„Backe backe“ und viele Imperten im Netz

Meine Schwiegermutter ist eine großartige Kuchenbäckerin, meine Frau hat viel von ihr gelernt und übernommen – Kuchen gibt es hier im Haushalt aber nur selten: für meine Frau ist es mit einem dedizierten Aufwand verbunden, den sie nicht so sehr schätzt.

Macht nichts – dafür gibt es beim Lidl fertige Backmischungen, die Mann völlig problemlos zur Selbstversorgung nutzen kann (Rühren, Backform, Backen, Fertig)

Für mich steht schon seit vielen Jahren auf dem „Lernplan“, dass ich irgendwann mal aus dem Handgelenk ein köstliches Roggen-Sauerteigbrot sowie paar Brötchen, Baguettes oder Türkische Pide „gefüllt mit irgendwas“ aus dem Ofen ziehen kann.

Im Internet gibt es viele Quellen, schaut man sich 10 Seiten an hat man 30 völlig voneinander abweichende Rezepte bei denen man sich nicht wirklich sicher ist, ob sie unter allen Bedingungen funktionieren.

Weizenbrote

Nach 10 Blechen „Pide“ (man nehme: Mehl, Wasser, Hefe, Salz) bin ich beim Weizen-Hefeteig zumindest schonmal sicher: kleiner, etwas flüssiger Vorteig aus Wasser, Hefe, etwas Zucker und Mehl bis zur Pampe geht immer,

Und hier werde ich leider genauso ungenau wie die meissten Rezepte „etwas Zucker & Mehl“ ist Definitionssache – ok, ich bin aber auch keine Kochseite hier. Soviel Zucker um die Hefe anzutreiben (alte/wenig Hefe: 1/4tl mehr, frische/viel Hefe: nur eine Prise) halt. Wenns ordentlich Gärt ist es OK.

Kuchen

Die Rezepte dazu werden auf Webseiten vom Rezeptheft der Oma abgeschrieben und als „sehr lecker“ ohne eigene Erfahrung gepostet. Vorsicht also bei Rezepten, die Backpulver in Teelöffeln angeben – das Rezept wurde das letzte Mal vor 1891 aktualisiert als es das noch Lose und in Einzelteilen gab (siehe Link).

Auch muss man bei den Rührzeiten aufpassen: ich habe gemäss Rezept einen weihnachtlichen Nuss-Lebkuchen mit Weizenmehl 10min verknetet, der ist mir im Ofen zusammengefallen sodass meine Frau für das Familiengelage spontan noch einen Gewürzkuchen gebacken hat (soweit zum Thema „ich backe keine Kuchen mehr – aber wenn die ganzen Zutaten vorhanden sind, warum nicht die Gelegenheit nutzen und prüfen, ob ich es noch kann?).

Merksatz für Rührkuchen (also alles was ohne Hefe und mit Backpulver gemacht wird): Mehl und dann Backpulver ganz zum Schluss zugeben und vorsichtig solange rühren bis es eine homogene Masse gibt – die Mischung sofort in die Form und in den Ofen – die Rührzeiten im Rezept sollte man durch eigene Erfahrung (und sei sie noch so klein) ersetzen.

Sauerteig

Aus Sauerteig (Roggen oder Weizensauerteig) machen viele Webseiten auch ein riesiges Ökolinksmutternatur-Geschwurbele.

Im Prinzip muss man (je nach Zielteig) Weizen oder Roggenmehl vermischt mit Wasser „einfach nur“ offen stehen lassen, bis sich in dieser Pampe freiwillig Hefepilze und Milchsäurebakterien angesiedelt haben bis sich nach einer Weile ein Gleichgewicht eingestellt hat und man einen Startsauer zur Vermehrung hat.

Trotz grössten Bemühungen haben sich bei mir keine der genannten Tierchen gefunden die sich auf dem Sauerteigansatz ansiedeln wollten – ich habe einen kleinen Krümel Frischhefe und einen Teelöffel Buttermlich der Sorte „kurz vor dem Ablaufdatum“ dazugegeben.

Diese Methode wird von echten „Profis“ verdammt, liefert aber sofort ein Ergebnis.

Über den Quatsch, der über das Backen im Internet verbreitet wird, könnte ich mittlerweile ein Buch schreiben. Aber das wäre ja jetzt schon wieder Arbeit 🙂


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