Die Axt des 21sten Jahrhunderts (oder: Telefonhotlines für Telefone nerven)

In der guten alten Zeit konnte man mit einer Axt mehrere Probleme lösen: Ein Haus bauen, ein Haus abreissen, sich scheiden lassen. Heutzutage braucht man dafür einen Computer. Auch Telefone haben sich von einem reinen Kommunikationsmittel zwischen Menschen zu einer Universalschnittstelle zwischen Computern entwickelt.

Zum Beispiel gibt es für kleines Geld GPS Datenlogger, die entweder selbstständig oder auf Zuruf per SMS mitteilen können wo sie gerade (und das zugehörige, frisch geklaute Fahrrad) sind. Ich hab mir einfach mal so ein Teil zugelegt, eine alte Prepaid-Karte von Fonic lag auch herum – also frisch ans Werk.

Konfiguriert wird der Logger recht bequem über SMS, die zugehörige Bedienungsanleitung erwähnt zwar dass man auch über eine Software konfigurieren kann, aber die fand ich nicht auf der CD und das was ich fand, war in Chinesisch und sah nicht sonderlich vertrauenserweckend aus. Nach paar gelungenen Versuchen und etlichen SMS hin- und her war das bescheidene Guthaben der Karte verbraucht, also aufladen. Kann man bei Fonic direkt auf der Webseite wenn man seine Kontodaten hinterlegt. Da mein Firmenkonto wärend der SEPA-Programmierung und folgenden Testphase ein dankbares Opfer war, kann ich die zugehörige IBAN in Dur- und Moll singen sowie in Form eines Rosenkranzes 20x fehlerfrei hintereinander herunterbeten. Gesagt – getan, schnell die IBAN eingehackt. Ergebnis: Fehler. Also Brille aufgesetzt, nochmal. Mochte er nicht. Zeichenweise verglichen. Kleinbuchstaben, Leerzeichen, private Kontonummer – alles probiert, ging nicht.

Also Hotline von Fonic angerufen. Nach 20min war ich dran, der Kundenbetreuer konnte mir nur schnell zurufen, dass ich das SEPA-Lastschriftmandat manuell ausfüllen und zufaxen muss ehe er mit einem gurgelnden Röcheln „die Verbindung wird schlechter“ abbrach. Also auf der Homepage nach dem Lastschriftmandat gesucht und natürlich nicht gefunden. Zum Glück gibt es dort einen Chat, der aber bei mir nicht funktioniert. Auf Verdacht habe ich dann in einer alten virtuellen XP-Maschine einen älteren Internet Explorer gefunden mit dem der Chat dann ging. Nach bisserl hin- und her mit dem Kundenberater konnte der mir wenigstens sagen, dass ich die Karte auf meine GmbH registriert habe und aufladen bei Firmenkunden nicht übers Konto geht. Da war ich aber schockiert und fühlte mich wie ein Schuldner mit fettem Schufa-Eintrag „Du bekommst bei uns nix“. Was tun? Zu Aldi fahren und dort Nachladebons kaufen? Dann die endlos lange Nummer vereintippen sowie den Beleg vorsichtig aufkleben, kontieren und in die Ablage geben? Stress.

Da wir bei Vodafone schon Verträge haben, hab ich dort mal die Hotline angerufen. 15min warten, nette (wenn auch etwas müde) Deern drangehabt und die erklärte mir, dass Prepaid mit Firmenkunden auch in „ihrer“ Firma nicht geht. Naja – was solls. Da das Gerät im Ernstfall ganz viele SMS an mich schicken möchte, war mir eine limitierte SMS-Funktion eh zu heikel also den kleinsten Vertrag mit SMS-Flat gebucht. Die Anschlussgebühr konnte sie mir als Uralt-Kunde leider nicht ersparen, aber das Procedere ging zügig durch und wäre noch zügiger gegangen, hätte ich meine Daten im Shop selber eingehackt statt das von ihr machen zu lassen. Ich fragte noch, ob man das nicht mit dem Hauptvertrag zusammenkoppeln, „nein“ und ausserdem müsste ich ihr noch ein Kundenkennwort nennen. Nach Abschluss des Frage- und Antwortspielchens kam prompt die Mail mit den Auftragsdaten. Ausgedruckt, Unterschrieben, gestempelt, gescannt und zurückgemailt.

3 Tage später war ein Umschlag in der Post. Aufgemacht und die SIM-Karte gesucht. Erst unter der Lupe hab ich das Staubkorn gefunden, welches den heutigen Karten-Standard repräsentiert. Wärend man früher noch die Karten durch vorsichtiges, selektives Herausbrechen aus dem Kartenträger auf sein Telefon anpassen konnte, geht das heute leider nicht mehr. Die Nano-Karte passte weder in das Telefon, mit dem ich die Karte von ihrem PIN-Code befreien wollte noch in meinen Logger. Also Amazon und nach Adaptern gesucht – sowas gibt es tatsächlich! Nach weiteren 6 EUR Ausgaben und dem Verzug des Wochenendes kam Montag dann die Adapter. Nach mühsamen Gefrickele mit Pinzette, Kleber und einer Lupenbrille hab ich das dann irgendwie hinbekommen. Die Karte ins Reservetelefon, eingebucht, SMS mit 400 Treuepunkten bekommen, entsperrt, raus und ab in den Logger. Den schnell programmiert, alles OK – super.

Jetzt wollte ich mal schauen, was ich mit den Treuepunkten anfangen kann. Also rauf auf die Vodafone Homepage, einloggen, geht nicht. Stimmt – ich war zwischenzeitlich mal bei einem Subprovider von Vodafone der vom Service erheblich besser war (vorallem keine Wartezeiten in der Hotline). Also neu registriert, Kundenkennwort vom ersten Vertrag aus der Akte gezogen, Vertrag eingetragen und zum Schluss der neue Vertrag. Rufnummer, Kennwort von der Auftragsbestätigung, „Absenden“ und danach nur noch Javascript-Quellcode auf dem Bildschirm. Seite neu Laden, Rufnummer, Kennwort, „Absenden“, Kennwort falsch. Rufnummer, …. Seite wird grau. Rufnummer … Kennwort falsch, „Aus Sicherheitsgründen wird diese Funktion für 12 Stunden gesperrt“. *FRUST*

Hotline? Bloss nicht. Da gibt es einen Chat, der aber nicht funktionierte. Also XP Virtuelle Maschine, Internet Explorer, Chat geht und schnell herausgefunden warum mein Firefox das nicht mochte: bei jeder dritten ausgeführten Funktion auf der Seite kam ein fettes Fenster hoch was mich aufforderte in den Chat zu gehen um vielleicht noch einen weiteren Vertrag abzuschliessen – und das hat mein Werbeblocker verhindert. Im Chat schnell jemanden drangehabt der mit mir die üblichen Verdächtigen durchgegangen ist (ich hätte ja am liebsten gesagt „Ey, bin Kollege – lass das mal mit dem Anfängerquatsch wie Groß/Kleinschreibung etc..). Nach 10min war er auch mit seinem Latein am Ende und hat mir geraten, mit der Geschäftskundenhotline unter 1234 zu telefonieren weil er keinen Zugriff auf meine Kundendaten hätte.

Das hab ich prompt gemacht. Meine Rufnummer angegeben und bin nach kurzer Ansage kommentarlos an die Privatkundenhotline weitergeleitet worden. Klasse. Also den aufgebauten Ruf ans Headset weitergeleitet, die völlig übersteuerte Warteschleifenmusik heruntergeregelt und einen Apfelbaum gepflanzt. Bereits nach der zweiten Apfelernte war ein Mitarbeiter für mich frei und dem schilderte ich das Problem. Der fragte nach dem Kundenkennwort und meinte, dass wäre verkehrt. Darauf ich „ich hab sonst nur noch Kennwort ….“ und darauf er „Ja, weil das alles unter einer Kundennummer läuft, gibt es auch nur ein Kennwort“. Also 24h warten und nochmal versuchen.

Ich bedankte mich höflich und stelle mir jetzt nur 2 Fragen:

a) Wenn das sowieso unter einer Kundennummer läuft, warum konnte ich den neuen Vertrag nicht einfach zum bestehenden dazubuchen? Hätte mir 30min Telefonat für die Erfassung meiner Kundendaten sowie weitere 30min hier zur Nachbearbeitung (Scannen HRB, Gewerbenachweis, Perso, Ausfüllen, Stempeln, Unterschreiben, Scannen…) erspart.

b) Was zum Teufel mach ich mit meiner GmbH beim Privatkundenvertrieb?

Für etwas ganz einfaches haben mich Fonic und Vodafone zusammen gut 4 Stunden aufgehalten und weil das auch noch nett über den Tag verteilt wurde, bin ich fast 3 Tage zu nix gekommen.

PS: Sprachcomputer lassen sich auch mit Schimpfwörtern steuern wenn man es geschickt anstellt, genügend Übung hab ich jetzt ja.

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