu trivial ist, muss nun was komplizierteres her: EDIFACT und als Transportweg ein Protokoll, welches mir völlig neu war und angeblich Branchenstandard ist (von diesen „ultimativen Standards hab ich bestimmt schon 60 Stück in je 8 fehlerhaften Varianten wegprogrammiert, alle 2 Jahre kommt was neues).

Also mal bei den Kollegen in Richtung Sonnenaufgang per Mail nachgefragt, welche EDIFACT-Version (dort vornehm „Verzeichnis“ genannt), welches Subset implementiert werden soll und wer mir bei dem Übertragungsprotokoll helfen kann wenns beim ersten Schlag nicht funktioniert.

„We will schedule a conference call for this“ (die Internationale Version von „Wenn man mal nicht weiter weiss, bildet man einen Arbeitskreis“).

Nach etwas hin und her wurde ein Termin für 14:40 vereinbart.

14:25 Ich bekomme vom Verantwortlichen eine nette Erinnerung per Mail, dass die Konferenz in 15min beginnt.

14:39 Mein bestes Headset eingestellt, Nummer gewählt. Durch ein Dickicht aus Knacken und Rauschen ertönt eine weibliche Stimme die mich auffordert, den passenden Code einzugeben und mit einer Raute abzuschliessen.

14:40 Ich bin in der Konferenz. Rauschen, knacken. Eine andere weibliche Stimme begrüsst mich. Jedenfalls hab ich mal angenommen dass sie mich begrüßt weil ich das Genuschele nicht verstanden habe. Ich grüsse zurück und entziffere, dass die anderen noch nicht da sind. Ich hab ja Zeit und vorallem ein Headset was im ganzen Büro funktioniert.

14:44 Bin eingedöst. Die Stimme von eben fragt mich, ob ich die Unterlagen von ihr bekommen hätte. Keine E-Mail, aus Langeweile schaue ich in die Logfiles des Mailservers, ob diese Mail eventuell wegen grober Missachtung aller RfCs abgelehnt wurde. Keine Mail.

14:48 Amerika betritt die Konferenz. Keine Ahnung, was die nette Inderin ihn gefragt hat – der Ami hat es wohl verstanden und antwortete, dass der Rest der eingeladenen Teilnehmer nicht kommt. Die Dame antwortet, dass ihr Chef wohl später hinzukommt (derjenige, der mir die Erinnerungsmail geschickt hat – den brauchte ich aber am ehesten).

14:49 Ich stelle meine 2 dringlichsten Fragen, der Kollege aus den Land der Hamburger fragt „um was gehts hier überhaupt?“ Nach einer kurzen Aufklärung konnten meine Fragen mit „Keine Ahnung“ und „Nein, wir können keine Unterstützung beim Debugging des Transports liefern“. Dachte ich mir, denn dort wird SAP eingesetzt – alles Blackbox.

14:50 Nachdem ich mich Artig für die Unterstützung bedankt habe, war die Konferenz beendet. Bin jetzt genauso schlau wie vorher. Vielleicht doch noch mal per E-Mail anfragen?

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